Fußball-Nationalspielerin Alexandra Popp spricht über das WM-Aus

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Witten. Alexandra Popp, gebürtige Wittenerin und Fußball-Nationalspielerin, sprach mit der Redaktion nach dem Ausscheiden gegen Japan bei der Frauen-WM über die Niederlage und die Zeit danach.

Frage: Haben Sie die Niederlage gegen Japan schon verkraftet?

Alexandra Popp: Die ersten beiden Tage direkt nach dem Spiel konnte ich es nicht fassen, dass wir ausgeschieden sind. So richtig verkraftet habe ich es immer noch nicht. Ich bin noch nicht wieder im Alltag angekommen. Das dauert noch ein bisschen.

Woran lag es ihrer Meinung nach, dass die Mannschaft gegen die Asiaten keine Chance hatte?

Uns hat einfach das eine blöde Tor gefehlt. Ich denke, dass wir unterbewusst immer eine Bremse angezogen hatten und nicht 100 Prozent gegeben haben. Denn eigentlich können wir viel mehr, als wir während der gesamten WM gezeigt haben.

Wie war die Stimmung nach dem Spiel in der Kabine?

Es herrschte Totenstille. Keiner hat auch nur ein Wort gesagt. Und es flossen natürlich viele Tränen. Auch später im Hotel ging jede direkt in ihr Zimmer und hat das Aus bei der WM für sich verarbeiten müssen.

„Den Druck haben wir uns selbst gemacht“

Was für ein Gefühl war es, auf einmal vor rund 70 000 Zuschauern zu spielen?

Das war toll. Die Fans haben uns super unterstützt. Den Druck haben wir uns selber gemacht, da von der Öffentlichkeit mehr erwartet wurde. Schließlich waren wir amtierende Weltmeister. Vielleicht hat es deswegen nicht geklappt, weil wir mit dem Erwartungsdruck nicht umgehen konnten.

Wie haben Sie die WM im eigenen Land empfunden?

Ach, die Fans waren klasse. Sie jubelten uns auf der Straße zu und waren bemalt wie bei der WM der Männer 2006. Das macht mich stolz, dass auch wir Mädchen so etwas auf die Beine stellen können. Und für unsere Fans tut es mir noch mehr leid als für uns selbst, dass wir ausgeschieden sind. Schließlich war die Unterstützung immer grandios.

Was sagen Sie zu der Kritik von Trainerin Silvia Neid, dass sie von Ihnen mehr erwartet hätte, obwohl sie nur eine Viertelstunde auf dem Platz standen?

Damit muss ich umgehen können. Zumal ich selbst von mir und meiner Leistung sehr enttäuscht war. Die Kritik ist eine Erfahrung für mich, die ich in meine weitere Laufbahn einbauen kann.

Soll Silvia Neid nach dem vorzeitigen Aus bei der WM zurücktreten?

Das kann ich nicht beurteilen. Sie ist eine tolle Trainerin und irgendeinen Sündenbock muss man immer finden. Ich denke, dass man kaum jemand Besseren für ihren Job findet.

Haben Sie eine Lieblingsspielerin bei der WM?

Nein. Wir sind alle Konkurrentinnen, auch jetzt noch nach unserem Ausscheiden.

„Die Frauen sehen doch super aus“

Die Männer haben während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bis zu 20 Millionen Zuschauer vor den Fernseher gelockt. Die Damen immerhin 16 Millionen. Lag das eher am Aussehen oder doch an der fußballerischen Leistung?

(lachend) Ich hoffe doch an der fußballerischen Qualität und nicht am Aussehen. Obwohl wir natürlich auch etwas für das Auge bieten.

Früher stellte man sich unter Frauenfußball burschikose Damen vor. Hat sich diese Ansicht geändert?

Ja, natürlich. Die Frauen sehen doch super aus. Diese Ansicht ist nicht mehr aktuell.

Wie geht es nach der WM für Sie beruflich weiter?

Ich werde mich um eine Ausbildung kümmern. Ich würde gerne mit Tieren arbeiten, im Tierheim oder auch im Zoo. Natürlich werde ich die Fußballschuhe nicht an den Nagel hängen. Ich bin gerade am Anfang meiner Karriere.

Machen Sie jetzt erst einmal Urlaub ?

Jetzt warte ich die WM ab und danach geht es für eine Woche in die Sonne. Wohin, verrate ich jetzt aber lieber nicht.

Wer wird Weltmeister?

Ich hoffe, dass die Japanerinnen das Rennen machen. Sie haben konstant die Gruppenphase gespielt und stehen immer top zusammen und zeigen, dass sie ein Team sind.

 
 

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