Für sehr gute Pflege fehlt das Geld

Krankenschwestern und -pfleger schieben im Wittener EvK für eine gute Versorgung der Patienten Überstunden.Foto:Ingo Otto/WAZ Foto-Pool
Krankenschwestern und -pfleger schieben im Wittener EvK für eine gute Versorgung der Patienten Überstunden.Foto:Ingo Otto/WAZ Foto-Pool
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Das Evangelische Krankenhaus könnte 25 zusätzliche Pflegekräfte gebrauchen. Nur dafür fehle ihm das Geld, so der Verwaltungschef Joachim Abrolat.

Witten..  Joachim Abrolat, Verwaltungschef des Evangelischen Krankenhauses, redet nichts schön, nennt die Dinge beim Namen: „Unsere Klinik hat derzeit zwei offene Stellen, für die wir Pflegepersonal suchen. Wir könnten 25 neue Kräfte in der Pflege gebrauchen. Nur dafür haben wir kein Geld.“

EvK-Pflegedienstchefin Ingeborg Drossel berichtet von vielen Überstunden, die für ihre rund 200 Schwestern und Pfleger im Haus anfallen. „Dass da jemand 70 Stunden angesammelt hat, ist nicht selten.“ Die Arbeitsbelastung sei für ihre Leute gestiegen und mit ihr der Krankenstand. Mit dem ihr zur Verfügung stehenden Personal könne sie „zwar gut, aber nicht sehr gut arbeiten“, so Drossel.

Dass er für zusätzliche Pflegekräfte kein Geld habe, sei das eine, sagt Verwaltungschef Abrolat. Das andere sei, „dass es diese Kräfte auf dem freien Markt gar nicht gibt“. Würde das EvK nicht eine eigene Gesundheits- und Krankenpflegeschule haben, aus der heraus Absolventen eingestellt werden, sähe die Lage noch schlechter aus. „Wir haben sogar Personalagenturen beauftragt, für uns Pflegekräfte zu suchen – ohne Ergebnis.“

Für ihre Arbeit werden Pflegekräfte zu schlecht bezahlt

Pflegedienstchefin Drossel ergänzt, dass es deutschlandweit sicherlich zu wenig Ausbildungsplätze für Pflegekräfte gibt, dass diese für die von ihnen geleistete Arbeit, aber auch zu schlecht bezahlt werden. Ein Berufsstand für den Nachtschichten, Wochenend- und Feiertagsarbeit zum Alltag gehören. Und dies sei alles nicht nur für Männer wenig attraktiv, sondern auch für Frauen. „Wobei über 80 Prozent unserer Pflegekräfte im Haus Frauen sind.“

Joachim Abrolat kommt noch einmal auf die Finanzen zu sprechen, auf die Fallpauschalen, mit denen die Krankenkassen die an Patienten geleistete stationäre Arbeit der Klinik mit festen Beträgen honorieren. Egal, wie aufwendig ein Patient behandelt wird oder wie lange er in der Klinik bleiben muss. „Wäre unser Krankenhaus in Rheinland-Pfalz, hätten wir eine Million Euro mehr zur Verfügung, weil dort höhere Fallpauschalen gezahlt werden. Das ist nämlich von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.“

Zur Demo nach Berlin gefahren

Was bei der Krankenhausfinanzierung von den Kostenträgern bislang auch nicht berücksichtigt werde, sei, dass immer mehr ältere und auch demente Menschen in die Kliniken kämen, die auch eine höhere pflegerische Versorgung benötigten als jüngere Patienten. „Die Fallpauschalen sind für sie deutlich zu niedrig angesetzt.“

Am Mittwoch ist Abrolat mit EvK-Geschäftsführer Heinz-Werner Bitter und Vertretern aus Ärzteschaft, Pflege und Mitarbeitervertretung nach Berlin gereist. Am Brandenburger Tor demonstrierten die Wittener mit rund 7000 anderen Klinik-Mitarbeitern aus ganz Deutschland gegen die geplante Krankenhausreform, die im Januar in Kraft treten soll. Weil die Betroffenen meinen, dass auch mit dieser „Top-Leistungen weiterhin unterbezahlt“ sind.

 
 

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