Für hitzige Debatten war es am „Tag der Ortsvereine“ zu heiß

Cordula Rode
SPD-Landtagskandidatin Nadja Büteführ (Mitte) aus Herdecke suchte beim „Tag der Ortsvereine“ am Samstag (27.8.) das Gespräch mit den Wittener Bürgern.
SPD-Landtagskandidatin Nadja Büteführ (Mitte) aus Herdecke suchte beim „Tag der Ortsvereine“ am Samstag (27.8.) das Gespräch mit den Wittener Bürgern.
Foto: FUNKE Foto Services
  • SPD-Landtagskandidatin aus Herdecke gibt schon mal ihre Visitenkarte ab
  • G 8 oder G 9 und EU-Beitritt der Türkei waren ein Thema vor der Stadtgalerie
  • Andrang hält sich in Grenzen. Für Politik war es vielen Bürgern einfach zu warm

Witten.  Bürgernähe hat die Wittener SPD am „Tag der Ortsvereine“ gesucht – wobei der Begriff „suchen“ in diesem Zusammenhang gut gewählt ist. Denn der Andrang blieb am Samstag (27.8.) auf dem Platz vor der Stadtgalerie überschaubar, was wohl nicht zuletzt den extremen Temperaturen geschuldet war. Dennoch bemühten sich die Ortsvereine, mit den Bürgern zwanglos ins Gespräch zu kommen.

Zu den politischen Gästen gehörte Nadja Büteführ, Landtagskandidatin für Witten und Herdecke. Entspannt versucht sie, mit dem Bürger (und möglichen Wähler) in Kontakt zu kommen. „Hallo, ich bin Frau Büteführ – die Tante von den Plakaten.“ Die hängen doch noch gar nicht... Sei’s drum. Welche Fragen brennen den Wittenern denn auf den Nägeln? Ein Thema ist die Dauerdiskussion um G8 oder G9 am Gymnasium. Ein engagierter G9-Gegner rennt bei der SPD-Politikein aus Herdecke offene Türen ein. Auch sie spricht sich für die längere Schulzeit aus.

EU-Beitritt der Türkei und Mindestlohn

Überhaupt herrscht an diesem, Vormittag viel Übereinstimmung. Ein türkischer Mitbürger diskutiert am Stand des Ortsvereins Stockum mit SPD-Mann Helmut Wiggers, obwohl „Diskussion“ schon zu hoch gegriffen ist. Der Besucher argwöhnt, dass der Türkei die EU-Mitgliedschaft aufgrund ihrer Religion versagt bleibe. Andere Länder mit ähnlichen Voraussetzungen hätte man ja schließlich trotzdem aufgenommen. Er denkt da zum Beispiel an Rumänien. „Da ist was dran“, sagt ein SPD-Mann. „Der Islam wird kritisch gesehen.“

Am Stand der ASF (Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen) steht die ehemalige Bundestagsabgeordnete Christel Humme. Eine plakative Gegenüberstellung auf einer Schautafel zeigt die bereits erreichten Ziele („Mindestlohn“) und diejenigen, die angestrebt werden („Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“). Gezielte Fragen oder auch Kritik sucht man auch hier vergebens. Das Grüppchen Besucher, das sich unter dem roten Zelt zusammengefunden hat, plaudert eher über private Dinge. Darüber hinaus tauscht man sich über das geplante „Bildungsquartier Annen“ aus. „Wir sammeln Ideen“, erklärt die prominente Genossin.

An der „Ansprech-Bar“ gibt’s Kirschsaft

Den stärksten Zulauf hat die „Ansprech-Bar“ – was sind hier die Themen? „Kalte Getränke“, sagt Carsten Lampe vom Ortsverein Mitte lachend. Neben Wasser gibt es, farblich gut gewählt, Kirschsaft. „Es ist einfach zu heiß heute.“ Hitze hin oder her – wie sieht es mit dem Vertrauen der Wittener Wähler in die zuletzt noch krisengeschüttelte Partei aus? Welche Rolle spielen die parteiinternen Querelen rund um die letzte Bürgermeisterwahl – alles vergessen?

Parteichef Ralf Kapschack winkt ab. „Da gibt es im Moment vor den anstehenden Wahlen drängendere Themen. Die Steuererhöhungen und die Schulpolitik etwa.“ Was den Parteigenossen Sorgen macht: „Viele Bürger stellen hier Zusammenhänge her, die es definitiv nicht gibt“, erklärt der Bundestagsabgeordnete. „Die Steuererhöhungen haben rein gar nichts mit der Hilfe für Flüchtlinge zu tun. Da kursieren Irrtümer und Vorurteile, die erschreckend sind. Hier wollen und müssen wir dringend aufklären.“