Erst ins Büro, dann in die Messi-Wohnung

Die frisch gebackene Verwaltungsfachangestellte Ann-Carolin Kuhn bei Bürgermsiterin Sonja Leidemann. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Die frisch gebackene Verwaltungsfachangestellte Ann-Carolin Kuhn bei Bürgermsiterin Sonja Leidemann. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Walter Fischer

Sie haben schon Raser gejagt, Stände auf dem Weihnachtsmarkt kontrolliert, Sozialhilferecht gebüffelt. Nun dürfen sich fünf Azubis der Stadt „Verwaltungsfachangestellte“ nennen.

Einer von ihnen macht Pause unter der ägyptischen Sonne. Die anderen haben ihren ersten großen Auftritt im Rathaus: 13.30 Uhr, Zimmer 101. Ann-Carolin Kuhn wirkt noch etwas schüchtern. Ihre Wangen sind rot, sie knibbelt unterm Tisch an den Fingern. Klar, es ist nicht irgendein Zimmer. Ihre neue „Chefin“ wirft ein „Und wie gefällt’s Ihnen bis jetzt?“ in die Runde. Es ist nicht das erste Mal, dass die 18-Jährige mit ihren Kollegen bei Bürgermeisterin Sonja Leidemann zu Gast ist. Aber jetzt, mit Zeugnis in der Hand, das ist schon was anderes. „Die Ausbildung war sehr vielseitig“, freut sich Ann-Carolin. Das freut auch die Bürgermeisterin.

Jugendamt, Ordnungsamt, Bauordnungsamt – die frisch gebackene Verwaltungsfachangestellte hat in der dreijährigen Ausbildung das volle Programm mitgemacht. „Klar dachte ich erst: Das ist alles trocken.“ Aber Bürokratendeutsch und Aktenwälzen am Schreibtisch, das sei eben nur die eine Seite der Arbeit im Rathaus, meint Ann-Carolin. Dann kam die Zeit in Dezernat 3.

„Im Ordnungsamt erlebt man total viele Sachen, die man sonst nie erlebt hätte“, sagt die 18-Jährige. „Am spannendsten waren die Diebstähle zu Weihnachten.“ Da habe sie sehr viel mit der Polizei zusammengearbeitet. Und dann diese Messi-Wohnung. „Da lief Milch aus, die war von 1992. Älter als ich“, sagt sie und lächelt. Von wegen Schreibtischarbeit.

Jetzt ruft aber erst einmal der normale Büroalltag. Zurzeit arbeitet Ann-Carolin nämlich bei der Stadtkasse und kümmert sich um „Amtshilfeersuche“ und „Vollstreckungsbescheide“. Schlecht finde sie die Arbeit dort nicht, und weg möchte sie auch nicht unbedingt. Trotzdem: „Es ist gut, dass man in unterschiedlichen Bereichen ausgebildet wurde.“ Ein Schreibtischwechsel im Rathaus, das weiß Ann-Carolin, der ist immer drin.

Der stellvertretende Personalrat Hartmut Witte (56) jedenfalls lässt durchblicken, dass man die junge Fünfer-Truppe gerne behalten würde. Noch haben sie nur einen befristeten Ein-Jahres-Vertrag. Aber: „Wir sind Dienstleister, wir brauchen die jungen Leute“, sagt er. Etwas Erleichterung ist zu spüren bei Ann-Carolin und ihren Kollegen.

Sebastian (24) ist bei der Verkehrsabteilung auf Raser-Jagd, Melissa (21) greift Wirtschaftsförderer Klaus Völkel unter die Arme, Wiebke (20) führt Hartz-IV-Empfänger im Job Center durch den Formular-Dschungel. Bei der Lieblings-Ausbildungsstation ist sich das Trio mit Ann-Carolin einig: Dezernat 3, Ordnungsamt. Da erlebt man was.

 
 

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