Caritas bietet neue „Kontaktbörse“ für Flüchtlinge

Ein Netz aus Kontakten soll im Café Credo entstehen: Bei der Vorstellungsrunde hat jeder Besucher ein Wollknäuel zugeworfen bekommen und etwas von sich erzählt.
Ein Netz aus Kontakten soll im Café Credo entstehen: Bei der Vorstellungsrunde hat jeder Besucher ein Wollknäuel zugeworfen bekommen und etwas von sich erzählt.
Foto: FUNKE Foto Service
Caritas bietet „Kontaktbörse“ für Flüchtlinge: Möglichkeit für Wittener und die neuen Mitbürger, Freundschaften zu schließen.

Witten..  Im Café Credo an der Hauptstraße ist heute die Hütte voll. 30, vielleicht sogar 40 Leute sitzen an Tischen mit Kaffee und Keksen. Es wird gelacht, zwischendurch steht jemand auf, redet und wirft ein Wollknäuel durch den Raum. Was ist denn hier los?

Die Caritas hat Flüchtlinge eingeladen. Zum Quatschen und Begegnen. Um zu lachen und Freundschaften zu schließen. „Wir wollen ein Angebot schaffen, um sich unkompliziert zu treffen und auszutauschen“, erklärt Judith Bierey von der Freiwilligenagentur Fokus. Ein Angebot für jedermann. In dem Café sollen, so die Hoffnung, viele Menschen zueinander finden: Flüchtlinge und Wittener, die helfen und Kontakte zu den neuen Mitbürgern aus aller Welt knüpfen wollen.

Etwas Deutsch können alle schon

Heute ist Tag eins der neuen „Kontaktbörse“ (Hauptstraße 81, dienstags von 14 bis 16 Uhr). Viele der Flüchtlinge aus dem Irak, aus Syrien oder Eritrea sehen sich das erste Mal. Vielleicht ist jemand dabei, mit dem man Deutsch lernen oder einfach plaudern kann? Vielleicht sogar ein neuer Partner fürs Leben? Es gibt viele Alleinstehende unter den Besuchern. Bei all den unterschiedlichen Sprachen – Türkisch, Arabisch, Afghanisch... – verstehen sich viele nicht immer gut. Aber etwas Deutsch können ja alle schon. Und wenn gar nichts mehr hilft: Ein Lächeln versteht jeder.

Die Vorstellungsrunde ist in vollem Gange. Es geht ein bisschen zu wie in einer Schulklasse, die sich das erste Mal trifft. „Ich heiße Mohammed und wohne in Witten. Ich komme aus Marokko. Vielen Dank.“ Wie viele andere hat der 25-Jährige das rote Wollknäuel zugeworfen bekommen, ist aufgestanden und wirft seine ersten Brocken Deutsch in die Runde. Dann fliegt das Band wieder durch den Raum.

Die neue Sprache ausprobieren

„Ich bin glücklich, dass wir uns hier treffen. Ich habe eine Frau und zwei Kinder. Meine Hobbies sind Musik machen und Lesen“, sagt ein Mann ebenfalls in brüchigem, aber verständlichem Deutsch. Die ersten Erfolgserlebnisse aus ihrem Sprachkurs. Auch das ist ein Ziel der Caritas: sich nicht nur zu treffen, sondern auch die neue, noch recht unbekannte Sprache auszuprobieren.

Nach der Vorstellungsrunde setzen sich viele in kleinen Gruppen zusammen, erzählen sich Witze, sprechen von ihrer Familie, von Erlebnissen in der Stadt oder reden über ihre Sprachkurse. Wenn gar nichts mehr hilft, wird das Handy mit der Übersetzungs-App gezückt.

Ekrayem arbeitet bei der Johannisgemeinde

„In der Heimat habe ich angefangen, Computeringenieur zu studieren“, sagt der Syrer Muaid (22). „Ich hoffe, dass ich das Studium hier beenden kann.“ Er berichtet von der gefährlichen Situation in seinem Heimatland. Und er gibt sich etwas enttäuscht: „In Deutsch mache ich noch nicht so viele Fortschritte.“

Ekrayem (27) wollte unbedingt arbeiten. Er hilft der Johannisgemeinde. „Ich hatte den Weihnachtsbaum geschmückt und Wasser gekauft.“ Mohammed (25) erzählt von seinem Wunsch, ein Fitnessstudio zu besuchen. „Leider habe ich kein Bankkonto.“ Mancher, wie Tarif, holt sein Handy heraus und zeigt Fotos seiner Familie: seine Frau, eine kleine Tochter (5) und ein Sohn (3), die er zurücklassen musste. „Sie haben Freunde vor Ort“, sagt der Syrer. Aber klar: „Ich vermisse sie.“

Erinnerungen aus der Heimat

Inzwischen haben sich die ersten miteinander verabredet: Die Wittenerin Miriam Boy (45) ist auf Ziad (45) zugegangen. „Ich habe seine Familie zu uns eingeladen. Es ist wichtig, Flüchtlingen bei der Eingewöhnung zu helfen.“

Sogar ein Bild ist am Ende entstanden. Wer wollte, konnte auf eine Leinwand etwas malen, das in an seine Heimaterinnert. Ein Panzer ist zu sehen, ein Flüchtlingsboot, eine Sonne, auch ein Baum mit zwei Menschen, die sich die Hand geben. Und ein vielsagender Satz: „Vielen Dank für dieses schöne Treffen.“

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