Doppeltes Spiel um Unterdrückung und Sklaverei

Die Geschichte in der Geschichte, das Aufeinanderprallen von zwei verschiedenen Welten, Vergangenheit und Gegenwart, klassischer Romanstoff und zeitgenössische Inszenierung des Themas. Mit einem Satz: „Onkel Tom’s Hütte“ begeisterte die Gäste der Theatergemeinde Volksbühne im Saalbau. Mit Standing-Ovations und einem großen gemeinsamen Schlussgesang „Let it shine“ bedankten sie sich bei den vier Schauspielern und Ron Williams, der den „doppelten“ Onkel Tom verkörperte.

„Wir spielen in allen Farben, wir spielen den Menschen. Jeder im Saal möge selbst entscheiden, wer von uns in welche Rolle und welche Hautfarbe schlüpft. Ist Weiß Schwarz? Oder ist Schwarz etwa Weiß?“ Ron Williams ist charismatischer Sprecher der Inszenierung von Frank Lenart. Und ebenso schlüpft er in die „demütige“ Rolle des historischen Onkel Tom.

Die Doppel-Story ist kurz. Tom Rutherford, ehemaliges Straßengang-Mitglied, betreibt als Sozialarbeiter im Gefängnis einer amerikanischen Großstadt ein kleines Theater, dem er den Namen „Onkel Tom’s Hütte“ gegeben hat. Nicht nur weil er den gleichen Namen hat, sondern weil er mit den Gefangenen den klassischen Roman von Harriet Beecher Stowe mit den Gefangenen Jahr für Jahr auf die Gefängnis-Bühne bringt.

Das Bühnenbild ist schlicht

Vier junge Amerikaner schlüpfen in Sekundenschnelle in verschiedene Rollen. „Farbige“ spielen den Part des Sklavenhändlers. „Weiße“ verkörpern eine Sklavin. Dann Szenenwechsel. Die vier Gefangenen haben das Sagen und erzählen Stück für Stück ihren eigenen Lebensweg, der nicht nur ein Wunschkonzert war. Stimmgewaltig bringen alle Protagonisten ihre Szenen dem Herzen des Publikums näher. Wer kennt nicht Songs wie „Go down Moses“, „Bridge over troubled water“ oder „Over the rainbow“? In einfachen, klassischen Kostümen klagen sie die Unterdrückung durch die Sklaverei an. Im Theaterstück. Im blauen Gefängnislook schildern sie die „moderne“ Unterdrückung, ihren Lebensweg und den Gang in den Knast. In der Wirklichkeit. Fazit: Rassendiskriminierung gibt es heute noch. Auch wenn die Sklaverei offiziell abgeschafft ist.

Diese Verquickung von Tradition und Moderne ist Regisseur Frank Lennart hervorragend gelungen. Der einzig konstante Faktor ist immer wieder Onkel Tom. Als Romanfigur und als Gefangenen-Betreuer – diese beiden Rollen sind Ron Williams wie auf den Leib geschrieben.

Das Bühnenbild ist schlicht, mit viel Licht, aber wenig Mobiliar. Die virtuellen Hintergrund-Projektionen machen die einzelnen Szenen plastisch. Die Inszenierung von „Onkel Tom’s Hütte“ begann ganz langsam, aber endete gewaltig. Mit tosendem Applaus. Und dem Appell: „Kein Rassismus in Witten“.

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