Flüchtlingskind hilft Flüchtlingen

Lirie Molla (38), Blerim Molla (44), Leonel Molla (3) und Paola Molla (13) aus Albanien (v.li.) freuen sich, dass Belkize "Beli" Berisha (2.v.r.) ihnen hilft.
Lirie Molla (38), Blerim Molla (44), Leonel Molla (3) und Paola Molla (13) aus Albanien (v.li.) freuen sich, dass Belkize "Beli" Berisha (2.v.r.) ihnen hilft.
Foto: Funke Foto Services
Beli kam vor elf Jahren aus Albanien. Sie weiß, wie hart es in der Fremde ist. Daher arbeitet sie in der Jahnhalle – mit Herzblut und Sprachkenntnis.

Witten.  Sie kam selbst als Flüchtling hier an – nun hilft sie anderen. Tag für Tag, Woche für Woche ist Belkize Berisha für die Menschen in der Jahnhalle da. „Menschen wie sie sind das Herzstück unserer Arbeit“, lobt Tanja Knopp vom Roten Kreuz die 20-Jährige.

Herzblut und Sprachgefühl: Das ist es, was Beli auszeichnet. Vor elf Jahren kam sie mit ihren Eltern aus dem Kosovo nach Witten. „Ich kann mich an den Krieg noch gut erinnern – es war furchtbar“, sagt sie. Ohne ein Wort Deutsch zu können, kam sie auf der Baedeker Schule in die dritte Klasse. „Mit Händen und Füßen haben wir uns zunächst verständigt, die erste Zeit war hart.“ Besser wurde es dann auf der Kronenschule: Beli fand eine Freundin, fand Anschluss: „Da hab ich mich verändert, um 180 Grad gedreht.“ Sie, die sich das Tanzen selbst bei Bollywood-Filmen vorm Fernsehen beigebracht hatte, fing an Kurse zu geben. Sie wurde selbstbewusster, entdeckte ihre Begabung fürs Helfen: „Wenn es anderen gut geht, bin ich glücklich“, sagt sie. Eine Ausbildung zur geprüften Sozialhelferin war da nur konsequent.

Nebenbei Sprachen gelernt

Ihre „Zusatzqualifikation“ machte sie aber im Wohnheim an der Billerbeckstraße, wo sie mit der Familie untergebracht war: „Ich hab nebenbei die Sprachen der anderen Bewohner gelernt.“ Inzwischen kann sich die 20-Jährige nicht nur auf Albanisch und Deutsch, sondern auch auf Englisch, Serbisch, Bosnisch, Hindi, und Pakistanisch verständigen – und ein wenig auf Russisch und Kurdisch. Und damit ist sie ein echter „Joker“ für die Arbeit in der Jahnhalle.

Von der ersten Minute an gehört sie zum Team dort. „Als im Juli die ersten Flüchtlinge kamen, hab ich mich gleich gemeldet.“ Beli war gerade auf Jobsuche, nachdem sie ein Eurythmie-Studium abgebrochen hatte. „Das war einfach nicht so mein Ding.“ Ihre Zeit ließ sie bei den Vertriebenen, Tag für Tag – und manchmal auch nachts. Sie machte Übersetzungen, begleitete die Flüchtlinge bei Arztbesuchen, machte Stadtführungen, organisierte Sportfeste und Tanzabende. „Einige waren bei mit zu Hause, wir haben zusammen gekocht“, erzählt sie. So entstanden Freundschaften, der Abschied von den ersten Gästen fiel furchtbar schwer. „Aber wir haben noch Kontakt, besuchen uns noch.“ Inzwischen weiß die 20-Jährige, dass es besser wäre, nicht zu viel Nähe aufzubauen. „Aber tut mir leid – ich kann einfach keinen Abstand halten.“

Mit vielen tollen Ideen

Und so ist sie weiter jeden Tag in der Halle und hilft. „Sie packt überall mit an und hat immer tolle Ideen“, freut sich DRK-Leiterin Tanja Knopp. Und mit Humor und Sprachkenntnis habe sie schon manch brenzlige Situation entschärft: „Sie bekommt ja Emotionen mit, von denen wir gar nichts ahnen.“

Ein gutes Zeugnis also für die engagierte Ehrenamtliche – eines, dass ihr neue Türen öffnete: Die Malteser boten Beli nun eine Stelle in Breckerfeld an, eine bezahlte. In zwei Wochen geht’s los. Beli freut sich darauf – und hofft, dass auch in Witten bald Geld für Hauptamtliche da ist. Tanja Knopp versichert: „Wenn, dann wäre Belkize sicher unser Wunschkandidat.“

 
 

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