Fußgänger sehen rot

Genervt sind zahlreiche Fußgänger an der Ampel Ruhr-/Ecke Bahnhofstraße. Teils dreimal hintereinander haben Autos Grünlicht, bis sie endlich an der Reihe sind. Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool
Genervt sind zahlreiche Fußgänger an der Ampel Ruhr-/Ecke Bahnhofstraße. Teils dreimal hintereinander haben Autos Grünlicht, bis sie endlich an der Reihe sind. Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool

Witten.. Zahlreiche Fußgänger sehen an der Ruhrstraßenampel gegenüber der Bahnhofstraße rot. Auch im übertragenen Sinne: Denn die Ampelschaltung dort erweist sich als seltsam.

Es ist Dienstagmittag zwischen 13 und 14 Uhr: Die Ampel für die Autofahrer auf der Ruhrstraße springt auf Rot um. Brav stehen die Passanten, um für sich auf Grünlicht zu warten. Doch Verblüffung: Statt für sie schaltet das Signal wieder auf Grün für die Autos. Dieses Schauspiel wiederholt sich in der besagten Zeit bis zu dreimal. Das heißt: Einige Passanten warten mehrfach vergebens, bis sie endlich bei Grün die Straße überqueren können.

„Ich beobachte diese merkwürdige Schaltung schon länger“, erzählt Karl-Dieter Hoeper, der sein Geschäft nur wenige Meter entfernt in der Johannisstraße hat und die Ampel häufiger benutzt. Einen Reim kann er sich nicht darauf machen. Er erzählt aber auch, dass dem einen oder anderen wartenden Fußgänger wohl der Geduldsfaden reiße und dieser dann bei Rot die Ruhrstraße überquere. „Erst recht, wenn teils weit und breit kein Auto oder Bus zu sehen ist“, erinnert sich Hoeper. Und besonders, wenn die Schulen Schluss hätten, sei an dieser Stelle „die Hölle los“.

„Wir werden die Ampelsteuerung zügig überprüfen“, erklärt Verkehrsplaner Andreas Müller, „und zwar in Hinblick auf einen technischen Defekt“. Der könne vielleicht darin liegen, dass der Anforderungskontakt, den die Fußgänger drücken müssen, um Grün zu bekommen, auf der einen oder anderen Seite der Ampel nicht richtig funktioniere. Eine weitere Ursache könne darin liegen, dass die Busanmeldung an den Ampeln fehlerhaft programmiert sei. Dass niemand der Wartenden den Ampeldrücker bedient habe, sei allerdings unwahrscheinlich: Denn dann hätten die Autos ununterbrochen grüne Welle, was bei dem beobachteten Vorgang ja auch nicht der Fall war.

Üblicherweise würde die Ruhrstraßen-Ampel, ebenso wie jene beiden weiter oberhalb am Kornmarkt und am Rundkiosk, die mit ihr koordiniert sind, im „Umlauf“ funktionieren. Das heißt, alle 60 oder 75 Sekunden sind alle mal dran, also Autos und Fußgänger. Die Schnelligkeit der Umlaufwechsel ist dabei abhängig vom Verkehrsaufkommen. Das wird durch Detektoren in der Fahrbahn gemessen und an einen Zentralrechner im Rathaus weitergeleitet, der das Ampelprogramm steuert.

Für das Fußgänger-Grün hat er unterschiedliche Zeitfenster: Tagsüber haben die Passanten pro Phase 15 Sekunden Zeit, um die Ruhrstraße zu überqueren, nachts sind es zehn bis zwölf Sekunden. „Ich würde mir schon wünschen, dass es etwas länger wäre“, sagt Passantin Sabine Klein. Und die 32-Jährige fügt hinzu: „Weniger für mich als für die vielen älteren Leute, die täglich diesen Ampelübergang auf ihrem Weg in oder aus der Fußgängerzone benutzen. Gerade wenn man mit Einkaufstüten bepackt ist, muss man sich hier doch ziemlich sputen.“

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