„Gott ist mein Sozius“

1. Rüdinghauser Biker-Gottesdienst in der Ev. Kirchengemeinde Rüdinghausen. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
1. Rüdinghauser Biker-Gottesdienst in der Ev. Kirchengemeinde Rüdinghausen. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Die ev. Kirchengemeinde Rüdinghausen veranstaltete den ersten Biker-Gottesdienst. Und Pfarrerin Elke Helmerich predigte entsprechend.

Witten.. „Willi? Du sammelst. Aber denk’ dran, nicht im Klingelbeutel, sondern im Helm wird gesammelt.“ Sigrid Nitsch gibt die letzten Anweisungen. Nicht nur der ungewöhnliche Sammelbehälter, auch die selbstgedruckten Hinweis-Zettel, die an vielen Bäumen in Rüdinghausen hängen, deuten darauf hin, dass es sich hier um eine etwas andere Veranstaltung handelt.

Auf den Zetteln steht „MOGO“ - das Kürzel für „Motorrad-Gottesdienst“. Rund 80 Biker und Nicht-Motorradfahrer nahmen Pfingstsonntag am ersten Biker-Gottesdienst im Gemeindehaus der evangelischen Kirche Rüdinghausen teil.

„Die Idee dazu hatten wir bereits seit Jahren, da die meisten Biker in der Gemeinde unterrepräsentiert sind“, erzählt Hans-Eugen Witt, Initiator, Presbyter und selbst begeisterter Motorradfahrer. „Viele Biker kommen nicht in die Kirche, weil sie sich nicht mit den normalen kirchlichen Inhalten identifizieren können. Ein Biker-Gottesdienst ist so gestaltet, dass auch die Interessen und Sorgen dieser Menschen angesprochen und in die Gebete einbezogen werden“, sagt der 53-Jährige.

Einer der Besucher ist Hartmut Fetke (47), der bereits vor 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten ist. „In die Kirche gehen wir höchstens zu Weihnachten oder Ostern“, sagt er, „oder eben zu Motorradgottesdiensten. Denn dort können wir in unserer Kluft hinkommen, sind unter uns und es geht alles etwas lockerer ab als beim normalen Gottesdienst.“

Für die entsprechende Lockerheit sorgt die Band „Bblessed“, die mit zwei Akustik-Gitarren, Bass und Schlagzeug poppige Songs über Gott und die Welt zum Besten gibt. Neben dem Altar steht ein Motorrad, rund um den Altar haben die anwesenden Biker ihre Helme platziert. Locker ist auch Pfarrerin Elke Helmreich. „Gott ist mein Sozius, und Jesus ist Lord“, zitiert sie aus der „Biker-Bibel“, einem Neuen Testament mit vielen Zeugnissen von Menschen aus der Motorradszene. Sie spricht in ihrer Predigt viele Themen aus dem Biker-Alltag an.

Nicht alles läuft bei der Premiere in Rüdinghausen rund: Viele der Biker sprechen die gemeinsamen Gebete nicht mit. Ein Ventilator, der, passend zum Predigt-Thema, Wind imitieren soll, muss erst in Position gebracht werden, bevor er Elke Helmerich die Haare verweht. Und Willi sammelt dann doch im Klingelbeutel.

Das Geld ist für Projekte der Gemeinde und die Renovierung der Kirche gedacht. „Da ist noch einiges zu tun“, sagt Hans-Eugen Witt. „Im nächsten Jahr wird die Kirche 150 Jahre alt und unser Ziel ist es, bis dahin fertig zu sein.“

Mit dem Segen von Elke Helmerich und Musik von Bblessed werden die Biker nach einer Dreiviertelstunde zu ihren Maschinen entlassen. Am Ausgang steht schon wieder Spendensammler Willi – diesmal standesgemäß mit Helm.

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