Erstwähler sind genauso wahlmüde wie die Älteren

Muntere Wählerinfo: Vor der Kommunalwahl 2014 organisierte das Kinder- und Jugendparlament den „Erstwählercheck“, hier im Schiller-Gymnasium. Foto:Nitsche
Muntere Wählerinfo: Vor der Kommunalwahl 2014 organisierte das Kinder- und Jugendparlament den „Erstwählercheck“, hier im Schiller-Gymnasium. Foto:Nitsche
Foto: WAZ
Auch 16- und 17-Jährige können an der Wittener Bürgermeisterwahl teilnehmen. Begehrter als das Ankreuzen an sich ist ein Job als Wahlhelfer.

Witten.. Wer Wittens neuer Bürgermeister wird, das können am 13. September auch 16- oder 17-Jährige mitentscheiden: Seit 1999 sind sie in NRW bei Kommunalwahlen stimmberechtigt. Eine nicht unumstrittene Chance. Aber nehmen die Jugendlichen sie auch wahr?

Durchaus, sagt der Leiter des Wittener Wahlamtes, Michael Muhr. Bei der Kommunalwahl 2014 sei das Wahlverhalten der unter 18-Jährigen sogar statistisch erhoben worden. Mit der Erkenntnis: „Die Wahlmüdigkeit der Minderjährigen ist nicht größer als bei der restlichen Bevölkerung“, so Muhr. Weniger als die Hälfte der jungen Wahlberechtigten hätten ihr Kreuzchen gemacht. Dass Minderjährige wählen dürfen, ist nicht selbstverständlich und nur in sieben Bundesländern so. In Hessen wurde die Regelung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch wieder gekippt. Gibt es ein Hauptargument für ein Wahlrecht ab 16? „Weil wählen mitsprechen heißt“, sagt Wittens Kinder- und Jugendbeauftragte Henrike Pfordt. „Vieles, was hier vor Ort passiert, wird in Witten entschieden.“

Für Michael Muhr hat die Regelung einen positiven Nebeneffekt: Wer wahlberechtigt ist, kann sich auch als Wahlhelfer melden. Erstmals in der Wittener Wahlgeschichte dürfen am 13. September also 16- und 17-Jährige Stimmzettel austeilen und auszählen. Vorab ging das nie, da die Kommunalwahlen immer an andere Wahlen gekoppelt waren – etwa die Europawahl 2014, an der man erst ab 18 teilnehmen kann. Nun also meldeten sich viele Jugendliche: Schließlich können sie 40 Euro verdienen, die Wahlhelfern als „Erfrischungsgeld“ zustehen.

Umfrage bei Jugendlichen: Geht ihr zur Bürgermeisterwahl?

Ich werde wählen gehen, obwohl ich mich bislang noch nicht mit den Kandidaten beschäftigt habe. Ich frag’ dann meine Eltern. Ich weiß gar nicht, ob Wählen mit 16 so gut ist. Also ich habe mich für Politik mit 16 Jahren nicht interessiert. Mittlerweile schon, das wächst. Vor allem das Flüchtlingsthema beschäftigt mich.“
Patrick Lohmann, 18

Ich interessiere mich nicht für die Bürgermeisterwahl. Von diesen ganzen Querelen habe ich auch nichts mitgekriegt. Aber meine Mama sagt: Das ist wichtig! Also werde ich vielleicht doch wählen gehen. Ich finde es übrigens richtig, dass man in meinem Alter wählen darf: Ich bin ja nicht zu jung, um eine Meinung zu haben.“
Aylin Schelega, 18

Klar, gehe ich wählen! Ich guck’ ins Internet, frage meine Familie, Freunde. Aber letztlich orientiere ich mich komplett selbst. Am meisten interessiert mich der Umgang mit den Flüchtlingen. Ich helfe zurzeit in der Jahnhalle mit und kümmere mich um die Kinder. Wie Kinder in Witten beschäftigt werden, ist für mich auch wahlentscheidend.“
Michelle Worien, 17

„Echt , ich darf wählen? Das höre ich heute zum ersten Mal. Informiert habe ich mich tatsächlich. Ich hab’ mir die Homepage von Frank Schweppe angeguckt. Wollte mal wissen, was das für einer ist. Es ist ok, dass ich wählen darf. Ich glaube, mit 16 bildet man schon seine eigene Meinung und hört nicht unbedingt auf die Eltern.“
Henrik Nawratek, 16

Die Kandidaten kennt man ja von Schulveranstaltungen. Aber so richtig interessiert mich die Bürgermeisterwahl nicht. Ich geh’ nicht hin. Obwohl andererseits: Das ist ja wichtig. Und Freunde von mir gehen sogar zusammen wählen. Mal gucken!“
Katharina Sandler, 16


Nee, ich gehe nicht wählen. Ich wusste gar nicht, dass das schon geht. Ist aber trotzdem gut, es gibt ja Leute in meinem Alter, die haben Ahnung von Politik. Ich kenne noch nicht mal die Kandidaten. Witten gefällt mir sowieso nicht, dann ist das auch egal.“
Valentin Slijivic, 16

Ich hab’ schon gewählt, direkt im Rathaus. Es geht schließlich um den Bürgermeister von Witten! Ich hab’ vorher mit meinem Vater drüber gesprochen. Die beiden Hauptkandidaten haben mir nicht gefallen. Ich hab’ den Mann aus Bochum gewählt, hoffentlich wird der’s.“
Leon Hildebrand, 17

Also ich fühle mich reif genug, um zu wählen. Ich mach’ das! Wie ich mich informiere? Na übers Fernsehen. Ach, die hier in Witten sind gar nicht im Fernsehen? Ja dann. Ähm. Vielleicht Internet? Facebook? Da kann man doch die Partei eintippen. Welche? Weiß ich nicht.“
Cem Baris, 16

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