Ein Leben zwischen Lakritz und Lollis

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Petra Kopiec-Bierhoff (60) betreibt seit 25 Jahren die Bonbonniere in der Innenstadt in Witten. Jede Leckerei muss ihrem Geschmackstest standhalten. Mag sie selbst noch Süßes? Eine Begegnung

Witten. Es riecht so, wie es auch ausschaut, zuckrig-süß irgendwie. Und während die Gerüche nur schwer in Worte zu fassen sind, können die Augen sich gar nicht satt sehen an all den Leckereien, die es hier gibt. Lakritze, Mäusespeck und Fruchtgummi liegen in der Auslage, daneben lagern hübsch verpackte Schokoladen-Pralinen. All das gibt es in unzähligen Formen, Farben und – das natürlich ist am allerwichtigsten – Geschmacksrichtungen: Ein Hauch von Schlaraffenland weht durch die Bonbonniere von Petra Kopiec-Bierhoff.

Aufgewachsen zwischen Süßigkeiten

Der Laden in der Berliner Straße besteht in der nunmehr dritten Generation, vor bald 60 Jahren hat Kopiec-Bierhoffs Großvater Ferdinand Helferbein das Süßwarengeschäft gegründet. Und so ist die 60-jährige Ladeninhaberin hinter der Theke groß geworden, aufgewachsen zwischen Lakritz und Lollis. „Ich habe also in meinem ganzen Leben immer nur Süßwaren verkauft“, erklärt sie lachend.

Seit 1975 tut sie das beruflich, hat damals bei ihrer Mutter Margot Helfenbein das Handwerk der Lebensmittelverkäuferin gelernt. Einen Geschäftsumzug, und 15 Jahre später schließlich hat sie den Familienbetrieb 1990 übernommen. Die Kauffrau blickt auf nunmehr 25 Jahre Selbstständigkeit zurück – und das voller guter Erinnerungen.

Platt gedrückte Nasen

Während andere Läden kamen und gingen, freut sich die Bonbonniere immer noch über eine rege Stammkundschaft. Dazu zählen „Kinder ab drei Jahren, Schüler, aber auch Senioren weit über die 80“, erklärt Kopiec-Bierhoff. Viele kommen schon seit lange Jahren her und „führen dann auch die nächste Generation an uns heran.“

Auch die platt gedrückten Nasen an der Fensterscheibe gebe es weiterhin, erklärt Kopiec-Bierhoff. Das Schaufenster müsse schon noch täglich gesäubert werden. „Vor allem wenn mal wieder jemand vorbeischlendert und sich kurz vorher noch ein Eis gekauft hat.“ Sagt’s und deutet mit ihren Finger über die bunt-bestückten Fruchtgummi-Tüten auf eine kleine verschmierte Stelle am Fensterglas. Oftmals sind es Kinder, die dann stehen bleiben. Und manches Mal auch hereintreten in den Laden, in dem man „schon für fünf oder zehn Cent etwas bekommt.“ Dass die Kinder, die besonderen Süßigkeiten heutzutage nicht mehr so wert zu schätzen wissten, kann Kopiec -Bierhoff nicht bestätigen. Im Gegenteil: „Sie können Kinder mit einer Kleinigkeit auch heute noch total glücklich machen.“

Pfefferminzbruch und Cremetütchen

Was sich stattdessen aber gewandelt hat in all den Jahren, ist die Auswahl der Leckereien. Während die Kunden früher weniger Geld für Süßwaren ausgaben und eher die einfacheren Leckereien wie Pfefferminzbruch, Cremetütchen oder Rumkugeln nachfragten, dürfen’s heute eher mal Pralinen sein. Die stellt die Bonbonniere individuell für jeden Kunden zusammen. „So hat sich zu Vielen auch schon ein persönlicheres Verhältnis entwickelt“, freut sich die Kauffrau.

Ob sie denn noch nicht genug habe von all den Leckereien? „Nein.“ Ein Lächeln. „Ich esse eigentlich täglich Süßes. Gerne mal zum Beispiel einen leckeren selbst gemachten Kuchen.“ Oder eben das Sortiment, das sie ständig verändert und erweitert. Denn das wird vorher einer harten Geschmackskontrolle unterzogen – und zwar von der Chefin höchstpersönlich. „Nur so kann ich schließlich die Kunden gut beraten.“

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