Er sucht nach Zeichen der Liebe

Annette Kreikenbohm
Thomas Becker entdeckte das rote Liebesschloss an der Bommeraner Ruhrbrücke. Foto: Fischer
Thomas Becker entdeckte das rote Liebesschloss an der Bommeraner Ruhrbrücke. Foto: Fischer
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Sie hängen zu Hunderten an einer Seine-Brücke in Paris. Über 40 000 schmücken das Geländer der Kölner Hohenzollernbrücke. Jetzt hat Hobbyfotograf Thomas Becker zwei Liebesschlösser an der Bommeraner Ruhrbrücke entdeckt und sie gleich abgelichtet. Und das war der Beginn einer Suche nach weiteren „Zeichen der Liebe“.

Witten. Sie hängen zu Hunderten an einer Seine-Brücke in Paris. Über 40 000 schmücken das Geländer der Kölner Hohenzollernbrücke. Jetzt hat Hobbyfotograf Thomas Becker zwei Liebesschlösser an der Bommeraner Ruhrbrücke entdeckt und sie gleich abgelichtet. Und das war der Beginn einer Suche nach weiteren „Zeichen der Liebe“.

Eins gleich vorweg: Becker hat noch mehr Motive vor die Linse bekommen, bei denen sich Pärchen in irgendeiner Form mit ihren Anfangsbuchstaben irgendwo in der Natur oder auf Bauwerken verewigt haben. Angefangen hat jedoch alles auf der Ruhrbrücke, „zwischen der zweiten und dritten gelben Laterne“, wie sich der 44-jährige Bommeraner erinnert.

Er kam gerade zurück von einer Fototour, hatte stundenlang auf einer Wiese Schmetterlinge und Libellen beobachtet. „Dann war da dieser wunderbare Sonnenuntergang über der Ruhr“, den Thomas Becker sich natürlich nicht entgehen lassen wollte. Dabei bemerkte er die Schlösser, deren Schlüssel als Schwur der ewigen Liebe wohl symbolisch im Fluss versenkt wurden, und schaute sie sich näher an. Rot ist das eine. Christian und Sonja haben ihre Namen hineingeritzt. Schon ziemlich rostig sieht das andere aus. „BB + CB. 1961-2011“ steht darauf. Buchstaben und Zahlen, die eine Geschichte erzählen könnten. Thomas Beckers Interesse jedenfalls war geweckt. Er wollte wissen: „Wo gibt’s sowas in Witten noch?“

Liebesschloss auch am Bergerdenkmal

Fündig wurde er auf dem Turm des Bergerdenkmals. An die dicken Eisenstreben des Ausguckfensters hatte ebenfalls jemand solch ein Liebesschloss gehängt. Bald suchte Becker nicht mehr nur nach eisernen Liebesbeweisen, sondern erinnerte sich daran, was er als 15-Jähriger mal gemacht hatte: ein Herz in einen Baum geritzt. Wo, das wisse er heute nicht mehr. Dafür entdeckte er solche Herzen auf dem Hohenstein. Ein in Stein gemeißeltes gibt’s auf einem Felsen an der Burgruine Hardenstein, zwischen alten Zeichen aus der Zeit des Bergbaus. Einen anderen Liebesschwur hatte jemand kurzerhand mit einem Edding-Stift auf ein Rohr gemalt.

Und so kommt es, dass Thomas Beckers Leidenschaft nicht mehr nur der Naturfotografie gilt. Insekten und Blumen haben es ihm vor allem angetan. Fünf bis sechs Stunden pro Woche geht er von Frühling bis Herbst auf die Pirsch. „Mit einem Blümchen kann ich mich schon mal eine Stunde beschäftigen.“ Seit Becker sich eine Digitalkamera angeschafft hat, ist auch seine Frau mit seinem alten Apparat mit von der Partie. Den Winter nutzt er dann vor allem, „um die Festplatte aufzuräumen und die Bilder zu bearbeiten“. Mit einigen Fotos ist er übrigens im Buch „Vier Jahreszeiten“ vertreten. Der EN-Kreis hatte zum Wettbewerb aufgerufen. Becker zeigt etwa einen schneebedeckten Gasbehälter oder ein Mädchen, das am Kemnader See einen Drachen steigen lässt.

Nebenbei betätigt er sich ein wenig als Vereinsfotograf des Triathlon Teams Witten. „Und auch wenn’s nicht danach aussieht“, sagt er mit Blick auf seinen Bauch, „ich betreibe den Sport selbst“. Der technische Angestellte ist froh, wenn er als Ausgleich zum Bürojob in die Natur gehen und dort entspannen kann.

Was die Liebesschlösser und die anderen Zeugnisse ewiger Verbundenheit angeht, verspricht Becker: „Ich werde weiter die Augen offen halten.“ Vielleicht haben Sie ja noch einen Tipp für ihn parat. Oder hängen Sie doch einfach selbst ein Schloss ans Brückengeländer.