Der Geist vom Helenenturm

Auf dem Helenentum: (v.l.) Cansu, Melisa, Gamze und Lina von der Otto-Schott-Realschule machen mit beim Schreibprojekt und suchten in luftiger Höhe Anregungen.
Auf dem Helenentum: (v.l.) Cansu, Melisa, Gamze und Lina von der Otto-Schott-Realschule machen mit beim Schreibprojekt und suchten in luftiger Höhe Anregungen.
Foto: WAZ FotoPool

Witten.  Wie muss ein Roman sein, der Wittener Jugendlichen gefällt? Realistisch, aber mit Fantasy-Elementen, und etwas gruselig. Und er soll in der Ruhrstadt spielen. Damit es solch einen Roman auch wirklich gibt, haben sich zehn Mädchen und drei Jungen vorgenommen, diesen selbst zu schreiben.

Eigentlich sollten an diesem Projekt Kinder mehrerer Schulen teilnehmen, aber, wie Leiterin Sarah Meyer-Dietrich schmunzelt, es waren zwölf von 13 freien Plätzen schon nach dem Besuch der Otto-Schott-Realschule besetzt, so groß war das Interesse bei den 21 Schülern der 9. Klasse. So blieb nur ein Platz für das Schiller-Gymnasium übrig. Beim Romanschreiben greift Autor Sascha Pranschke den Neuntklässlern unter die Arme. Der 39-Jährige hat bisher drei Romane veröffentlicht.

Am Freitag war die Gruppe zur Inspiration in Witten unterwegs. So haben die Jungautoren unter anderem den Helenenturm erkundet und sich ausgedacht, dass es im Buch dort eine Geisterbeschwörung geben soll. „Wir haben uns Freitag die Grundzüge der Handlung überlegt“, erklärt Sascha Pranschke. „Heute wollen wir schreiben und nach einer Stunde diskutieren wir darüber“, kündigt er Samstag an. Doch vorher wird an der Handlung gefeilt.

Warum besucht der junge Recep das Mädchen Max? Wie kommen die Akteure nach Gelsenkirchen, und wie wird das Gespenst eingebaut? Das muss alles geklärt werden, bevor die Mädchen und Jungen beginnen, ihre Texte in vier Tablets, zwei Laptops und zwei Notizblöcken niederzuschreiben. Bei aller jugendlichen Kreativität achtet Sascha Pranschke auf die Glaubwürdigkeit der Handlung, „das macht der Leser ja auch“, betont er.

Am Freitag wollen die Jugendlichen fertig sein mit ihrem Textteil, weil dann das Projekt nach Gelsenkirchen weitergegeben wird. Die 13 Teilnehmer treffen sich nun täglich jeden Nachmittag. „Bis 18.30 Uhr“, betont Tugze. Zur Schule müssen sie natürlich trotzdem. Und auch wenn sie vergangenen Freitag schulfrei hatten, haben sie motiviert den Samstag für ihren Roman geopfert. Dabei lesen viele der Teilnehmer gar nicht gern, und Schreiberfahrung haben auch wenige.

Bei Laura hat das Inspirieren am Freitag hervorragend funktioniert: „Wir hatten gestern so viele gute Ideen, dass ich abends gleich selbst etwas geschrieben habe. Über Kannibalen.“ Anna mag auch die Potter-Bücher, erzählt sie, und liest des Weiteren „Die Tribute von Panem“. Seit etwa einem Jahr schreibt sie eigene Gedichte, „für mich selbst“, sagt sie. Ebenso Melih. Der Neuntklässler denkt sich Songtexte aus, berichtet er, auch wenn er keine Musik macht. Cansu hat ebenfalls etwas Erfahrung: „Ich versuche, ein Buch zu schreiben, aber sonst schreibe und lese ich nicht so gern.“

Mit ihren „Lehrern“ sind die Jugendlichen sehr zufrieden, erklärt Melisa stellvertretend für alle. Gamze wünscht sich, dass ihr Werk „spannend und gut wird, und dass es vielen Leuten gefällt“.

In den Schreibstil der Jugendlichen wollen Sarah und Sascha wenig eingreifen. „Ob Ich-Form oder Erzählen aus der dritten Person – das kann jeder selbst entscheiden“, kündigt Sarah Meyer-Dietrich an. „Man soll ja auch sehen können, dass es viele Autoren sind.“ Um die 60 werden es am Ende sein.

 
 

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