Das erste Ballmädchen von Annen erinnert sich

Wilhelmina Kopsch sammelte 1947 als erstes Ballmädchen beim heutigen TC Schwarz-Weiß Annen Bälle auf für die Tennisspieler. Die Liebe führte sie allerdings nach Ulm. Foto: privat ( Reproduktion: Walter Fischer / WAZ FotoPool)
Wilhelmina Kopsch sammelte 1947 als erstes Ballmädchen beim heutigen TC Schwarz-Weiß Annen Bälle auf für die Tennisspieler. Die Liebe führte sie allerdings nach Ulm. Foto: privat ( Reproduktion: Walter Fischer / WAZ FotoPool)
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Ihre Heimat ist Witten, aber die Liebe verschlug sie nach Ulm. Wilhelmina Kopsch (74) erinnert sich gerne an ihre Kindheit. Sie war das erste Ballmädchen auf dem Tennisplatz des heutigen TC Schwarz-Weiß Annen.

Witten.. Früher nannte man den Tennisplatz nur Zeche Ringeltaube. Denn genau über dem kleinen Kohlebergwerk in Annen wurde der Platz gebaut. Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 1947, war Wilhelmina Kopsch zehn Jahre alt und wollte sich Rollschuhe kaufen. „Meine Freundin hatte welche geschenkt bekommen und die sahen so schön aus, da wollte ich sie auch“, meint die 74-Jährige. Ihre Eltern waren arm und konnten sich die Rollschuhe nicht leisten. Also hatte Wilhelmina keine Wahl: Sie musste Geld verdienen.

Doch Arbeit gab es zu der Zeit kaum, besonders für Kinder nicht. Deshalb entschied sich die Annenerin auf dem Tennisplatz Bälle aufzulesen. „Das war ein Kampf mit den Buben. Sie wollten schneller sein als ich. Deswegen musste ich mich immer doppelt so sehr anstrengen wie die Jungs“, erzählt die Rentnerin. Pro aufgelesenen Ball gab es einige Pfennige, wie viele weiß die Rentnerin heute nicht mehr. Unzählige Tennisbälle später hatte sie 28 Mark zusammengespart. „Für die damalige Zeit eine Menge Geld." Um so größer die Enttäuschung, als sie es dann doch nicht in die geliebten Rollschuhe investieren durfte. Denn kurz vor dem Kauf ging der Ofen der Familie kaputt. „Da musste ich meinen Eltern meine Ersparnisse geben, damit sie den neuen Ofen kaufen konnten. Heute weiß ich, dass sie richtig handelten. Damals brach eine Welt für mich zusammen.“

Einsturz des Platzes war ein Schock

Dafür hatte sie Glück in der Liebe. Mit 17 Jahren lernte die Wittenerin ihren späteren Mann kennen. Für ihn verließ sie Witten und zog nach Ulm an die Donau. Ab und zu kehrt sie in ihre Heimat zurück und besucht ihre Schwester, von der sie alle Neuigkeiten aus der Ruhrstadt erfährt. Als sie hörte, dass der Tennisplatz aus ihrer Kindheit im Dezember 2007 eingestürzt war, war Wilhelmina Kopsch schockiert. „Ich habe mir das Loch damals angesehen. Das ist schon merkwürdig gewesen, wenn man weiß, dass man dort immer langgerannt ist.“ Der unter dem Tennisplatz liegende Schacht war eingebrochen, ein Teil der Oberdecke weggesackt. Mittlerweile ist der Platz wieder bespielbar.

Für das Ballmädchen von einst gibt es heute kein Zurück mehr. Ihr Mann ist zwar tot, aber Kinder und Enkel leben in Ulm. Bei den Heimatbesuchen bleibt genug Zeit, „mir mein Witten anzusehen.“

 
 

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