Erste Stolpersteine erinnern in Witten an die NS-Opfer

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Künstler Gunter Demnig, Initiator der Stolpersteine, wird am Freitag, 4. April, ab 14 Uhr in Witten die ersten 18 Stolpersteine in der Innenstadt verlegen. Neben Zeitzeugen wird auch eine Schülergruppe aus der israelischen Partnerstadt Lev Hasharon anwesend sein.

Witten..  Es geht um Arbeit gegen das Vergessen und für Versöhnung. Das sind die Grundlinien, nach denen der Lions Club Rebecca Hanf seit seiner Gründung 2006 arbeitet. Nun kommt ein weiterer Baustein hinzu, so Lions-Sprecherin Annette Krüger. Auf Anregung des Clubs und unter Mithilfe und Unterstützung vieler Wittener Initiativen und Stellen wie dem Friedensforum, dem Stadtarchiv, der Wabe, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der Holzkamp-Gesamtschule werden am Freitag, 4. April, die ersten 18 Stolpersteine verlegt.

Die zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatten mit Inschriften der Lebens- und Todesdaten, die Künstler Gunter Demnig in der Innenstadt ins Pflaster versenkt, erinnern an die verfolgten und ermordeten Opfer des Nazi-Regimes. Bei den Häusern handelt es sich um den letzten frei gewählten Wohnort der Opfer.

Sechs Steine finden ihren Platz am Parkweg 14 (Familie Hanf und Haushälterin Gretchen Rosenthal; 14 Uhr); drei Steine erinnern an der Ruhrstraße 40 an die Familie Sommer (14.35 Uhr); fünf Steine werden an der Oberstraße 7 für die Familie Klein verlegt (15 Uhr) und vier Steine erinnern an der Beethovenstraße 7 an die Familie Strauss und Stern (15.35 Uhr).

Schüler erforschten die Biografien der Opfer

Jeweils an den einzelnen Verlegungsorten werden Schüler der Holzkamp-Gesamtschule und des Albert-Martmöller-Gymnasiums, die Geschichte dieser Wittener Bürger verlesen. Im Anschluss an die Verlegungen trägt die Fachschaft Musik der Holzkampschule an der Ecke Bahnhofstraße/Beethovenstraße vier Lieder vor (16.10 Uhr).

An der ersten Stolpersteinverlegung für die Familie Klein in der Oberstraße 7 ist auch das Friedensforum beteiligt. Weitere Wittener Organisationen, darunter auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft, wollen sich an den nächsten Stolpersteinverlegungen aktiv beteiligen. Dies soll bereits Anfang Dezember geschehen. Lions-Mitglied Prof. Dr. Angela Martini sieht die Stolpersteine als ein besonders nachhaltiges Projekt für diese Stadt. „Wir sagen heute, das waren Juden. Nein, es waren Wittener. Sie haben das kulturelle, gesellschaftliche Leben hier mit geprägt.“

Im Vorübergehen innehalten und dabei nachdenklich werden

Die Uni-Witten-Professorin kam Mitte der 90er Jahre von Köln in die Ruhrstadt. Sie war sehr erstaunt, dass es keine Stolpersteine gab. Seitdem trieb sie den Verlegungswunsch voran. Wobei die Demnig-Steine nicht nur an jüdische Mitbürger – 1933 lebten etwa 500 Juden in Witten – erinnern sollen, sondern an alle Verfolgten des Nazi-Regimes wie beispielsweise politisch Andersdenkende, Homosexuelle oder Euthanasieopfer.

Dr. Angela Martini setzt bei den Stolpersteinen auch auf die Neugierde der Passanten. Bewusst betreibe man die erste Verlegung an Innenstadtorten. „Im Vorübergehen sollen wir innehalten, uns beugen und der Inschriften gewahr und nachdenklich werden.“ Vor allem die junge Generation soll Fragen stellen, Antworten suchen und „Geschichte damit lebendig halten“.

An der Verlegung der Stolpersteine werden auch Schüler der israelischen Partnerschule der Holzkamp-Gesamtschule teilnehmen. Die 16 Schüler mit ihrer Lehrerin Ziva Maor aus der Partnerstadt Lev Hasharon sind Gäste der Jahrgangsstufe 12. Ebenso werden Ruth H., die Großnichte der Familie Klein, mit ihrem Ehemann, und Rita L. geb. Schlosser, die ehemalige Nachbarin der Familie Klein, mit ihren Töchtern aus Israel anreisen.

Die Jahrgangsstufe 12 der Holzkampschule mit Lehrer Jörn Obenhaus sowie die Schüler der Jahrgangsstufe 7 des AMG mit Lehrerin Judith Eiselen haben sich im Vorfeld mit dem Schicksal der jüdischen Familien befasst. Sie wurden bei ihren Recherchen von der Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Martina Kliner-Fruck, unterstützt. Holzkampschülerin Friederike Willeke spricht am Verlegungstag über die Namensgeberin des Lion Club, Rebecca Hanf (1863 - 1944).

 
 

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