Deutsch-türkischer Kulturverein in Witten distanziert sich von "Grauen Wölfen"

Bernd Kassner
Mit Fußball und türkischen Speisen wartete der Deutsch-Türkische Kulturverein Witten auf seinem Sportfest in der Husemannhalle an der Ardeystraße in Witten auf. Im Bild: Vorsitzender Bekir Dogan mit den Siegerpokalen, assistiert von Aylin Dogan (links) und Beyza Dülger.
Mit Fußball und türkischen Speisen wartete der Deutsch-Türkische Kulturverein Witten auf seinem Sportfest in der Husemannhalle an der Ardeystraße in Witten auf. Im Bild: Vorsitzender Bekir Dogan mit den Siegerpokalen, assistiert von Aylin Dogan (links) und Beyza Dülger.
Foto: Michael Korte
Sein Sportfest feierte der deutsch-türkische Kulturverein am Sonntag in und an der Husemannhalle in Witten. Dabei blieben die türkischen Sportler aber weitgehend unter sich. Der ADÜTDF, der Dachverband des Kulturvereins, gilt als extrem nationalistisch und wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Witten. Der deutsch-türkische Kulturverein feierte am Sonntag sein Sportfest in und an der Husemannhalle in Witten. Großes Glück haben sie dabei mit dem Wetter gehabt - Sonne, blauer Himmel, nicht zu heiß. Würziger Duft vom Grill mischt sich mit den viel versprechenden Aromen des großen Kuchenbuffets. Während in der Halle Sportler um Anerkennung und Pokale kämpfen, genießen draußen rund 500 Besucher schon mittags den freien Sonntag - an die 2000 wurden bis zum Nachmittag noch erwartet.

Um Anerkennung allerdings ringt auch der deutsch-türkische Kulturverein mit Sitz an der Hauptstraße 25. „Es ist fast nur türkischstämmiges Publikum hier, und die Nachbarn und Freunde, die wir persönlich eingeladen haben“, beklagt Vereinsmitglied Cüneyt Temür. „Wir haben so viele Sportvereine angeschrieben und eingeladen, bei unserem Sportfest mitzumachen, doch keiner ist gekommen“, wundert sich auch Vereinsvorsitzender Bekir Dogan. „Wir wissen doch, dass Polizei und Feuerwehr eigene Sportvereine haben. Es wäre schön, wenn die auch mal zu unserem Sportfest kämen, das wir nun schon zum zwölften Mal veranstalten.“

„Islamische, ultranationalistische oder rassistische Inhalte“

Dass Polizei und Feuerwehr nicht mit den Mitgliedern dieses Kulturvereins Fußball spielen wollen, kann natürlich seine Gründe haben. Der deutsch-türkische Kulturverein gehört der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“ (ADÜTDF) an, die als deutsche Vertretung der türkischen „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP) gilt.

Kommentar Die ADÜTDF ist eine der anhängerstärksten Gruppierungen der sogenannten Ülkücü-Bewegung, deren Mitglieder als „Graue Wölfe“ bekannt sind. „Je nach Ausrichtung der Gruppierung dominieren islamische, ultranationalistische oder rassistische Inhalte“, hat der Verfassungsschutz festgestellt.

„Nichts zum schlechten Ruf beigetragen“

„Damit haben wir nichts zu tun“, wehrt Bekir Dogan ab. Zwar räumt Cüneyt Temür ein, dass die ADÜTDF der Dachverband des Kulturvereins sei, „aber wir sind für Integration, auch Armenier und Kurden sind bei uns willkommen, wir haben nichts zu verbergen.“

Der Verfassungsschutzbericht widmet den Grauen Wölfen gleich mehrere Seiten. „Die ADÜTDF stellt sich als gesetzestreu dar“, heißt es darin. Das Entstehen von Parallelgesellschaften werde gefördert. Ende der 1970er Jahre hatten Kommandos der Grauen Wölfe in der Türkei die meisten politischen Morde zu verantworten. Temür: „Zu dem schlechten Ruf haben wir in Witten nichts beigetragen.“