Die Wartelisten für Seniorenwohnungen in Witten werden immer länger

Vorzeigeobjekt in Bommern: die Senioren-WG am Bodenborn. Hier machen Bewohnerin Hildegard Maas und Martina Henze von der Caritas gerade den Abwasch. Foto: Thomas Gödde / WAZ FotoPool
Vorzeigeobjekt in Bommern: die Senioren-WG am Bodenborn. Hier machen Bewohnerin Hildegard Maas und Martina Henze von der Caritas gerade den Abwasch. Foto: Thomas Gödde / WAZ FotoPool
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Dass der Mangel an altengerechten Wohnungen immer größere Dimensionen annimmt, bekommen auch Wittener Senioren zu spüren: Die Wartelisten für solche Objekte sind lang.

Witten. 40 Seniorenwohnungen bietet die Boecker Stiftung an der Breite Straße an. Die sind alle belegt „und sehr gefragt“, wie Magdalena Pawlik bald jeden Tag aufs Neue erfährt. Sie arbeitet in der Verwaltung und nimmt jene Anrufe entgegen, die immer wieder auf eine Frage hinauslaufen: „Wann wird eine Wohnung frei?“ Jeder könne sich unverbindlich auf die Wartelisten setzen lassen. Auf der Liste für Ehepaare stehen 81 Namen, auf der für Einzelpersonen sind 179 Namen vermerkt. Zum Teil stammen die Anmeldungen von 1992.

Ähnlich ist es bei der Diakonie Ruhr Bochum, die in den Feierabendhäusern inzwischen 60 Altenwohnungen anbietet. „Wir haben auch Wartelisten von mehreren Jahren, auf denen 50 bis 70 Leute stehen“, sagt Petra Neumann.

Auch alter Wohnbestand kann altersgerecht umgebaut werden

„Von den Beratungen, die ich pro Monat mache, hat jede dritte mit Wohnen zu tun“, sagt Birgit Böcker, die im städtischen Seniorenbüro arbeitet. Oft gehe es dabei nicht um die Wohnung an sich, in der die Betroffenen gerade leben, sondern darum, wie man hineingelangt. „Oft gibt es Treppen oder es fehlt der Abstellplatz für den Rollator“, weiß Böcker. Alles andere innerhalb der eigenen vier Wände könne oft mittels einer Wohnberatung gelöst werden.

Abgesehen davon, dass es hier „eindeutig zu wenig barrierefreien Wohnraum gibt“, findet auch Lothar Winkler von der Seniorenvertretung, dass mit kleinem Aufwand in altem Wohnbestand viel erreicht werden könne. Beispiel: „Die Toilette höher zu setzen, das kostet keine Unsummen. Das sollte man auch als Vermieter stemmen können.“

Elektrische Rolläden als Highlight

Wie das geht, beweist die Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte, die 1600 Einheiten vermietet. Stehen Renovierungen an, erfolgen die unter barrierefreien Aspekten, „so dass Leute mit einem kleinen Handicap dort leben können“, wie Gerhard Rother vom Vorstand erklärt. 160 bis 180 Wohnungen mit bodengleichen Duschen, mit Schiebetüren und ohne Schwellen bietet Witten-Mitte an. „Seit acht Jahren bauen wir auch gleich elektrische Rollläden ein. Das ist der Knaller“, sagt Rother.

Als Genossenschaft fühle sich Witten-Mitte dazu verpflichtet, etwas für die Bewohner, von denen viele inzwischen über 80 sind, zu tun, damit jene möglichst lange zu Hause bleiben können. Erst kürzlich sei deshalb im Bad einer frisch beinamputierten Frau, die nur über eine Wanne verfügte, eine ebenerdige Dusche eingebaut worden. Dafür müsse sie ein wenig mehr Miete zahlen, die im Durchschnitt bei 4,17 Euro/qm liege.

Auch die Wohngemeinschaft am Bodenborn, in der sieben Senioren leben, ist ein Projekt von Witten-Mitte. Dafür, so Rother, „kriegen wir Anfragen von Norddeich bis Berlin“. Zehn bis 14 altengerechte Wohnungen plus Aufzug baut die Genossenschaft „in absehbarer Zeit“ an der Marienstraße 18. „Jede Wohnung mehr“, sagt Birgit Böcker vom Seniorenbüro, „ist ein Gewinn“.

 
 

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