Das dritte Haus in Annen wird jetzt schöner

Eingerüstet: Das Haus Stockumer Straße 9 liegt direkt am Annener Marktplatz. Die Fassadenerneuerung ist daher von besonderer städtebaulicher Bedeutung. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Eingerüstet: Das Haus Stockumer Straße 9 liegt direkt am Annener Marktplatz. Die Fassadenerneuerung ist daher von besonderer städtebaulicher Bedeutung. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Walter Fischer
Jörg Vogel, der aus Heven stammt und in Bayern lebt, nutzt das Fassadenprogramm der Sozialen Stadt, um seine Immobilie in Annen aufzuhübschen.

Witten.. Fürs Pressegespräch hat sich Jörg Vogel extra eine saubere Hose angezogen. Schließlich kriegt er Geld dafür, dass er die Fassade seines Hauses am Annener Marktplatz verschönert. Keine Unsummen, weshalb er auch selbst mit anpackt, aber doch ungefähr 3800 Euro. Die kommen vom Fassadenprogramm der Sozialen Stadt.

Das ging im Mai 2011 an den Start. „Damit soll das Zentrum des Ortsteils als Nahversorgungsquartier mit hoher Wohn- und Aufenthaltsqualität aufgewertet werden“. erklärt Projekt-Koordinatorin Petra Klein (47). Im letzten Jahr ließen die Eigentümer der Objekte Bebelstraße 9-11 sowie Geschwister-Scholl-Straße 1 ihre Häuser aufhübschen. Vogel ist der Dritte im Bunde und sein 110 Jahre altes Haus mit den acht Mietparteien das erste in 2012 geförderte.

„Schon vor einem Jahr haben wir hier gestanden“, sagt Jörg Vogel. Mit Quartiersarchitekt Dr. Peter Kroos (51), der renovierungswillige Hausbesitzer im Auftrag des Stadtteilbüros berät, hat er hin und her überlegt, wie der maroden Fassade am besten beizukommen sei. „Früher war das Haus gegenüber das hässlichste. Dann war es meins.“

Das Gebäude gegenüber wurde vor etwa vier Jahren sogar ganz abgerissen. Der neue Komplex leuchtet in frischem Weiß. Soweit will Vogel nicht gehen – also, was den Abriss angeht. Doch farblich ist bei ihm mehr drin, auch wenn der Quartiersarchitekt da zu Minimalismus geraten habe. Was also bis letzten Montag noch schmutziggelb aussah, wird spätestens in sechs Wochen champagnerfarben daherkommen, ergänzt durch helle Grautöne und kleine rubinroten Akzente inmitten der Stuckrosetten. „Das sieht dann aus wie die bayrischen Kirchen“, sagt Vogel, für den die Immobilie nur der Altersvorsorge dient und der sonst unten im Süden lebt.

„Aber ich komme immer gern hierher“, sagt der gebürtige Hevener, der wegen eines Jobs als Bauleiter für die Außenanlagen des Münchner Flughafens die Heimat verließ und dort blieb, „weil ich im Ruhrgebiet keine Arbeit gefunden habe“. Zwei bis drei Wochen Urlaub pro Jahr verbringt er in Witten, wo seine Mutter lebt. Über sie, die regelmäßig Zeitungsausschnitte lokaler Ereignisse schickt, hat er von dem Fassadenprogramm erfahren.

„Wirtschaftlich gesehen ist es dumm, das zu tun, weil es nicht mehr Miete bringt“, sagt Jörg Vogel. 23 000 Euro kostet die Renovierung der Fassade, wovon nur die Malerarbeiten in Höhe von 10 000 Euro zu 45 Prozent bezuschusst werden. Von der Gesamtsumme, in der z.B. die Stuckarbeiten enthalten sind, will Vogel 8000 Euro in Eigenleistung erbringen. Dafür hat er sich Zwangsurlaub verordnet und turnt noch nachts um halb zwölf auf dem Gerüst herum.

Sein Engagement wird die Mieter freuen. Und die Stadt sowieso. Schließlich sei es wichtig für die Stabilisierung eines Ortsteils, dass die Leute dort wohnen bleiben, so Petra Klein. „Und das“, sagt Vogel, bevor er wieder in die fleckige Arbeitshose steigt, wolle er aktiv unterstützen.

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