Graffiti-Sprayer beschimpfen die Polizei

Von Michael Vaupel
Groß und unübersehbar: Das beleidigende Graffiti ABAC prangt schon lange an der Ruhr-/Ecke Oststraße. Foto: Walter fischer / WAZ FotoPool
Groß und unübersehbar: Das beleidigende Graffiti ABAC prangt schon lange an der Ruhr-/Ecke Oststraße. Foto: Walter fischer / WAZ FotoPool
Foto: Walter Fischer

Witten.  ACAB - dieser Schriftzug von Graffiti-Sprayern klingt zunächst harmlos. Doch mit der Abkürzung, die für „All Cops Are Bastards“ steht, werden Polizisten als „Bastarde“ beleidigt.

In den Nachbarstädten, etwa in Bochum, doch auch an Autobahnen, haben die ACAB-Schriftzüge stark zugenommen. In Witten finden sich diese Schmierereien ebenfalls.

Groß ist ACAB beispielsweise auf der Kneipenfassade an der Ruhrstraße/Ecke Oststraße zu lesen. An einem Haus an der Einfahrt zum Aldi-Parkplatz nahe der Herbeder Straße findet es sich ebenso wie auf mehreren Stromkästen und Hauseingängen in der Stadt. Besonders provokativ: Das ACAB auf dem Hinweisschild „Polizei“ an der Heilenstraße, ganz nahe der Wache.

„Flächendeckend wie an Autobahnen findet sich dieser Schriftzug in Witten nicht“, meint Kripo-Chef Ralf Tietz, der schon lange ein besonderes Augenmerk auf Graffiti-Schmierereien im Stadtgebiet legt. Auch eine Zunahme von ACAB-Sprühereien konnt er in der letzten Zeit nicht feststellen. Sie seien nur einige unter zahlreichen anderen Graffitis im Stadtgebiet und „keine Seuche“ wie die „Desperado“-Schmierereien, die in Heven häufiger zu finden sind.

Das ACAB sieht er als „Ausdruck einer bestimmten Haltung mancher Leute gegen die Polizei“. Solche Leute seien „gegen etablierte Dinge und Herrschende“ eingestellt, wozu in deren Augen auch die Polizei oder die Stadt gehöre. Generell einer rechten oder linken Szene würde er diese gesprühten Beleidigungen aber nicht zuordnen.

Kripochef Tietz fühlt sich persönlich durch solche Bastard-Verunglimpfungen nicht angegriffen, weil sie sich nicht auf einzelne Beamte, sondern auf einen ganzen Berufsstand bezögen und er überdies „ein dickes Fell“ habe. Aber sensiblere Kollegen fänden solche ACAB-Sprüche oder landläufige abwertende Bezeichnungen wie „Bullen“ alles andere als nett.

Sollte jemand mal gefasst werden, muss er zwar mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung rechnen. Ob aber auch der Spruch selbst strafbar ist, darüber streiten die Juristen.Viele Gerichte halten ACAB nur dann für eine strafbare Beleidigung, wenn sie im konkreten Kontakt zur Polizei geäußert wird. Verlassen sollten Schmierfinken sich darauf je nach Gericht aber nicht.