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Malin Schneider
Straßenwahlkampf der Piratenpartei. Marcel Normann (links) im Gespräch mit Magdalena und Marc Amann.  Foto: Bernd Böhmer
Straßenwahlkampf der Piratenpartei. Marcel Normann (links) im Gespräch mit Magdalena und Marc Amann. Foto: Bernd Böhmer
Foto: WAZ FotoPool/ Bernd Böhmer

Witten. Zu kämpfen hatten die Piraten an diesem Samstag tatsächlich mit Sturm und Böen. Nur die Gischt blieb aus, standen sie doch nicht an der Reling eines Schiffes, sondern an der Bahnhofstraße.

Selbst als der kleine orange Pavillon abzuheben drohte und schon die ersten Flyer der jungen Partei umher flogen, reagierte Marcel Normann (40) gelassen und sammelte schnell die bunten Papiere auf. Schließlich galt es immer ein Ohr und ein freundliches Lächeln für die Passanten am Berliner Platz zu behalten.

Im Team waren sie angetreten: Marcel Normann, Direktkandidat der Piraten in Witten, und Martin von Böhlen (48) aus Hattingen. Beide diskussionsfreudig und stets zu kleinen Späßen aufgelegt. Und so hielten tatsächlich viele – vor allem junge Leute – kurz inne, um zumindest im Vorbeigehen einen Blick auf die Slogans und die Kandidaten zu werfen. Dass der Stand der Piraten dabei direkt neben einem Wahlplakat der SPD aufgebaut war, fiel kaum auf.

Am meisten punkteten die Kandidaten wohl aber bei den Kindern – die knallbunten Piraten-Luftballons gingen weg wie warme Semmeln. Und den Jüngsten unter den potenziellen Wählern war es wohl auch egal, dass sich die Piraten-Kandidaten zwar redlich bemühten, ihre Unerfahrenheit aber doch dem ein oder anderen auffiel.

Aslihan Gözütok (35), die sich an dem Stand an der Bahnhofstraße eigentlich umfassend informieren wollte, kam etwas enttäuscht mit einem Programmflyer in der Hand zurück. „Aber das sind ja auch die ersten Gehversuche der Partei“, findet sie. Da wolle sie entschuldigen, dass die Abspeisung mit einem Flyer etwas hilflos wirkte. „Ich hätte mir schon ein bisschen mehr persönliche Aufklärung gewünscht.“

Schwer zu verstehender Spruch

Dass sie vor allem junge Menschen ansprechen, weiß auch Martin von Böhlen. Und so findet der Hattinger, dass er und auch Marcel Normann für die Piraten schon fast zu alt seien. Zumindest Marcel Normann kommt aber eigentlich sehr jugendlich-sportlich daher, mit seinen roten Turnschuhen und dem flotten Hemd.

Ein Erscheinungsbild, was scheinbar eine gelungene Mischung zwischen souverän und unbedarft vermittelt. Denn nach und nach bleiben auch einige ältere Herren an dem Stand stehen und mischen das Bild der jungen, alternativen Zuhörer, die sich ansonsten an dem Pavillon tummeln, ein bisschen auf.

Das Wahlplakat der Piraten „Du/bist/system-/relevant“ hängt am Samstag nicht an dem Wahlstand. Stattdessen sieht man einfachere und eingängigere Slogans auf den Tafeln. Bei einer Nachfrage, ob der Wahlspruch vielleicht doch irgendwie schwer zu verstehen gewesen sei, widersprechen die Kandidaten nicht: „Wir sind ja lernfähig.“