Gewerbegebiet statt Erdbeerfelder? Hevener sind dagegen

Bürger bauen vor: 1461 Unterschriften gegen ein mögliches Gewerbegebiet an der Kleinherbeder Straße überreichten Mitglieder der „Interessengemeinschaft Heven“ am 24. März im Wittener Rathaus Bürgermeisterin Sonja Leidemann und Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke.
Bürger bauen vor: 1461 Unterschriften gegen ein mögliches Gewerbegebiet an der Kleinherbeder Straße überreichten Mitglieder der „Interessengemeinschaft Heven“ am 24. März im Wittener Rathaus Bürgermeisterin Sonja Leidemann und Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke.
Foto: Thomas Nitsche
Die Hevener wollen kein Gewerbegebiet anstatt ihrer Erdbeerfelder. Im Gespräch mit der Interessengemeinschaft zeigten fast alle Lokalpolitiker dafür Verständnis. Witten braucht aber mehr Gewerbeflächen und hat keine. Eine mögliche Lösung könnte in Bochum liegen: Dort werden wegen der Opel-Schließungen viele Areale frei.

Witten.. Gewerbegebiet statt Erdbeerfelder? Das bringt Hevener auf die Barrikaden – am Mittwoch hatten die „Gegner“ alias die Interessengemeinschaft (IG) Heven anlässlich der Kommunalwahl am 25. Mai Lokalpolitiker in die Gaststätte Dritte Halbzeit eingeladen. Für ein neues Gewerbegebiet in Heven sprach sich dabei niemand aus.

Werner Habighorst von der IG zeigte sich überwältigt: Zuerst reichten die Stühle nicht für die Gäste, dann wurde sogar der Versammlungsraum erweitert, damit alle Platz fanden.

Bochum hat, was Witten fehlt

Von den Politikern begann Martin Rose (SPD). Er schloss sich den Widerständlern nicht an: „Witten hat keine freien Gewerbeflächen mehr, einigen Unternehmen musste deswegen abgesagt werden.“ Er appellierte: „Wenn wir diese Chance vergeben, ist sie auf Jahrzehnte weg.“ Zurzeit sei es „nur eine Machbarkeitsstudie“. Seiner persönlichen Meinung nach wäre ein Gewerbegebiet Kleinherbeder Straße auch eher für Klein- statt Großunternehmen geeignet.

Für die CDU kam Arnulf Rybicki: „Wir erleben leider, dass sich ansiedlungswillige Unternehmen zurückziehen“, bedauerte er. Es gebe einen Mangel an Gewerbegebieten, außer in der Nachbarstadt Bochum, wo Opel aufhöre und Areale frei würden. Rybicki schlug einen Kooperationsvertrag mit Bochum vor. Der Haken: „Leider fehlen uns die Druckmittel. Wir müssen Bochum überreden.“ Zu den Erdbeerfeldern sagte der stellvertretende CDU-Fraktionschef: „Das sieht nicht aus wie eine Fläche, die auf Entwicklung wartet.“ Dass der EN-Kreis die Machbarkeitsstudie in Auftrag gab, sieht er entspannt: „Am Ende wird in Witten entschieden, nicht in Schwelm.“

Konsequente Unterstützung

Von den Grünen kamen Isabella Tappenhölter und Paul Wood. Klare Aussage: „Wir sind dagegen, mit uns gibt es keine Bebauung.“ Ähnlich Claus Riepe und Harald Kahl vom Bürgerforum: „Die Fläche ist ein Grünzug und ökologisch wertvoll, wir werden den Widerstand konsequent unterstützen.“ Claus Riepe schlug vor, sich mit dem Widerstand in Stockum, wo ebenfalls vom EN-Kreis die Machbarkeit einer neuen interkommunalen Gewerbefläche untersucht wird, zusammenzuschließen.

Ursulas Weiß (Die Linke) sprach sich ebenfalls gegen eine Bebauung der Erdbeerfelder aus: Auch sie befürwortete Gespräche mit Bochum wegen der Opel-Flächen.

Dem FDP-Vertreter schallte Widerspruch entgegen, als er einen „Riegel aus Gewerbegebäuden als Schallschutzwand“ für die Häuser an der nahen A 43 empfahl. Er ergänzte: „Wir werden uns nichts verschließen.“ Siegmut Brömmelsiek, erster Vorsitzender der Wittener Bürger Gemeinschaft, sagte klar: „Wir sind gegen eine Gewerbeansiedlung an einem solchen Standort.“ 500 Hektar Fläche würden in Bochum frei, so Brömmelsiek, und in Witten habe man einen der höchsten Gewerbesteuersätze der Region. Der WBG-Chef ritt noch eine Attacke gegen den Kreistag: „In Ausschüssen wird nicht diskutiert, da guckt man sich nur an und nickt ab oder stellt vorgefertigte Fragen. Das ist keine Demokratie“, fand Brömmelsiek.

Den See zuschütten

Hans-Peter Skotarzik (Witten Direkt) sprach sich ebenso gegen ein Gewerbegebiet in Heven aus, hatte aber einen originellen, wenngleich ironischen Vorschlag: „Wir können ja den Kemnader See zuschütten, dann können wir den auch bebauen.“

Der Wittener Dirk Hannemann gab zu bedenken, ein Gewerbegebiet an der Kleinherbeder Straße würde breitere Straßen erfordern. Zur Machbarkeitsstudie sagte er: „Ich gebe nicht so viel auf Gutachten, ich habe selbst tausende geschrieben und gelesen. Im Gutachten steht, was der Auftraggeber will, das wissen wir doch alle.“

 
 

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