Fotos von Verletzungen belasten Wittener schwer

Ilka Wiese
Schwer belastet wurde der in Siegen wegen Vergewaltigung vor Gericht stehende 30-Jährige Wittener. Am Morgen nach der mutmaßlichen Tat machte eine Ärztin Fotos von den Verletzungen, die das Opfer erlitten haben soll, darunter zahlreiche kleinere Blutergüsse. Der Angeklagte bestreitet weiterhin die Tat.

Siegen/Witten.  Die lauten Sexgeräusche aus dem Schlafzimmer im zweiten Stock haben die Nachbarin am frühen Morgen des 16. Juli 2013 geweckt. Erst als sie Hilferufe einer Frau hörte, „saß ich senkrecht im Bett“, erinnert sich die Zeugin vor Gericht. Einem 30-jährigen Wittener wird in Siegen vorgeworfen, eine 21-Jährige zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben. Zudem soll er ihr verschwiegen haben, dass er mit dem HI-Virus infiziert ist.

Der Angeklagte wies den Vorwurf der Vergewaltigung erneut zurück. „Wenn ich eins in diesem Land gelernt habe, dann dass eine Frau nein meint, wenn sie nein sagt.“ 2000 oder 2001 soll er aus Guinea nach Europa gekommen sein. Ob das stimmt, ist nicht nachprüfbar. Deshalb wurde er nicht abgeschoben und wird seit 2003 in Deutschland geduldet. Die Stadt Witten stellte die Urkunde aus. Was aber in jener Nacht passiert ist?

Extra für den Geschlechtsverkehr nach Siegen gefahren

Daran fehlt dann doch die Erinnerung. Jede Menge Wodka, Cannabis und viele Nasen Kokain hätten ihm die Lust auf Sex genommen. Er habe keine Erektion bekommen und habe schließlich nur noch schlafen wollen. Aber ja, er sei extra für den Geschlechtsverkehr mit dem letzten Zug aus Dortmund zu seiner Zufallsbekannten nach Siegen gefahren.

Auch beim Anblick der Fotos, die eine Ärztin am Morgen des 16. Julis gemacht hat, zuckt der Angeklagte mit den Schultern. Darunter viele kleine Blutergüsse im Nacken, die laut Ärztin davon kommen könnten, dass jemand mit „sehr viel Kraft“ an den Haaren gezogen haben müsse.

Angeklagter ist einschlägig vorbestraft

Der Wittener war schon mehrfach u.a. wegen schwerer Körperverletzung, versuchtem Raub und Drogenhandel verurteilt. Nicht mehr verantworten muss er sich wegen des Vorwurfs seiner Ex-Freundin, sie infiziert zu haben. Die Frau habe noch mit einem anderen positiven Mann verkehrt und die Viruslast bei dem Wittener sei sehr gering, eine Ansteckung laut Gericht damit unwahrscheinlich. Es folgen die Plädoyers.