Ein Wittener Pirat sagt „Ahoi“ auf Parteitag

Ein Mann auf der großen politischen Bühne: Neu-Pirat Roland Löpke auf dem Bundesparteitag in Bochum.
Ein Mann auf der großen politischen Bühne: Neu-Pirat Roland Löpke auf dem Bundesparteitag in Bochum.
Foto: Sohner
Roland Löpke ist den „Freibeutern“ im Januar beigetreten und baut in Witten ein Netz auf. In Bochum schnupperte er nun erstmals die große politische Luft.

Witten..  Es ist laut und bunt im Bochumer Ruhrcongress: Einige sind mit Matrosenmütze in Laptops versunken, andere trinken Club Mate, essen Biobrote oder diskutieren über Nutztierhaltung. Es ist Bundesparteitag der Piraten. Mittendrin, mit Jeans und schwarzem Hemd: Der Wittener Lokal-Pirat Roland Löpke. „Das ist was anderes, als auf einem der Stammtische“, staunt er.

Die politische Bühne hatte der Piraten-Frischling, der den Freibeutern im Januar beigetreten war, lange nicht betreten: Vor 30 Jahren kämpfte er bei den Jusos für faire Arbeitsbedingungen und mit der Anti-Atombewegung gegen Kernkraftwerke. „Bei den Piraten habe ich das gefunden, was ich gesucht habe: Offenheit für neue Themen“, sagt der 56-Jährige, der sich seit Sommer mit einer Handvoll Leuten zu Stammtischen trifft und Witten verändern will. Dazu später.

Für seinen ersten Parteitag hat sich Roland Löpke noch nicht viel vorgenommen: „In ein paar Themen habe ich mich eingearbeitet, über die ich abstimmen will.“ Die Regelung der Parteifinanzen etwa. Der Herbeder wühlt sich durch Bommelmützen- und Rastalockenträger und trifft Christian Specht.

Specht, 36, arbeitet bei der Post in Hagen und ist einer der wenigen aktiven Piraten rund um Witten. „Die anderen sitzen da“, sagt er zu Roland Löpke und zeigt auf einen der vielen langen Tische mit Laptops und Chipstüten. Der Postangestellte hat einen Antrag zum Thema „Nacktheit in der Öffentlichkeit“ eingereicht. Seine Forderung: „Jedem so, wie er will.“

Roland Löpke hat sich seine Abstimmkarten besorgt und kämpft sich zum Tisch seiner EN-Kollegen durch. „Wie geht’s euch?“ Maja (27) aus Ennepetal ist mit einem Stück Pizza beschäftigt, Jörg (46), ein Softwareentwickler aus Sprockhövel, ist in einen der vielen Anträge vertieft, die er auf seinem Laptop verfolgt. Mit dabei: Horst Bartels (62), der Friese mit Zottel-Bart, der sich vorstellen kann, erster Piraten-Bürgermeister von Witten zu werden. Alle kennen sich ein bisschen. Mehr aber auch nicht.

„Die Struktur ist noch im Aufbau“, sagt Roland Löpke. „Wir müssen mit lokalen Themen punkten.“ Einige Ideen hat der Familienvater auch schon parat: Umweltschutz durch mehr Radwege und weniger Plastiktüten und gleichen Lohn für gleiche Arbeit. „Warum sollen wir damit nicht auf freiwilliger Basis in Witten anfangen?“

Im Ruhrcongress geht es jetzt um die Parteifinanzen, Roland Löpkes Thema. Er hebt die gelbe „Ja“-Karte. Wofür er gestimmt hat? „Für mehr finanzielle Solidarität unter den Piraten in Deutschland.“ Mehr Miteinander, das würde er sich auch in Witten wünschen. „Daran will ich als Pirat arbeiten.“

INFO

Die Piratenpartei im EN-Kreis befindet sich gerade im Aufbau. Am 16. November wählte eine Mitgliederversammlung das „EN-Büro“ – ein Zusammenschluss von vier Piraten, die die Arbeit im Kreisgebiet organisieren. Weitere Infos unter blog.piratenpartei-nrw.de/enneperuhr

Die Piraten haben im EN-Kreis 120 Mitglieder, in Witten 50. In Hattingen und Sprockhövel gibt es einen Arbeitskreis für Kommunalpolitik, der evtl. auf den ganzen Kreis ausgeweitet werden soll. Das nächste Treffen der Wittener Piraten ist am Donnerstag (29.11.), 19 Uhr, im Ratskeller

 
 

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