Gewerbegebiete in Witten knapper denn je

Rasmus C. Beck (re.), Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr, und Sparkassen-Vorstandschef Ulrich Heinemann mit einem Stadtplan. Witten verfüge nur über rund drei Hektar unbebaute Fläche, die man ohne Einschränkungen gewerblich-industriell nutzen könne, so Beck. Für einen Wirtschaftsstandort ein großes Problem.Foto: Flemming Krause - Funke Foto Services
Rasmus C. Beck (re.), Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr, und Sparkassen-Vorstandschef Ulrich Heinemann mit einem Stadtplan. Witten verfüge nur über rund drei Hektar unbebaute Fläche, die man ohne Einschränkungen gewerblich-industriell nutzen könne, so Beck. Für einen Wirtschaftsstandort ein großes Problem.Foto: Flemming Krause - Funke Foto Services
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Hohe Gewerbe- und Grundsteuern, fehlende Gewerbeflächen. Wittener Probleme, die jetzt die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr auf den Plan ruft.

Witten..  Fehlende Gewerbeflächen in der Stadt, hohe Gewerbe- und Grundsteuern, die helfen sollen, kommunale Haushaltslöcher zu stopfen, sind Themen in vielen Wittener Unternehmen. Auch die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr mit Sitz in Essen, eine Tochter des Regionalverbandes Ruhr, beschäftigt sich jetzt damit.

Für deren Geschäftsführer Rasmus C. Beck ist das Vorhalten von Gewerbe- und Industrieflächen für Neuansiedlungen und Erweiterungen von Firmen eine der „zentralen Herausforderungen für den EN-Kreis und besonders den Wirtschaftsstandort Witten in den nächsten Jahren“.

Zusammen mit der Wittener Sparkasse wird die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr deshalb am Mittwoch, 22. Juni, zum Thema eine Informationsveranstaltung bei der Sparkasse anbieten. Unternehmer, Vertreter der Politik und interessierte Bürger sind eingeladen. Auch Landrat Olaf Schade hat bereits zugesagt.

Das Unternehmen Dr. Ausbüttel & Co. geht nach Dortmund

54 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Stadt seien in Gewerbe- und Industriegebieten beschäftigt, sagt Sparkassen-Vorstandschef Ulrich Heinemann. Er sehe mit Sorge, dass immer wieder Firmenkunden in Nachbarstädte abwanderten, „weil es für sie in Witten keine Gewerbeflächen zur Betriebserweiterung gibt. Wie jetzt das Unternehmen Dr. Ausbüttel & Co. (Draco), das nach Dortmund geht“.

Witten, so Ulrich Heinemann, verfüge über eine gute Wirtschaftsstruktur mit klein- und mittelständischen Betrieben, „die manchmal schon seit Generationen in Familienhand sind“. Nur müssten prosperierende Firmen in der Stadt „auch räumliche Entwicklungsmöglichkeiten sehen“. Nicht zuletzt müssten neue Betriebe für den Standort Witten interessiert werden.

Für Stillstand auf diesem Feld sorge der Mangel an Gewerbeflächen, betont Rasmus C. Beck von der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr: „Die beinahe 100 000-Einwohner-Stadt Witten verfügt nur über rund drei Hektar unbebaute Fläche, die man ohne Einschränkungen gewerblich-industriell nutzen kann.“

Sechs kleine Flächen

Dies seien gerade einmal drei große Rasenflächen. „Und die drei Hektar verteilen sich noch auf sechs kleine Flächen im Bebbelsdorf und den Gewerbegebieten Salinger und Wullener Feld.“ Vor dem Hintergrund, dass in Witten jährlich rund ein Hektar Fläche neu von Gewerbe und Industrie benötigt werde, sei das, was zur Verfügung stehe, „so gut wie nichts“.

Rasmus C. Beck sieht da Handlungsbedarf. Mit Hinweis auf die in Witten geführten Debatten um neue Gewerbeflächen in Heven und Stockum meint Beck, privat in Herbede zuhause, dass Politik und Bürger Farbe bekennen müssten. „Wenn Witten auch künftig ein attraktiver Industrie- und Gewerbestandort bleiben will.“

Steigende kommunale Steuersätze

Denn fehlende Gewerbeflächen führten zu einem Stillstand, wenn es um Neuansiedlungen gehe, aber auch um den Wunsch von Firmen, sich räumlich zu vergrößern. 35 Hektar Gewerbefläche fehlten, heißt es von Wittens städtischer Wirtschaftsförderung.

Ein weiteres Hemmnis für die örtlichen Firmen, so Rasmus C. Beck, seien stetig steigende kommunale Steuersätze. Der Gewerbesteuerhebesatz liegt in Witten jetzt bei 520 Punkten. Wittens Wirtschaftsförderin Anja Reinken: „Damit liegen wir im gesamten EN-Kreis an der Spitze.“ Der Hebesatz für die Grundsteuer B war rückwirkend ab dem 1. Januar von 690 auf 910 Punkte erhöht worden. Damit kassiert Witten – mit Ausnahme weniger Kleinstädte – laut Bund der Steuerzahler den höchsten Wert in einer deutschen Kommune.

Rasmus C. Beck sieht noch ein weiteres Problem. „Rund 69 Prozent aller denkbaren Flächenpotenziale für Gewerbe und Industrie sind in der Stadt nicht ohne Schwierigkeiten nutzbar.“ Etwa, weil diese Altlasten aufwiesen oder die topographische Lage zu Einschränkungen führe. Bürgermeisterin Sonja Leidemann würde Wittens Wirtschaft Geld aus dem Bundesförderprogramm „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GWR) gönnen.

Leidemann: Witten kann nicht von Bundesförderprogramm profitieren

Aus diesem werden gewerbliche Investitionen und Investitionen in die kommunale wirtschaftsnahe Infrastruktur gefördert. Leidemann: „Der Kreis erhält hieraus aber keine Mittel, Witten als kreisangehörige Stadt also auch nicht.“

Leidemann hält dies für eine klare Benachteiligung gegenüber den Nachbarstädten Dortmund und Bochum. Beide könnten diese Fördergelder in Anspruch nehmen. „Es gibt ein mittelständisches Wittener Unternehmen, das Dortmund abwerben möchte. Mit dem Hinweis auf dieses Geld. Die Firma denkt über einen Standortwechsel nach“, so Leidemann.

 
 

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