Die im Dunkeln sieht man nicht

Johannes Kopps
Nur scheinbar ein Lichtsünder: Andreas Schreiber, mit Hünchen „Schlumpf“, spielte mit und knipste für die Fotografin extra die Lampe aus. Fotos:Barbara Zabka
Nur scheinbar ein Lichtsünder: Andreas Schreiber, mit Hünchen „Schlumpf“, spielte mit und knipste für die Fotografin extra die Lampe aus. Fotos:Barbara Zabka
Fahrradclub-Vorsitzende erklärt Radlern bei WAZ-Aktion, wie wichtig gute Beleuchtung für eigene Sicherheit ist. „Gefühlte Hälfte“ fährt ohne Licht.

Witten.  Sehen und gesehen werden – das ist für Radfahrer im Dunkeln wichtig, ja: überlebenswichtig. Ohne Licht gefährden sie nicht nur sich selbst. Die Dunkelmänner oder Dunkelfrauen auf Zweirädern gefährden auch Fußgänger oder sie ziehen Autofahrer in schlimme Unfälle hinein. Die Beleuchtungsregeln – zu ihrem eigenen Schutz – sind den meisten Radfahrern bekannt. Bloß: Wer hält sich daran?

Eine „gefühlte Hälfte fährt ohne Licht“, schätzt Susanne Rühl, EN-Kreisvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Die Wittenerin (58) stellte sich mit der WAZ nach Einbruch der Dämmerung an den Straßenrand.

Optimal: Weste und Reflexbänder

Wenig überraschend schlagen die meisten Dunkel-Radler einen eleganten Bogen um unseren Streckenposten – erkennbar an signalgelber Sicherheitsweste (Rühl), Kamera und Schreibblock (WAZ). Eine „ertappte“ 62-Jährige versichert, sonst fahre sie „immer“ mit Licht. Es sei aber doch noch nicht ganz so dunkel, und der Dynamo ihres älteren Rades bremse schon sehr. „Außerdem fahre ich gerade auf dem Gehsteig und auf der falschen Seite, da wollte ich die Autofahrer nicht verunsichern . . .“

Der gelbe „ADFC-Engel“ Susanne Rühl erklärt der Wittenerin, dass sie auch mit bequemeren Batterie-Lampen fahren dürfe. Sie spricht die Frau auch auf deren dunkle Jacke an: „Es ist sehr wichtig zu sehen, aber vor allem, gesehen zu werden!“ Für sie selbst gehören neben der Pflicht-Ausstattung eine Sicherheitsweste – „die kosten nicht viel“ – und Reflexbänder an den Hosenbeinen dazu.

„Mein Licht? Oh, das habe ich in der Tasche“, sagt ein 35-Jähriger, der die Regeln runterbeten kann. „Klar, ohne funktionierende Bremsen und ohne Beleuchtung ist mein Rad nicht verkehrstauglich.“ Er habe sich gedacht, „ich schaffe es noch im Hellen nach Hause.“ Und: „die Zeitumstellung . . .“

Rühl kennt alle Ausflüchte. „Es sind immer dieselben“, meint sie. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so früh dunkel wird; ich wurde aufgehalten; ich fahre doch nur auf dem Gehweg . . . “

Sie lässt sie aber nicht gelten. Die ADFC-Frau, die sonst eher Autofahrer auf dem Kieker hat, die „nicht blinken“ oder „Radfahrer gerne einfach übersehen“, hält sogar Polizeikontrollen für wünschenswert, damit unbelehrbaren Radlern ein Licht aufgeht. Wenn Radfahrer „richtige Verkehrsteilnehmer“ sein wollten, sollten sie sich auch so verhalten. Rühl: „Aktive und passive Sichtbarkeit ist überlebenswichtig.“

Sie weist auf den „rasanten technischen Fortschritt“ hin. Nabendynamos kosteten kaum noch Kraft beim Treten – kein Vergleich zu den alten Seitenläuferdynamos, „das war schon eine Quälerei.“ Beleuchtungssets mit Akku gebe es für 30 bis 60 Euro. Heutige LEDs bräuchten wenig Strom, deshalb hielten die Batterien lange. Und sie seien richtig schön hell. „Damit wird man auf jeden Fall gesehen!“

Darauf setzt auch Andreas Schreiber (48), der mit Hündchen „Schlumpf“ und Akku-Licht am Beleuchtungs-„Checkpoint“ vorbeifährt. Er weiß, warum: „Als Autofahrer ärgere ich mich selbst über Radfahrer ohne Licht. Man sieht sie einfach schlecht.“ Dann setzt er sich noch mal aufs Rad und fährt der Zeitung zuliebe ohne Licht vorbei. Danke dafür. Die richtigen Licht-Sünder hatten sich auch etwas fotoscheu gezeigt.

Licht am Rad: Was gilt?

Aktive Beleuchtung: Fahrräder müssen mit Scheinwerfer und Schlussleuchte ausgerüstet sein – mit Dynamo, Batterie oder Akku. Diese müssen fest angebracht und ständig betriebsfertig sein. Rennradler müssen einen Beleuchtungssatz mitführen. Bei Rennen sind sie davon befreit.

Passive Beleuchtung: Zwei Reflektoren hinten, einer vorn – sie dürfen in die Lampen integriert sein; gelbe Pedalleuchten (nach vorn und hinten); seitliche Speichen-Reflektoren vorn und hinten oder stattdessen Reifen-Reflektorstreifen. Quelle: Straßen-Verkehrs-Zulassungs-Ordnung, § 67.