Ennepe-Ruhr-Kreis will Katzen kastrieren lassen

Die Zahl verwilderter Katzen im EN-Kreis würde ohne die Arbeit der Tierschutzvereine drastisch steigen.
Die Zahl verwilderter Katzen im EN-Kreis würde ohne die Arbeit der Tierschutzvereine drastisch steigen.
Foto: WR
  • Verwaltung legt im Kreisausschuss Vorschlag für Katzenschutzverordnung vor
  • Freigänger müssten demnach gechipt, registriert sein und dürfen sich nicht vermehren können
  • Tierschutzvereine sind allerdings skeptisch. Kontrolle sei schwierig

Witten.. Für Tierbesitzer könnte sich bald Entscheidendes ändern: Im Kreisausschuss wird heute über die Einführung einer Katzenschutzverordnung diskutiert. Sollte der Kreistag dem Vorschlag der Verwaltung zustimmen, müssten künftig alle Katzen, die freien Auslauf haben, gechipt und registriert sein. Nicht nur das. Fortpflanzungsfähige Katzen dürften dann keinen mehr Auslauf haben – Freigänger müssten also kastriert werden.

Der Antrag war ursprünglich von der Kreistagsfraktion Freie Wähler/Piraten eingebracht worden. Sie hatte die Verwaltung im Juni beauftragt zu prüfen, ob im Ennepe-Ruhr-Kreis Bedarf für eine Katzenschutzverordnung besteht. Erst im letzten Jahr hatte das Land die Zuständigkeit auf die Kreisbehörden übertragen. Ziel einer solchen Verordnung ist es, die Zahl freilebender Katzen – und damit auch das Leid der Tiere durch Hunger, Krankheit und Verletzungen – zu verringern.

Problematische Gesundheitslage

Die Analyse des Veterinäramtes ergab, dass eine solche Verordnung dringend Not tut – und zwar im gesamten Kreis. Schon jetzt existiere eine problematische Gesundheitslage in der verwilderten Katzenpopulation, heißt es in der Beschlussvorlage.

Nur durch die freiwillige Arbeit der Tierschutzvereine (die bereits jetzt Kastrationen durchführen lassen) werde die Zahl der erkrankten Tiere begrenzt, so die Vorlage: Sie hätte in erster Linie dafür gesorgt, dass es nicht zu einer Eskalation gekommen sei. Der Schutz der verwilderten Katzen diene letztendlich auch dem Schutz der Freigänger privater Halter.

Kosten übernimmt der Kreis

Nach dem Vorschlag der Verwaltung können Freigängerkatzen künftig aufgegriffen und ihr Halter ermittelt werden. Ist das Tier nicht kastriert, kann dann die Operation auf Kosten des Besitzers angeordnet werden. Vorher ist kein weiterer Auslauf erlaubt. Ist kein Halter zu ermitteln, beauftragt der Kreis einen Tierarzt mit der Registrierung und Kastration. Die Kosten übernimmt dann der Kreis.

Für Chris Demmer, stellvertretender Fraktionsvorsitzende bei den Freien Wählern/Piraten, geht dieser Vorschlag der Verwaltung „völlig in Ordnung“. Damit werde endlich etwas gegen das Tierleid getan und die bestehende Rechtsunsicherheit für die Arbeit der Tierschutzvereine beseitigt.

Schwer zu kontrollieren

Die hingegen sind nicht hundertprozentig überzeugt von der Verordnung. „Der Ansatz ist super und richtig“, erklärt Yannick Schmidt vom Tierschutzverein. Er fürchtet allerdings, dass die Verordnung schwer durchzusetzen und zu kontrollieren sein wird. „Das sehen wir ja bei den Hunden.“

Iris Drögehorn von der „Arche Noah“ hält hingegen gar nichts von den Plänen der Verwaltung. Die Kastration scheitere nicht an der Einsicht der Halter, sondern am Geld. „Sie sind in der Regel guten Willens, können sie aber einfach nicht bezahlen.“ Zwangskastrationen seien da nicht die Lösung. Drögehorn: „Zwangsmaßnahmen gehen einfach zu weit.“

 
 

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