Cousin von Anne Frank besuchte Witten

Sehr anschaulich erzählte Buddy Elias von der gemeinsamen Kindheit mit Anne Frank, die Opfer des Nazi-Terrors wurde.
Sehr anschaulich erzählte Buddy Elias von der gemeinsamen Kindheit mit Anne Frank, die Opfer des Nazi-Terrors wurde.
Foto: WAZ
Buddy Elias, der Cousin von Anne Frank, besuchte Witten und sprach über die gemeinsame Kindheit. Er ist der letzte lebende Verwandte.

Witten..  Still war es im Saal von Haus Witten, als Buddy Elias (89) mit dem Erzählen begann. Rund 70 - zumeist jugendliche - Zuhörer lauschten gebannt seinen Worten. Buddy Elias ist der Cousin und der letzte lebende Verwandte der Tagebuch-Autorin Anne Frank. Anlass des Besuchs war die vierwöchige Ausstellung im Schiller-Gymnasium. Anne Frank, die Opfer des Nazi-Terrors wurde, wäre jetzt 85 Jahre.

„Anne war als Kind sehr zielstrebig“, erinnert sich Buddy Elias. „Sie war ein lebendiges, verspieltes, neugieriges und lustiges Mädchen. So wie kleine Mädchen halt sind.“ Buddy Elias hatte eine enge emotionale Bindung zu ihr. Beide wurden in Frankfurt geboren. Buddy hatte Glück. Sein Vater wurde beruflich in die Schweiz versetzt. „Das war meine Lebensrettung“, meint er nachdenklich. „Vor der Machtergreifung durften wir ganz legal auswandern.“ Doch Anne und Buddy blieben in Kontakt, verbrachten die Sommerferien gemeinsam, schrieben sich Briefe. „Ihre letzte Geburtstagskarte habe ich mehr als tausendmal gelesen.“

Buddy Elias und Ehefrau Gerti (81) zitierten treffende Passagen aus ihrem Buch „Grüße und Küsse“. Das ist die bewegende Geschichte der Familie von Anne Frank. Buddy Elias ergänzte immer wieder ganz persönliche Erinnerungen. Oftmals standen ihm die Tränen in den Augen. Aus Zufall fand Gerti Elias beim Stöbern auf dem Dachboden unzählige Dokumente, Briefe und Fotos. „Ich habe sie damals mit ganz viel Herzklopfen gelesen“, gesteht sie. Die Idee für das Buch war geboren.

Ausstellung war gut besucht

Mit richtigen Namen heißt Buddy Elias übrigens Bernhard. Anne nannte ihn immer Bernd. Buddy ist sein Spitzname aus Kindertagen. Als Schauspieler und legendärer Holiday-on-Ice-Clown hat er diesen Namen jedoch beibehalten. „Eislaufen mit Anne - das hat leider nicht mehr geklappt“, meint er nachdenklich.

Nach Witten ist das Ehepaar gerne gekommen. Anlass war das Projekt „Ein Mädchen schreibt Geschichte“ des Schiller-Gymnasiums und des Vereins für Kinder- und Jugendförderung Annen. „Wir suchen das Gespräch mit der Jugend“, betont Gerti Elias. „Denn sie ist es, die wir anschaulich informieren wollen und auch müssen. Hier in Witten haben wir viele interssante Gespräche mit jungen Menschen geführt.“ So auch beim Projekt-Finale in Haus Witten. Im Anschluss signierten die beiden Zeitzeugen auch das Taschenbuch, das von fast allen der 70 Zuhörer gekauft wurde.

„Es war toll, dass wir zum Abschluss der Anne-Frank-Ausstellung Buddy Elias nach Witten holen konnten“, betont Michael Lüning vom Jugendamt. „Die Arbeit mit Zeitzeugen ist heute unheimlich wichtig, denn noch leben sie und können berichten.“

Nach dreieinhalb Projektwochen zieht Lüning eine positive Bilanz: „Die Ausstellung in der Aula des Schiller-Gymnasiums war gut besucht. Rund 40 Schülergruppen haben sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Unterm Strich haben 1500 Menschen die historische Präsentation gesehen.“ Gleichzeitig ist auch das Bundesprojekt „Toleranz fördern - Kompetenz stärken“ nach vier Jahren beendet worden. 400 000 Euro Fördergelder standen zur Verfügung. Insgesamt 60 Projekte wurden verwirklicht.

 
 

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