Ein zweiter Anbau müsste her

Jürgen Augstein
Entwurf für die Bücherei im Märkischen Museum: Rechts ist der neue Erweiterungsbau zu sehen. Entwurf: architekturbüro leistungsphase.
Entwurf für die Bücherei im Märkischen Museum: Rechts ist der neue Erweiterungsbau zu sehen. Entwurf: architekturbüro leistungsphase.
Foto: WAZ

Witten. Erstmals hat das Kulturforum Entwürfe für eine Bücherei im Märkischen Museum vorgestellt.

Sie sehen einen weiteren Anbau an das Gebäude vor. Die Gesamtkosten lägen bei 1,8 Mio Euro, würde man auf ein neues Foyer verzichten. Diese Zahl nannte Architekt Oliver Silge vom Büro „leistungsphase“ in Nordkirchen, das die Zeichnungen erstellt hat, auf der jüngsten Plenumssitzung der Bürgerwerkstatt. Dabei betonte Silge: „Es geht nicht um das Gebäude, sondern um die bibliothekarischen Konzepte."

Als positives Beispiel nannte er Hattingen, wo die Bücherei aus einer alten Villa ins Einkaufzentrum zog. Dort seien Themeninseln ebenso wie die Technik und Cafézonen integriert worden. Vielen Bibliotheken fehle es gerade an Aufentsqualität. Das Märkische Museum müsste auf Räume verzichten, so Silge. Gemeint ist vor allem das Erdgeschoss.

Dort, im Foyer, könnte es einen gemeinsamen Eingang und einen Treffpunkt für Bücherei- und Museumsbesucher geben - etwa mit Cafeteria und Eltern-Kind-Bereich. Während die Bürgerinitiative immer von einer Halbierung der Museumsfläche spricht, gehen Vertreter des Kulturforums von maximal einem Drittel aus.

Der Architekt würde sich noch ein neues Foyer für die Bücherei wünschen. Doch dann käme man nicht mit den kalkulierten 1,8 Mio hin. Der Altbau mit seiner ständigen Ausstellung bliebe Museum, ebenso der vor zirka 20 Jahren errichtete Anbau für die Wechselausstellungen. Im Anschluss an den Erweiterungsbau des Museums soll ein neuer, 750 Quadratmeter großer Anbau für die Bücherei entstehen. Er wäre ebenso dreistöckig. Insgesamt käme man mit Aufenthaltszonen auf über 2000 qm Nutzfläche, so Silge. In der Bücherei an der Ruhrstraße sind es 2200 qm. Der Medienbestand der Zentralbücherei würde von rund 120 000 auf 84 000 verrringert.

Im Zusammenhang mit dem Anbau ist von einer „Medienstraße“ als Verbindung von Alt- und Neubau sowie von einem untergeschossigen Lesegraben mit Außenfläche zum Park die Rede.

Finanzierbar wäre die Zusammenlegung von Büchrei und Museum, betont die Bürgermeisterin, u.a. durch den Erlös aus dem Verkauf Ruhrstraße. Außerdem würde man jährlich Unterhaltungskosten von 60 000 Euro sparen. Die Sanierung der Ruhrstraße würde laut Kulturforum 2,5 Mio Euro kosten - nach Meinung der Bürgerinitiative wäre sie für deutlich unter einer Million Euro möglich.

Eine Zuhörerin vermisste vergleichbare Varianten. Architektenentwürfe, wie sie jetzt für die Husemannstraße präsentiert wurden, wünsche sie sich auch für die Ruhrstraße. „Ich habe noch kein Packende. Es ist unmöglich zu sagen, ob jetzt etwa der Anbau die günstigste Variante wäre.“ Wolfgang Hertel vom Kulturforum verwies auf das Sanierungsgutachten, das man sich im Internet herunterladen könne. Es gebe auch vergleichende Berechnungen, über die im Detail noch nicht gesprochen worden sei.

Ein Zuhörer warnte vor dem Verkehr an der Husemannstraße. Eine Dame im Publikum entdeckte „bedenkenswerte, die Fantasie anregende Aspekte“ in dem Entwurf fürs Museum, fragte aber, ob die Bücherei mit ihrem Bestand dort bleiben könne. Volker Lehnert, Vorsitzender des Museumsvereins, mahnte: „Lassen Sie das Museum in Ruhe. Es kann ein Aushängeschild für Witten sein und Witten hat nicht sehr viele.“