Die Geschichte einer Nachbarschaft

Anna Ernst

„Vertraute Fremde. Nachbarn in der Geschichte“, so lautet das diesjährige Arbeitsthema des bundesweiten Geschichtswettbewerbs der Körber-Stiftung. Jugendliche und junge Erwachsene unter 21 Jahren waren aufgerufen, sich selbst auf Spurensuche zu begeben und eigene Arbeiten einzureichen. Drei Schülerinnen des Ruhr-Gymnasiums stellten sich dieser Herausforderung.

Elif Akgündüz (15), Hicran Demirel (14) und Ronja Schmitz (15) gehen in die neunte Klasse und erfuhren beim Unterricht von dem Wettbewerb, bei dem auch Geldpreise für die Erstplatzierten winken. „Klar, am Anfang war das schon ein Grund für uns, um da mitzumachen“, geben die drei schmunzelnd zu. Aber mit der Zeit habe die Teamarbeit im Vordergrund gestanden und der Spaß beim Suchen der Quellen im Stadtarchiv.

Dort bekamen die drei Schülerinnen tatkräftige Unterstützung vom Archivteam um Leiterin Dr. Martina Kliner-Fruck. Um herauszufinden, wie es um die Nachbarschaft des Ruhr-Gymnasiums in der NS-Zeit bestellt war, wurden Adressbücher gewälzt, alte Zeitungsausschnitte gesichtet und Zeitzeugen interviewt.

„Wir haben uns gefragt, wieso die Straße dort eigentlich Synagogenstraße heißt und was das Denkmal gegenüber von der Schule bedeutet“, erklärt Ronja. Eine Menge Freizeit haben die Mädchen seitdem im Stadtarchiv verbracht. Zwei bis drei Mal pro Wochen trafen sie sich dort. „Wir haben viel Neues gelernt“, sagt Hicran. Vor allem über Vorurteile, Rassismus und Nazi-Grausamkeiten. Aber auch über den Stellenwert von Freundschaft und Toleranz: „Für uns ist es ja ganz normal, dass wir befreundet sein können, obwohl Ronja Christin ist und wir Muslime“, meinen Elif und Hicran.

35 Seiten umfasst die Arbeit der drei Schülerinnen – plus Anhang. „Wir sind jetzt stolz, dass wir alles bis zum Abgabetermin geschafft haben“, so Ronja. Und nebenbei haben sie schließlich auch gelernt, was wissenschaftliche Arbeit heißt. Ob sie später zu den Gewinnern gehören, sei da erstmal zweitrangig. Erfahren werden sie es im Sommer.