Freie Fahrt mit Bus und Bahn zum Sontagseinkauf in Witten?

Belebte Bahnhofstraße am verkaufsoffenen Sonntag: Kostenloser ÖPNV soll das Einkaufen noch attraktiver machen. Foto:Hänisch
Belebte Bahnhofstraße am verkaufsoffenen Sonntag: Kostenloser ÖPNV soll das Einkaufen noch attraktiver machen. Foto:Hänisch
Foto: Haenisch / waz fotopool
Piraten-Idee findet im Verkehrsausschuss viele Unterstützer. Stadt soll Kosten ermitteln und Handel als Sponsor ansprechen.

Witten.  Ohne Fahrschein zum Sonntags-Shopping und wieder nach Hause: Kostenlos sollen die Wittener und Auswärtige künftig mit Bus oder Bahn an verkaufsoffenen Sonntage in die Innenstadt fahren können. Diese Idee der Piraten-Fraktion stieß im Verkehrsausschuss grundsächlich auf ein positives Echo. Auch die Standortgemeinschaft-Mitte kann sich eine Beteiligung vorstellen, verweist aber auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung.

Die Vorteile einer fahrscheinlosen ÖPNV-Benutzung (Öffentlicher Personennahverkehr) liegen für Frank Rinkus, Sachkundiger Bürger der Piraten, auf der Hand: Die Bürger müssten sich an solchen vollen Tagen „nicht mit dem Auto durch Witten quälen“, die Umwelt werde entlastet, für andere blieben gleichzeitig mehr Parkplätze. Witten können auf diese Weise als Einkaufsstadt punkten, Handel und Gastronomie bekämen mehr Zulauf. Rinkus: „Da kann man in Ruhe einkaufen und sich auch noch ein Bierchen gönnen.“

Auch die Verkehrsbetriebe sieht Rinkus langfristig auf der Gewinnerseite, weil ÖPNV-Muffel auf den Geschmack der bequemen Anfahrt kommen könnten. Der kurzfristige Einnahmeausfall sei aber gering, würden Bus und Bahn an Sonntagen doch bisher eher wenig genutzt. Um diesen Verlust auszugleichen, so sein Vorschlag, könne aber doch vielleicht der Handel als Sponsor gewonnen werden. Die Stadt Witten soll jetzt zusammen mit dem EN-Kreis den Einnahmeverlust ermitteln, Finanzierungswege aufzeigen und dabei auch mit dem Einzelhandel über eine Beteiligung reden. Der entsprechende Prüfauftrag bekam im Verkehrsausschuss eine breite Mehrheit.

Auf Vorschlag von Julian Fennhahn (CDU) wurde er sogar auf weitere Festtage erweitert. „Was ist denn bei Festen, der Zwiebelkirmes und in den Stadtteilen?“, fragte er. In Witten gibt es zur Zeit insgesamt 13 verkaufsoffene Sonntag, darunter die in Zuge des Frühlingsvolksfestes in Annen, der Zwiebelkirmes und des Oktoberfestes in Herbede. Martin Rose (SPD) machte den praktischen Vorschlag, der Handel könnte die Fahrkarte ja auch ganz oder teilweise ersetzen – „wie wenn ich bei Saturn einkaufe und mir Parkgebühren erstatten lasse“.

Gegenstimmen gab’s nur vom Bürgerforum und von der Linken. Bürgermeisterkandidatin Ulla Weiß (Linke), steht den „Verkaufsoffenen“ aus Rücksicht auf die im Einzelhandel Beschäftigten ohnehin kritisch gegenüber. Sie verwies aber auch auf ganz praktische Probleme: „Was ist, wenn einer mit der S-Bahn aus Bochum oder Dortmund kommt – das ist doch auch ÖPNV?“ Den Nahverkehr solle man lieber durch bessere Taktung und Haltestellen attraktiver machen, die Stadtverwaltung nicht durch weitere Prüfaufträge überlasten.

Standortgemeinschaft Mitte: Auf praktische Umsetzung kommt es an

„Generell positiv“ seht Klaus-Dieter Hoeper der Piraten-Idee erst einmal gegenüber. „Wenn die Konditionen stimmen, kann ich mir vorstellen, dass wir so flexibel sind und da mitmachen“, sagte der Vorsitzende der Standortgemeinschaft Witten-Mitte auf Anfrage dieser Zeitung. Dabei komme es aber darauf an, eine praktische Lösung zu finden. Vor drei, vier Jahren hatte die Standortgemeinschaft Parkgutscheine – eine Stunde frei auf bewirtschafteten öffentlichen Parkplätzen – an Kunden ausgegeben. Die hatte sie zuvor von der Stadt erworben. Die Aktion lief aber aus, als das Kontingent aufgebraucht war.

Auch damals habe man sich schon überlegt, auch etwas für die Kunden zu tun, die mit Bus oder Bahn anreisen, erinnert sich Hoeper. Die Überlegungen seien aber im Sande verlaufen. „Es erwies sich damals einfach als zu schwierig, das umzusetzen.“

13 verkaufsoffene Sonntag im Jahr

Die Standortgemeinschaft Witten-Mitte hat aktuell 70 Mitglieder. Dem eingetragenen Verein gehören Einzelhändler, Hausbesitzer und Selbstständige an.

In der Innenstadt gibt es 2015 vier verkaufsoffene Sonntag. Hinzu kommen neun verkaufsoffene Sonntage in den Stadtteilen.

Im Einzugsbereich der Bogestra gibt es bisher nirgendwo das Angebot, Bus oder Tram an verkaufsoffenen Sonntagen ohne Fahrschein zu nutzen. Der Einnahmeausfall lasse sich erst abschätzen, wenn man die genauen Rahmenbedingen kenne, so die Bogestra. Sie rechnet mit dem EN-Kreis ab, der Nahverkehrsleistungen „bestellt“.

 
 

EURE FAVORITEN