Flüchtlingshilfe: Bettensuche im Kiosk brummt

Neues Hilfsangebot im Vhs-Häuschen kommt gut an – bei Flüchtlingen und bei Helfenden. Viele geben Möbel oder Kleidung ab. Jetzt fehlt noch ein Lagerraum

Witten..  Es ist Montag kurz vor zwölf, der „Help-Kiosk“ im runden Vhs-Häuschen hat schon zwei Stunden geöffnet. Doch an ein Durchatmen ist für die Helferinnen nicht zu denken. Fast ohne Pause öffnet sich die Tür oder klingelt das Telefon.

Ob Bettwäsche, Handtücher, Bett oder Schrank: „Viele Wittener wollen helfen und für Flüchtlinge etwas abgeben“, freut sich Mit-Initiatorin Lilo Dannert. Der Help-Kiosk hat nun seit über einem Monat seine Türen geöffnet. In dieser Zeit habe man etwa 30 Menschen mit Möbeln („Am besten schmale Schränke für die kleinen Wohnungen“) oder Kleidung versorgen können. Einige Wittener bieten auch Hilfe bei Behördengängen an, ein Mann will mit Flüchtlingen Musik machen. Auch wer Hausaufgabenhilfe, einen Sport- oder Deutschkurs sucht, ist hier richtig.

Zwei Familien geben ihre Betten ab

Wieder klingelt das Telefon. „Gardinen? Super! Ich kenne eine Frau, die dringend welche braucht“, freut sich Helferin Sabine Schmelzer (61), die heute mit Lilo Dannert und Beate Wiedemeyer (57) die „Schicht schiebt“. Doch der Anrufer hat noch mehr abzugeben: eine Wolldecke. „Gerade im Winter ist das sehr gut. Ich glaube, ich weiß schon jemanden, der sich darüber freut.“

Immer wieder sind die Kiosk-Helfer auch mit einem Transporter unterwegs. „Letzte Woche haben wir eine Couch von einem Pärchen abgeholt. Und zwei Familien haben ihre Betten abgegeben“, sagt Lilo Dannert. „Betten sind besonders gefragt. Dringend brauchen wir auch Winterschuhe.“ Als hätte er es gehört, betritt ein Mann den Help-Kiosk, vollbepackt mit einem Karton samt Kleidung und einem Paar Schuhe. Zuvor hatte eine Frau bereits einiges zum Anziehen vorbeigebracht – vom roten Pulli bis zum schicken Blazer.

Geräte und Möbel holen die ehemalige Lehrerin und ihre Kollegen meist direkt ab und bringen sie zu den Bedürftigen. Auf dem Tisch liegt bereits ein Zettel mit den Terminen der nächsten Tage. „Machmal lässt sich das zeitlich nicht einrichten. Dann sind die Sachen schon auf dem Sperrmüll.“

Küche lagert in altem Schalthaus

Die Stadtwerke haben zwar ein altes Schalthaus zur Verfügung gestellt, in dem derzeit eine Küche lagert. Doch ohne eigenen Schlüssel sei das auf Dauer keine Lösung, schütteln die Frauen den Kopf, während das Telefon läutet. „Ich rufe an, wenn ich den Fernseher habe. Kommen Sie zum Help-Kiosk neben dem Rathaus“, sagt Sabine Schmelzer, in einfachem Deutsch.

Die Tür geht auf, eine schmale junge Frau betritt den Raum. Es ist Trhas. Die 22-Jährige aus Eritrea ist gerade dabei, ihre erste eigene Wohnung in Witten zu beziehen. Besteck und zwei Gartenstühle haben ihre neuen Nachbarn ihr bereits geschenkt. Bald sollen Lampe, Bett, Gardine, Teppich, Schrank und Fernseher folgen.

„Wir kommen am Donnerstag um 16 Uhr“, versucht Sabine Schmelzer zu erklären. Trhas kann kein Englisch, Deutsch auch noch nicht. „Sie bekommen noch eine große Lampe. Zum TV gucken.“ Die 61-Jährige, wie Dannert eine ehemalige Lehrerin, greift zu Stift und Papier und zeichnet eine Leuchte, einen Fernseher zeigen die Helferinnen der Frau in einem bebilderten Heft. Trhas lacht, sie hat verstanden.

Und der Fernseher? Wie gerufen klingelt wieder das Telefon. „Einen Fernseher und einen TV-Tisch? Das passt doch“, freut sich Sabine Schmelzer.

EURE FAVORITEN