Familie machte zentnerweise Drogengeschäfte

Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
  • Vater und Sohn handelten mit Drogen
  • Es geht um über 700 Kilo Cannabis
  • Wittener wurde monatelang überwacht

Witten..  Es ist einer der spektakulärsten Drogenprozesse Wittens: Ein 35-jähriger Ruhrstädter soll zwischen 2001 und 2016 mit 700 Kilo bis zu einer Tonne Cannabis gehandelt haben. Umsatz: 2,8 Millionen Euro.

Es war ein wahrer „Familienbetrieb“. Auf der Anklagebank des Bochumer Landgerichts sitzen seit Montag neben seiner Freundin auch seine Eltern, die ihm geholfen haben sollen. Für die Neunte Strafkammer wird der Prozess zur Herausforderung werden: Ermittlungsdaten auf 8000 DVDs wurden gesammelt, über 5000 Seiten Aktenmaterial hat die Staatsanwaltschaft zusammengestellt, die Anklage ist über hundert Seiten dick, die Verlesung durch zwei Staatsanwältinnen dauerte fast zwei Stunden. Was die Arbeit des Gerichts erleichtern dürfte: Die Anklage beruht im Wesentlichen auf den Angaben des 35-Jährigen . Dass er und die anderen sich zu den Vorwürfen äußern, gilt als wahrscheinlich.

Zur Last gelegt wird den vier Angeklagten, in 182 Fällen in wechselnder Besetzung Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge getrieben zu haben. Vorgeworfen wird dem Wittener zudem, seinen Vater zum Handel angestiftet zu haben: Der 66-Jährige soll immer wieder in die Niederlande gefahren sein, dort kiloweise „Stoff“ gekauft, ihn in Aluminiumsäcken eingewickelt über die Grenze geschmuggelt und für seinen Sohn in einem Wohncontainer zwischengelagert haben. Dort lebte er mit seiner Frau.

Wittener wurde monatelang observiert

Laut Anklage wurde der Hattinger mit dem weißen Rauschebart vom Sohn „eingesetzt“: Für die Fahrten über die Grenze sei er unscheinbar. Einmal soll seine Frau (65) zur Tarnung mitgefahren sein. Ausgerechnet dann ging das Ehepaar den Ermittlern in die Fänge – in Essen bei einer Verkehrskontrolle.

Ihren Sohn hatten die Ermittler ein Jahr lang observiert: per Telefonüberwachung sowie per Videokamera, die im Haus gegenüber des 35-Jährigen installiert wurde. Erste Hinweise gegen ihn gab es etwa vor zwei Jahren. Damals sagten erste Kunden des Großdealers aus, die umfangreichen Observierungen begannen. Auch verdeckte Ermittler waren im Einsatz: Ihnen verkaufte der 35-Jährige ebenfalls Drogen.

Am 9. Januar kam es zur Razzia in seinem Haus. Dabei wurden neben Pfefferspray, einem Beil und einem Baseballschläger auch Schusswaffen sichergestellt. Angeblich fühlte er sich unsicher: Der Münzhändler war vor Jahren einmal überfallen worden und hatte auch einen Auftritt bei „Aktenzeichen XY“.

Übergaben auch im Hammertal

Wenn einer seiner vielen Kunden wieder Drogen haben wollte, bekam er einen Anruf oder eine SMS. Laut Anklage sagte er dann seinem Vater Bescheid, der das Cannabis aus dem Wohncontainer mitbrachte. Die Übergaben zwischen dem 35-Jährigen und seinen Käufern fanden teilweise in seinem Haus statt, oft auch an einer Pommesbude oder am Rewe im Hammertal. Teils fuhr die Freundin des Witteners zur Tarnung mit. Sie und die Mutter des Dealers brachen vor Gericht in Tränen aus: Für Vater und Sohn wird es „eine lange Zeit ihres Lebens“ hinter Gitter gehen, sagte der Vorsitzende Richter Volker Talarowksi.

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