Für Manfred Hocke kommt der beste Amarena-Becher aus Witten

Es darf auch mal ein Hörnchen sein, Hauptsache Amarena: Manfred Hocke mit seinem Lieblingseis. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Es darf auch mal ein Hörnchen sein, Hauptsache Amarena: Manfred Hocke mit seinem Lieblingseis. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Walter Fischer
Seiner Herzensdame wegen kam Manfred Hocke 1974 nach Witten. Erst die Frau, dann die Stadt und jetzt der Amarena-Becher - wo die Liebe hinfällt. Jedenfalls haben es dem gebürtigen Ennepetaler (neben seiner Frau) die Stadt und eine ganz bestimmte Eisdiele angetan.

Witten.. Der 63-Jährige hat schon viele Eisbecher versucht, aber der Amarena-Becher bei Vizzinis an der Pferdebachstraße hat es ihm angetan. „Ich beurteile eine gute Eisdiele nach ihrem Amarena-Eis. Wenn das stimmt, passt der Rest meistens auch.“ Seit zwölf Jahren ist er der Eisdiele treu. Gemeinsam mit seiner Frau findet Hocke oft den Weg von der Wohnung in der Schlachthofstraße bis zu den Vizzinis.

Der Rentner liebt Witten. Er ist der Stadt für vieles dankbar. „Als ich damals aus Ennepetal hierher kam, wurde mir ein Job als Müllmann angeboten und ich griff zu.“ Durch diesen, wie er sagt, ehrbaren Beruf habe er die Stadt und die Wittener erst richtig kennengelernt. Denn viele Hausbewohner in den ländlicheren Gebieten bringen ihre Tonne an die Straße, wenn die Müllabfuhr kommt. „Gerade in Bommern waren die Menschen immer sehr freundlich und hatten Zeit für einen Schwatz zwischendurch. Das hat man natürlich in der Innenstadt nicht.“

Witten in der Vorreiterrolle

Krankheiten zwangen Manfred Hocke, den harten Job auf dem Müllwagen an den Nagel zu hängen. Er kam aufs Büro, zum Wohnamt. Dabei stellte er einen großen Mangel fest: „Es gibt sehr wenige behindertengerechte Wohnungen.“ Seine Frau leidet an der Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS), seit einigen Jahren suchen sie eine barrierefrei zu erreichende Bleibe. Denn die Krankheit wird mit den Jahren schlimmer. „Es gibt Tage, an denen kommt meine Frau ohne Hilfsmittel aus und stundenlang spazieren gehen kann. Dann, von jetzt auf gleich, fängt sie an zu zittern und muss sich setzen.“

Deswegen hofft er, dass Witten vielleicht eine Vorreiterrolle einnehmen könne, wenn es um behindertengerechte Wohnungen geht. „Dann würde ich diese Stadt noch mehr lieben, als ich es eh schon tue“, sagt der Wahl-Wittener.

Hauptsache, es schmeckt

Den Weg zu ihrer Lieblingseisdiele lassen sich die Hockes trotz ihrer Einschränkungen nicht nehmen. Manchmal kommt der Rentner auch alleine her und unterhält sich mit den Besitzern der Eisdiele. „Man ist eigentlich nie lange alleine, es sei denn, man möchte seine Ruhe haben.“ Übrigens: Einen guten Amarena-Eisbecher erkennt Manfred Hocke daran, dass die Soße nicht mit der Sahne verläuft oder sogar gerinnt. Wenn das passiert, da ist sich der 63-Jährige sicher, kann man von der Eisdiele nicht viel erwarten.

Voller Genuss gönnt sich Manfred Hocke drei Kugeln. Manchmal reicht ihm schon eine kleine Portion „Hauptsache, es schmeckt. Wenn sich jetzt noch das Wohnungsproblem lösen lässt, bin ich überglücklich.“

 

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