Feuerwehr: Wir kommen nicht zu spät, sind aber zu wenige

Eine Funktionsstelle mehr in der Einsatzzentrale sieht der Brandschutzbedarfsplan vor, den Feuerwehrdezernent Matthias Kleinschmidt (Mitte), Branddirektor Hans-Joachim Donner und Achim Bierhoff,  Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Witten, Ende letzten Jahres vorstellten. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Eine Funktionsstelle mehr in der Einsatzzentrale sieht der Brandschutzbedarfsplan vor, den Feuerwehrdezernent Matthias Kleinschmidt (Mitte), Branddirektor Hans-Joachim Donner und Achim Bierhoff, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Witten, Ende letzten Jahres vorstellten. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler

Witten.. „Die Feuerwehr kommt nicht zu spät, sie kommt nur mit zu wenig Leuten.“

Das sagt kein Geringerer als Wittens Branddirektor Hans-Joachim Donner (54). Wie berichtet, kann ein kritischer Brandort zwar nach den vorgeschriebenen acht Minuten erreicht werden, oft aber nicht mit der gewünschten Stärke von zehn Mann.

In der Nichtverfügbarkeit von freiwilligen Kräften sieht Donner den Hauptgrund für dieses Problem, das übrigens kein Wittener, sondern ein bundesweiter Trend sei. Der Feuerwehrchef spricht von einem schleichenden Prozess in den letzten Jahren. Was den „Erreichungsgrad des Schutzziels“ betrifft, sind im Brandschutzbedarfsplan eigentlich 95 Prozent vereinbart. Witten liegt mit 71 Prozent im Vorjahr weit darunter. 2010 waren es noch 77 Prozent.

Im EN-Vergleich schneidet Witten schlecht ab. So erreichen rein Freiwillige Feuerwehren wie Sprockhövel Spitzenwerte von 85 bis 88 Prozent, wenn es darum geht, nach acht Minuten mit zehn Kräften den Einsatzort zu erreichen. „Ich war auch überrascht, dass Witten so niedrig liegt“, erklärt der zuständige Kreisbrandmeister Rolf-Erich Rehm (53). Das hänge damit zusammen, dass Witten ein großes Stadtgebiet und nur eine (Haupt-) Wache habe.

Es gebe kein Entfernungsproblem innerhalb des Stadtgebiets, betont Feuerwehrchef Hans-Joachim Donner. 91 Prozent der Löschfahrzeuge seien in acht Minuten am Einsatzort. Das Entfernungsproblem können aber die Freiwilligen haben, die oft auswärts arbeiten. Vorbei die Zeiten, als das Mitglied der Freiwilligen Löschgruppe Altstadt vielleicht nebenan in der Hauptstraße seinem Beruf nachging. Hinzu kommt, dass viele Freiwillige in ihrem Hauptjob trotz gesetzlicher Vorgaben zur Freistellung nicht mehr ohne Weiteres abkömmlich sind. „Der Sicherung des Arbeitsplatzes kommt ein höherer Stellenwert als der Freiwilligen Feuerwehr zu“, weiß Donner. Wofür er volles Verständnis habe.

Dass die nötigen zehn Mann nicht mehr innerhalb von acht Minuten zusammenzutrommeln sind, sei wegen der Berufstätigkeit der Freiwilligen ein Tagesproblem, sagt der Branddirektor. Nachts gebe es keine Schwierigkeiten. Nun gibt es aber ja noch die Berufsfeuerwehr, die oftmals die Besatzung des ersten Löschzuges stellt, wenn es nicht gerade in einem weiter entfernten Stadtteil brennt. Doch auch die Hauptamtlichen- rund 80 in Witten - „rücken leider nur mit durchschnittlich 9,2 Kräften an“, stellt Donner fest. Schichtdienst, Krankheit, andere Einsätze - mehr als neun oder zehn sind kaum verfügbar. Da kann es schnell eng werden, wenn parallel ein zweiter Einsatz kommt. Dann müssen die elf Beamten im Tagesdienst ran, was laut Donner einmal die Woche vorkommen kann. Dann kann es passieren, dass nur Einsatzleiter die Reservefahrzeuge besetzen.

Ein Arbeitskreis soll jetzt her und das Problem lösen. In dem weiteren Aufbau der Wittener Jugendfeuerwehr, die schon jetzt 120 Mitglieder zählt, sieht Donner einen Ausweg. Doch die Nachwuchsarbeit trage eben erst nach Jahren Früchte. Fakt ist: Es gibt rund 350 Freiwillige in zwölf Löschzügen, „wir bräuchten 430“.

Wegen der angespannten Personalsituation ist zwar noch keine Gefahr im Vollzug. Der Abwärtstrend setzt sich aber fort - auch wenn es darum geht, innerhalb von 13 Minuten mit 16 Einsatzkräften vor Ort zu sein. Hier sank der „Erreichungsgrad“ auf unter 70 Prozent. Wann denn die Bezirksregierung einschreite, wollte Hans-Joachim Donner jüngst wissen. Die Antwort passt zu den leeren öffentlichen Kassen: Bei 70 Prozent noch lange nicht.

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