Fuchsjagd in Kämpen

Witten.. Der in einem Garten in Herbede-Kämpen geschossene junge Fuchs (wir berichteten) kam nicht aus dem Wald, sondern ist bei Anja Jakob aus der Markenstraße aufgewachsen, wohin er noch regelmäßig zurückkehrte.

„Er war noch ein Baby, als ich ihn bekam. Ich habe ihn mit der Flasche groß gezogen.“ Sie ärgert sich darüber, dass Anwohner das Tier beim ersten oder zweiten Auftauchen gleich hätten „abknallen“ lassen. Die 39-Jährige betont, dass sie niemanden an den Pranger stellen wolle und dem herbeigerufenen Jäger keinen Vorwurf mache. Der Fuchs hätte sein Halsband verloren und deshalb sei nicht erkennbar gewesen, dass es sich nicht um ein Wildtier im klassischen Sinne gehandelt habe. Ihren „dicken Hals“, also ihre Wut, erklärt Anja Jakob so: Wer am Wald wohne, müsse eben damit rechnen, „dass auch mal ein Eichhörnchen oder eben ein Fuchs im Garten steht“.

Die von ihr aufgezogene Jungfüchsin „Luzie“ sei mit acht Tagen aufgefunden und ihr von einer Tierschutzorganisation übergeben worden, sagt Anja Jakob. Gleichzeitig betont sie, dass man Wald- und Wildtiere eigentlich nicht zuhause halten solle. Denn gerade wenn es darum geht, die Tiere wieder auszuwildern, kann es Probleme geben, weil sie sich so an die Menschen gewöhnt haben. Die Füchsin sei erst seit Freitag allein unterwegs gewesen und bisher stets spätabends zurückgekehrt.

Anja Jakob, die auf ihrem großen Grundstück auch zwei Hunde, ein Pferd und sogar vier Waschbären hält, betont: „Luzie war sehr zahm.“ Sie habe nur Mäuse gejagt und Hundefutter gefressen. Alle Nachbarn in der Nähe und Spaziergänger hätten Bescheid gewusst. Anja Jakob: „Ich lasse doch sonst einen Fuchs nicht frei rumlaufen.“

Der städtische Forstwirtschaftsmeister Wolfgang Rothe war über eine Anwohnerin aus der Wagenfeldstraße informiert worden und hatte daraufhin den für dieses Revier zuständigen Jäger benachrichtigt. Wenn sich Füchse Häusern so stark näherten - Lucie kam sogar auf die Terrasse - und komisch verhielten, „müssen wir von der Forst- und Jagdbehörde darauf reagieren“, sagt Rothe. Es sei nie auszuschließen, dass das Tier krank sei, etwa den Fuchsbandwurm oder sogar Tollwut habe. Wobei es äußere Anzeichen in diesem Falle wohl nicht gegeben hat. Und die Tollwut ist in Witten zum Glück seit vielen Jahren nicht mehr aufgetreten.

Luzie war entwurmt und geimpft, betont Anja Jakob, was sie aber nicht vor dem Abschuss schützte. Die Füchse - über 1000 wurden im letzten Jagdjahr im EN-Kreis getötet - drängten als Kulturnachfolger des Menschen immer stärker in die Siedlungen, erklärt der für Kämpen zuständige Jäger Andreas Becker.

Erst kürzlich sei „Am Huchtert“ ein Hühnerstall „komplett auf links gezogen“, in einem anderen Falle zwei Zwergkaninchen gerissen worden. Becker: „Das sind Beispiele, die uns zwingen zu handeln.“ Die Aufzucht von Wildtieren solle man Wildparks überlassen, wo die Tiere artgerecht leben könnten.

Nicht ganz klar ist allerdings, ob der Fuchs in diesem Falle wirklich geschossen werden durfte. Denn „Haus- und Hofgärten“ gelten nach Angaben der Unteren Jagdbehörde als „befriedeter Bezirk“. Hier sei das Jagen allerhöchstens mit Einzelfallgenehmigung gestattet, sagt Mitarbeiter Herbert Buchenauer. „Etwa wenn ein Kind angefallen wurde.“ Jäger Andreas Becker bestätigt, dass es befriedete Bezirke innerhalb eines Jagdbezirks gebe. Gleichzeitig verweist er auf „Sonderklauseln zur Schadenabwehr“.

Jungfüchsin Luzie wurde nur vier Monate alt. In einem anderen Fall gelang Anja Jakob das Auswildern eines Tieres besser. Es handelte sich um ein Reh. „Das rennt hier schon seit vier Jahren rum.“

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