Flüchtlingskinder in Witten lernen das Trommeln

Trommelt jede Woche gemeinsam mit ihren Schützlingen in der Erlenschule: Michaele Mohr (Mitte).
Trommelt jede Woche gemeinsam mit ihren Schützlingen in der Erlenschule: Michaele Mohr (Mitte).
Foto: Funke Foto Services
Michaele Mohr führt Flüchtlingskinder an der Erlenschule in die Welt des Trommelns ein. Der Bund fördert das Projekt der städtischen Musikschule.

Witten..  Die kleine Delyara reibt sich die Hände: „Ich bekomme Blasen an den Fingern“, sagt das Mädchen – und lächelt. Kurz zuvor hat die Erlenschülerin minutenlang auf eine Basstrommel zwischen ihren Knien geschlagen. Erst ganz leise, dann ganz laut, mit voller Kraft.

Musikpädagogin Michaele Mohr (62) hatte sie und die anderen sieben Kinder, die heute im Stuhlkreis sitzen, dazu ermuntert. „Seit Februar bringe ich den Kindern das Trommeln bei“, sagt Mohr. Die 62-Jährige hat in Rotterdam Musik studiert und ist außerdem ausgebildete Lehrerin. Seit Februar kommt sie im Auftrag der städtischen Musikschule jeden Donnerstag in die Erlenschule, um 14 Flüchtlingskindern das Trommeln beizubringen. Unterstützt wird das Projekt mit 10000 Euro durch das Bundesprogramm „Kultur macht stark“.

„Es geht in erster Linie darum, die Kinder zu einer Gruppe zusammenzuführen und mit ihnen soziale Regeln einzuüben“, sagt Mohr. „Durch die Musik sollen sie auch Wertschätzung erfahren.“ Wenn von Integration die Rede sei, stünde oft die Sprache im Mittelpunkt. „Hier ist die Sprache nicht so wichtig, es geht mehr um die Rhythmik“, sagt Mohr. „Die Musik ist unsere gemeinsame Sprache.“

Der Körper wird zur Trommel

Die Mädchen und Jungen aus Syrien, dem Irak oder Rumänien scheinen das zu spüren. „Es gab Kinder, die hier am Anfang nur dasaßen und auf den Boden gestarrt haben. Jetzt lachen sie und haben Freude am Leben.“

Neben dem Trommeln stehen auch Bewegungsübungen auf dem Programm, etwa der Schütteltanz oder das Abklopfen verschiedener Körperteile. „Weiß einer, wie die Beine unten heißen?“, fragt Michaele Mohr in die Runde. „Schienbeine“, sagt ein Kind. „Unterschenkel“, ruft ein anderes. Gemeinsam klopfen sie zweimal darauf und machen dann mit den Oberschenkeln weiter. „Euer Körper ist jetzt die Trommel“, sagt Mohr. Immer schneller wechselt sie zwischen Beinen, Bauch, Brust, Wange. Manche Kinder kommen nicht mehr mit, sie lachen.

Die Arbeit macht der Musikpädagogin Spaß

„Sie sind alle so unterschiedlich. Manche sind mit dem Trommeln aus ihrer Kultur vertraut und können schon etwas spielen, andere nicht.“ Mohrs Ziel sei es, jeden mit seinen Fähigkeiten zu erfassen und zu fördern. „Eigentlich war auch ein Auftritt geplant, aber im Moment hört es sich noch nicht danach an“, sagt die Musikpädagogin mit einem Augenzwinkern. Manchmal sei die Gruppe ein einziger Flohhaufen. Außerdem würden immer mal wieder Kinder fehlen. „Sie vergessen den Unterricht oder wurden schon abgeholt.“

Obwohl es „harte Arbeit“ sein kann, genießt Michaele Mohr die Stunden mit ihren Schützlingen. „Es macht mir großen Spaß.“

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