Die letzte Ruhestätte für Hund und Katze

Annette Kreikenbohm
Der Tierfriedhof in Dortmund-Kley an der Stadtgrenze zu Witten besteht seit 30 Jahren.
Der Tierfriedhof in Dortmund-Kley an der Stadtgrenze zu Witten besteht seit 30 Jahren.
Foto: Barbara Zabka
Seit 30 Jahren gibt es den Tierfriedhof an der Stadtgrenze Stockum/Dortmund. Auch viele Wittener lassen dort ihre Lieblinge beerdigen.

Witten.  Susie und Trixie liegen hier. Auch Charlie, Pascha, Dora und Tessie. Und die drei Kater von Anke Friedrich. Der Wittenerin war es ganz besonders wichtig, dass ihre Lieblinge beerdigt werden. „Sie haben doch zur Familie gehört“, sagt die 41-Jährige. Deshalb sei sie froh, dass es den Tierfriedhof in Dortmund-Kley, direkt an der Stadtgrenze zu Stockum, gibt. Seit 30 Jahren schon. „Aber wir wären auch eine weitere Strecke gefahren.“

Möglichst einmal pro Woche kommen Anke Friedrich und ihr Mann her. „Kleiner“ und „Dicker“ hießen die beiden schwarzen Kater, die eine gemeinsame Grabstätte haben. Gleich nebenan liegt Sammy. Alle drei haben die Friedrichs über Tierschutzorganisationen gefunden. Ihre Namen stehen auf Messingschildern, die auf Steinen befestigt sind. Blumen schmücken die Gräber, Katzenfiguren und Laternen, in denen Kerzen brennen. Wie auf jedem anderen Friedhof auch, gibt es Flächen, die gepflegt und andere, die vernachlässigt wirken.

Gelbe Rosen und Engelchen

Einen Strauß gelber Rosen hat ein älteres Ehepaar gerade mitgebracht für Pedro, den Hund, der ihnen mal auf Gran Canaria zugelaufen ist. „Der wurde 14 Jahre alt. Ein schönes Tier“, sagt der Mann wehmütig. Seine Frau putzt mit einer Bürste die weißen Keramik-Engelchen sauber, die vom Regen der letzten Tage schlammverspritzt sind. Rosa Begonien blühen außerdem in Reih und Glied auf Pedros Grab.

Wer den Tierfriedhof, der zwischen Bahnlinie und Ikea liegt, betritt, der erblickt zunächst ein Meer aus bunten Windrädern unter vielen Bäumen. Etliche ehemalige Herrchen und Frauchen haben das Spielzeug ihrer Tiere aufs Grab gelegt, Fotos zieren so manchen mehr oder weniger pompösen Stein oder ein „Danke für die schöne Zeit“. Nur Kreuze sind nicht erlaubt. „Da spielt die Kirche nicht mit“, erklärt Verwalterin Angela Hoppmann. „800 Gräber sind aktuell belegt“, weiß Peter Roeschies, dem das Gelände gehört. Davon seien 60 Tiere aus Witten, der Rest vor allem aus Bochum und Dortmund. Hunde und Katzen sind hier begraben, aber auch Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Mäuse und Vögel. Es gibt sogar ein Wiesenstück für anonyme Bestattungen.

Würdevolles Ende für treue Freunde

Als Anke Friedrich sich entscheiden musste, was mit ihren Tieren nach dem Tod geschehen soll, war für sie sofort klar: „Beim Tierarzt bleiben die nicht.“ Denn der veranlasst nach der „letzte Spritze“ sonst den gesetzlich vorgeschriebenen Transport zur Abdeckerei. Tiere zu begraben, das habe für sie nichts mit übertriebener Liebe zu tun. „Die Kater waren für uns kein Kindersatz.“ Doch sie haben Freude bereitet, waren treue Begleiter, haben vielleicht manchmal Trost gespendet und hätten deshalb ein würdevolles Ende verdient. So sieht das auch Sabine Aghte (66) aus Witten, die ihren Hund Piet vor zwei Jahren einschläfern lassen musste und ihn dann „der Erde zurückgegeben hat“.

Anke Friedrich ist evangelisch, aber keine regelmäßige Kirchgängerin. Doch sie schließe jeden Abend alle Verstorbenen in ihr Gebet mit ein – ihren Vater, Freunde und eben die Kater. „Jeder“, sagt sie, „geht doch anders damit um“. Zum Glück hat sie noch Sammy, den weißen Hauskater. Der ist zwar schon 13 Jahre alt, aber sie hofft, dass es noch lange dauert, bis er einen Platz bei seinen Artgenossen findet.