Der „Dominator vom Bosporus“ ist tot

Der KSV Witten 07 trauert um einen ganz großen Ringer: Im Alter von 85 Jahren verstarb am Ostersonntag Mithat Bayrak, der in Melbourne 1956 und in Rom 1960 olympisches Gold gewann. Ein Jahr später kam er nach Witten, stand lange für den KSV auf der Matte.

Zuletzt hatte es seine Gesundheit nicht mehr gut mit ihm gemeint – viele Wochen musste Bayrak immer wieder in Krankenhäusern verbringen. Dennoch war er auch in der abgelaufenen Saison regelmäßig bei den Kämpfen „seines“ KSV Witten anzutreffen. Den 80. Geburtstag hatte das Ringer-Idol noch im Kreise seiner Familie und vieler sportlicher Wegbegleiter gefeiert.

Mitglied im türkischen Nationalteam

Mithat Bayrak wuchs in Adapazarı in der Türkei auf. Als Jugendlicher begeisterte er sich für das traditionelle Ringen, Yagli güres, das „Ölringen“. In dem Verein Sakarya Güres erlernte er den modernen olympischen Ringkampf, machte schon bald durch gute Leistungen auf sich aufmerksam und wurde in das türkische Nationalteam im griechisch-römischen Stil aufgenommen.

1955 startete er erstmals bei einem bedeutenden internationalen Turnier, den Mittelmeer-Spielen. Da musste er sich noch mit dem fünften Platz im Weltergewicht begnügen. Doch bereits ein Jahr später gelang ihm der große Wurf: Bayrak wurde Olympiasieger bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne. 1960 wiederholte er diesen Erfolg bei den Spielen in Rom. 1964 ging er noch einmal auf die olympische Matte. In Tokio schied er aufgrund des damaligen Reglements ohne Niederlage aus – zwei Unentschieden besiegelten das Turnierende.

Der Weltklasseringer beendete danach seine internationale Karriere und kam 1961 als einer der ersten türkischen Ringer nach Deutschland. Er fand in Witten seine neue Heimat, schloss sich dem KSV 07 an und prägte in den folgenden Jahren das sportliche Geschehen des Vereins mit. Über 20 Jahre ging er für den KSV auf die Matte. Als „Dominator vom Bosporus“ zeigte er immer wieder seine Qualitäten. Auch als Trainer engagierte er sich, war einige Jahre verantwortlich für das Bundesliga-Aufgebot. Immer wieder vermittelte er dem KSV Top-Ringer für die Mannschaft.

Für seine Verdienste um den Ringersport wurde Bayrak im September 2011 in die „International Wrestling Hall of Fame“ aufgenommen. Noch 2012 erfuhr er bei einer Foto-Ausstellung über Sportlegenden bei den Olympischen Spielen in London eine besondere Ehrung. Beim KSV Witten war er seit vielen Jahren Ehrenmitglied. Er wird dort weiterleben durch Sohn Attila, der als Trainer der KSV-Jugend das Werk seines Vaters weiterführt, und durch Enkelin Dilara, die erste Erfolge auf der Ringermatte feierte.

 
 

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