„Ein schwarzer Tag für die Ärzte“

Der Mediziner Dr. Matthias Thöns bei einem Krankenbesuch in Annen vor einigen Wochen.
Der Mediziner Dr. Matthias Thöns bei einem Krankenbesuch in Annen vor einigen Wochen.
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Dr. Matthias Thöns hält Sterbehilfe-Votum für fatal: Mediziner würden kriminalisiert. Auch Ralf Kapschack nennt Strafrecht „das falsche Mittel“.

Witten..  „Heute ist ein Jubeltag für katholische Moralapostel und ein schwarzer Tag für Ärzte, Krankenschwestern und Schwerstkranke.“ Dr. Matthias Thöns machte gestern nach der Entscheidung des Bundestages über eine Strafrechtsverschärfung zur Sterbehilfe aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Bis zuletzt hatte der Wittener Palliativmediziner engagiert für eine andere Regelung gekämpft. Eine Regelung, durch die Ärzte nicht in Gefahr geraten, sich strafbar zu machen, wenn sie Kranken am Lebensende Sterbehilfe leisten. Doch die Mehrheit im Bundestag entschied anders.

Bereits im ersten Durchgang

Bereits im ersten Durchgang stimmten mehr Abgeordnete für den Antrag von Kerstin Griese (SPD) und Michael Brand (CDU) als für alle anderen Anträge zusammen. Dieser Entwurf stellt die „geschäftsmäßige Sterbehilfe“ nun unter Strafe. Für Thöns eine äußerst problematische Formulierung: Es sei zwar gut, dass umherreisende Sterbehelfer gebremst würden, für Ärzte aber müsse es Rechtssicherheit geben – und die Chance sei mit dem unbestimmten Begriff „geschäftsmäßig“ vertan worden: „Wir Palliativ-Mediziner müssen nun Staatsanwalt und Strafe fürchten.“

Thöns steht mit dieser Einschätzung nicht allein: Auch der Wittener Ralf Kapschack, der für die SPD im Bundestag sitzt, bedauert die Strafrechtsverschärfung: „Ich halte das scharfe Schwert des Strafrechts nicht für das geeignete Mittel bei diesem hoch sensiblen Thema.“ So wie es eine Erste Hilfe gebe, solle es in bestimmten Fällen auch eine Letzte Hilfe geben können, so der Abgeordnete. Auch Dr. Ulrich Weitkämper, ärztlicher Direktor und Chef der Geriatrie am ev. Krankenhaus, kann Thöns’ Sorge nachvollziehen. „Unbedingt gut und richtig“ sei es zwar, die gewerbsmäßige Sterbehilfe zu verbieten, aber für die Palliativmediziner könne es nun schwierig werden. „Ich wäre daher dafür gewesen, die bisherige Regelung beizubehalten.“

Signal zum Schutz der Menschenwürde

Doch es gibt auch andere Stimmen: Simon Nowack, Kreisvorsitzender des Ev. Arbeitskreises der CDU, begrüßte die Entscheidung des Bundestages als „wichtiges Signal zum Schutze der Menschenwürde am Ende des Lebens“. Schwerstleidende Menschen bräuchten „keine Angebote des assistierten Suizides, sondern die beste palliativmedizinische und hospizliche Versorgung“.

Genau die aber sieht Thöns in Gefahr. Er will sich daher kurzfristig mit den Befürwortern des verabschiedeten Antrags sowie Strafrechtlern zusammensetzen, um den Begriff „geschäftsmäßig“ so zu definieren, dass die Ärzte doch noch Rechtssicherheit bekommen. Er ist zuversichtlich, dass das klappen könnte: „Ich hoffe auf die Vernunft der Abgeordneten – und dass sie zu ihrem Wort stehen“, so der Wittener. Schließlich hätten sie noch in der Debatte „wieder und wieder betont, dass das Gesetz auf Sterbehelfer ziele, nicht auf Ärzte“.

 
 

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