Flotte Bienen umschwirren Wildblumen in Witten

Can-Peter Koch (6) fühlt sich im Wildblumenbeet wohl. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Can-Peter Koch (6) fühlt sich im Wildblumenbeet wohl. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Foto: FUNKE Foto Services
Rund 30 000 Euro spart die Stadt jährlich, seit sie Beete bescheidener ausstattet.Statt Zierbananen und Narzissen gibt’s jetzt Mohn und Kornblumen.

Witten..  Leuchtend roter Mohn und Kornblumen werden von Hummeln und Bienen umschwirrt. Aber auch den Wittenern scheint’s zu gefallen: „Jetzt sehen die Beete nicht mehr so typisch deutsch durchstrukturiert aus, da fühlt man sich hier doch gleich viel entspannter“, meint Student Max Stommel amüsiert, den wir lernend im Lutherpark treffen.

Er sitzt neben einem der Beete. Eines von mehreren im Stadtgebiet, das mit Wildblumen statt mit Tulpen und Narzissen in Reih und Glied bestückt ist. Hauptgrund für diesen Wandel ist aber nicht die Schönheit, die ja überhaupt Ansichtssache ist, sondern die miese Finanzsituation der Stadt. Die muss bekanntlich sparen. Rund 30 000 Euro gibt sie pro Jahr weniger aus, seit auf Wildblumen-Aussaat umgestellt wurde. Das ist seit drei Jahren der Fall. Längst vorbei also die Zeiten, als sogar blauer Salbei, Geranien, Begonien, Zierbananen oder indisches Blumenrohr die städtischen Beete schmückte. Heute geht es dort bescheidener zu.

Früher sah es edler aus

Nicht nur im Lutherpark blühen also jetzt Wildblumen, sondern unter anderem auch am Ruhrstraßen-Eingang des Stadtparks, vor und neben Haus Hohenstein oder am Streichelzoo. „Das ist viel Natürlicher als zuvor. Und so schön bunt. Die Kinder fassen diese Blumen gern an. Und ich glaube, dass sich auch mehr Insekten darin tummeln als früher“, meint Katrin Hummelsiep. Die Wetteranerin trifft sich mit einer Wittener Feundin einmal wöchentlich, um mit den kleinen Kindern Moritz und Tim auf dem Hohenstein spazieren zu gehen. „Es heißt doch überall – zurück zur Natur. Das passt also prima“, ergänzt Freundin Melanie. Die 32-Jährige gesteht aber auch ein: „Klar sah’s früher edler und anspruchsvoller aus.“

30 000 Blumenzwiebeln versenkt

„Aber wir achten schon darauf, dass die Beete nicht verunkrauten“, beteuert Heinrich Lelgemann vom Grünflächenamt. Beispielsweise Sauerampfer oder Disteln gehörten nicht in die Beete und würden regelmäßig entfernt. „Denn ganz ohne Pflege geht es selbstverständlich auch jetzt nicht.“

Jedes Jahr wird neu ausgesät, der Boden umgepflügt, aufgelockert. Rund 30 bis 40 Blumensorten blühen abwechselnd so, dass sie immer wieder durch neue abgelöst werden, die durchtreiben. Zwischen Juni und November ist also weiterhin ordentlich was los in den städtischen Beeten. Das beginnt mit Mohn und Kornblumen, geht weiter über Chrysanthemen bis zu Herbstastern.

Früher wurden im Frühjahr um die 25 000 Blumen in die städtischen Beete gepflanzt. Die kamen im Oktober raus, dafür wurden etwa 30 000 Blumenzwiebeln in der Erde versenkt, aus denen dann im nächsten Frühjahr beispielsweise Tulpen und Narzissen sprossen. Und um die Zeit dazwischen nicht völlig farblos erscheinen zu lassen, wurden etwa 16 000 Stiefmütterchen gepflanzt. Ganze Lkw-Ladungen brummten zu diesen Zwecken also früher in Witten an, kamen überwiegend vom Niederrhein.

Aber das ist den flotten Bienen, die jetzt Wittens Wildblumen umschwirren, wohl herzlich egal.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel