Erinnerungen an die Kindheit zur Wirtschaftswunderzeit

Die pensionierte Lehrerin Brigitte Griehl (im Bild rechts) las im Maschinchen Buntes aus ihrem Roman "Geh mit mir". Cornelia Brommer (im Bild links) sang und spielte Gitarre.
Die pensionierte Lehrerin Brigitte Griehl (im Bild rechts) las im Maschinchen Buntes aus ihrem Roman "Geh mit mir". Cornelia Brommer (im Bild links) sang und spielte Gitarre.
Foto: WAZ FotoPool
In ihrem Roman „Geh mit mir“ schildert Autorin Brigitte Griehl die Kindheit im Ruhrgebiet zur Wirtschaftswunderzeit. Mit detailreichen Beschreibungen weckt sie bei älteren Lesern Erinnerungen an „Klümmchenbuden“, Homa-Sammelfiguren und Plumpsklos. Brigitte Griehl las jetzt im Maschinchen Buntes.

Witten.  „Bei den 50er- und 60er-Jahren kriegen alle glänzende Augen.“ Sehnsuchtsjahre, so bezeichnet Brigitte Griehl jene Zeit, die sie selbst als Kind miterlebte. Die pensionierte Lehrerin und Autorin ist Kinder der ersten Nachkriegsgeneration. Die „Sehnsucht nach Vertrauen, Frieden und Gemütlichkeit“ hat die heute 66-Jährige zum Thema ihres ersten Romans gemacht, aus dem sie jetzt im Maschinchen Buntes las. „Geh’ mit mir“ ist eine teils sehr humorvolle Zeitreise ins Ruhrgebiet der Wirtschaftswunderzeit.

Ein kurzer Titel mit nur drei Worten. Doch für Brigitte Griehl bedeuten sie mehr: „Die drei Wörter stehen für den Drei-Generationen-Konflikt“, für die alltäglichen Rangeleien der 15-jährigen Ich-Erzählerin Birgit mit ihrer Mutter und Großmutter, die sich im Laufe der Zeit zunehmend zuspitzen und sie psychisch belasten.

Humorvolle Alltagsepisoden

Doch trotz aller Probleme lädt der Roman zum Schmunzeln ein: denn Brigitte Griehl schildert mit viel Humor das damalige Alltagsleben aus teils naiver, teils neckischer Kindersicht: eine etwas zu füllige Großmutter, die sich von der Enkelin mühsam in ihr Korsett pressen lässt, eine Zechenkolonie mit Plumpsklos, eine „Klümmchenbude“ mit „Salinos“, Lakritzsüßigkeiten für zehn Pfennige pro Tüte. Nicht nur das ältere Publikum der Lesung fand sich darin wieder.

Ihre eigenen Erinnerungen hat Brigitte Griehl als „Saatkörnchen“ genutzt: als kleine Grundlagen Wahrheit, die sie mit viel Fantasie habe weiter wachsen lassen. Das „Gebiss mit einer tiefroten Plastikfassung“ von Kioskbesitzer Jupp etwa gehört dazu. Oder die kleinen Tier-Sammelfiguren aus der Homa-Margarine, auf die ihre Protagonistin Birgit beim Einkauf so ungeduldig wartet.

Der amüsante Schreibstil und die detaillierten Beschreibungen von Sinneseindrücken erwecken die Vergangenheit wieder zum Leben. Bei der Lesung unterstützte Cornelia Brommer diesen Effekt zusätzlich akustisch. An der Gitarre spielte die Sängerin bekannte Lieder jener Zeit: vom „Mond von Wanne-Eickel“ über „Que Sera, Sera“ bis hin zum bekannten Kinderlied „Jetzt fahrn wir übern See“, das auch von jüngeren Gästen im Publikum begeistert mitgesungen wurde. Manches hat sich gehalten.

Dennoch: „Wenn man die Zeit von damals bis heute mal im Zeitraffer betrachtet: Da hat eine Revolution stattgefunden“, meint Brigitte Griehl. Ob sie selbst Sehnsucht nach den „Sehnsuchtsjahren“ verspüre? Ihre Augen glänzen.

 
 

EURE FAVORITEN