„Es war die Hölle“

Nur noch Müll: „Treibgut“ aus den von Schlamm überfluteten Kellerrräumen in der Rauhen Egge. Foto: Jürgen Augstein
Nur noch Müll: „Treibgut“ aus den von Schlamm überfluteten Kellerrräumen in der Rauhen Egge. Foto: Jürgen Augstein
Foto: WAZ FotoPool

Witten.. Nach dem Unwetter am Mittwoch gingen am Donnerstag vor allem in Buchholz (Hammertal/Rauhe Egge) die Aufräumarbeiten weiter.

Für die Feuerwehr waren es um die 15 relativ normale Einsätze, für einen Anwohner war es die „Hölle“: Während die Einsatzkräfte nach dem Starkregen am Mittwoch von einigen voll gelaufenen Kellern und der überfluteten Straße „Im Hammertal“ sprachen (wir berichteten), schaufelten Bewohner der Rauhen Egge eimerweise Schlamm aus ihren Kellern und Garagen. Noch den ganzen Donnerstag liefen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren.

Eigentlich würde Rentner Werner Krapp an diesem sonnigen Donnerstagmorgen im Freibad in Welper schwimmen gehen. Stattdessen steht er jetzt in Gummistiefeln mit Lehm auf dem Hemd vor seinem Haus in der Rauhen Egge, schaufelt und fegt Schlamm beiseite. „Mein’se, was wir unten im Keller hatten. Da stand er 20 Zentimeter hoch.“ Alles sei hier runtergespült worden, sagt der 78-Jährige, während sein Sohn Jörg (52) mit einem Hochdruckreiniger den Dreck wegspritzt. Die Häuser hier auf der rechten Seite liegen tief, gegenüber ist viel weniger passiert.

Wegemanns oben an der Ecke sind besonders betroffen. Pfützen voller Lehm stehen in der Garage, Schlamm plumpst von dort auf die Terrasse. 30 Schubkarren hätten sie bestimmt schon rausgeholt, sagt Tochter Julia (19) Die Garage, die Terrasse, der Garten, alles ist voller Schmutz, den der Regen vom Hang unterhalb des Sportplatzes gespült hat. Julias Vater war geschockt, als er abends von der Arbeit kam. „Da waren die Leute in der Rauhen Egge schon alle am scheppen. Die ganze Straße war voller Schlamm.“

Mit Schaufeln und Schneeschiebern machten sie die Fahrbahn und die verstopften Gullis so gut es ging wieder frei. „Zum Glück hab ich vor Jahren dicke Thermopenfenster eingebaut. Deshalb hatten wir zum Glück nichts im Keller. Bei den Nachbarn ist alles durchgegangen“, sagt der 50-Jährige, dessen Werkzeug in der Garage komplett unter Wasser stand: Schweißgerät, Schwingschleifer, Stromaggregat. „Das Wasser schoss hier richtig runter“, sagt Jochen Wegemann.

Auf der Straße wechseln sich die Schadensbeseitiger an diesem Donnerstag ab: Männer der ESW (Entwässerung Stadt Witten) reinigen die Gullis, Arbeiter vom Tiefbau- und Betriebsamt schaufeln den Dreck von der Straße. „Das Wasser kommt hier überall aus den Bergen“, sagen sie. Doch so schlimm sei es seit 40 Jahren nicht gewesen, „das war die Hölle“, meint Anwohner Karl-Heinz Neuhaus (70). Stundenlang hat er Nachbarn beim Schlammschippen geholfen. Autos standen im Wasser, unten im Hammertal bildeten sich Seen auf der Straße. Auch dort waren die Spuren gestern noch zu sehen. „Hier war alles voller Lehm“, sagt Marie-Luise Schick (38), während sie den Bürgersteig vor der Privatkita „Mini Maxi“ fegt.

Aber, keine Frage: Die Rauhe Egge hat’s am schlimmsten erwischt. Als die braune Brühe seinen Garten flutete, wurden bei Siegfried Matussek (70) sogar die Kartoffeln freigespült. „Wie ein Wasserfall“ lief es von der Garage seines Nachbarns herunter. Jetzt stehen die Angeln seines Mieters draußen zum Trocknen im Garten, sein Kellerraum war besonders betroffen. Matussek nimmt’s mit Galgenhumor: „Jetzt ist der Keller schön leer.“

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