Busfahrer verweigert Service für Gehbehinderten

Dr. Carsten Rensinghoff wollte zwischen zwei Haltestellen aussteigen, durfte aber nicht.
Dr. Carsten Rensinghoff wollte zwischen zwei Haltestellen aussteigen, durfte aber nicht.
Foto: WAZ FotoPool

Witten.. Nach 20 Uhr können Fahrgäste der Bogestra auch zwischen den Haltestellen aussteigen. „Von wegen!“ schimpft der halbseitig gelähmte Dr. Carsten Rensinghoff.

Er beschwerte sich in einem Brandbrief bei dem Verkehrsunternehmen, von einem Busfahrer schroff abgewiesen worden zu sein - mit der Begründung, der Bus habe schon Verspätung.

Der Wittener war auf dem Heimweg zur Sprockhöveler Straße. Rensinghoff nahm den 320er um 19.55 Uhr vom Rathaus. „Ich habe den Fahrer schon beim Einstieg gebeten, zwischen Tor Thyssen und Sprockhöveler Straße zu halten.“ So, wie es die Bogestra nach 20 Uhr anbietet. „Der Busfahrer schüttelte den Kopf. Er sagte, er habe fünf Minuten Verspätung“, erinnert sich der 43-Jährige. Der gelernte Sonderpädagoge, dessen linke Körperhälfte seit einem Unfall gelähmt ist, musste selbst die letzten Meter zu Fuß zurücklegen – von der Haltestelle „Tor Thyssen“ bis zu seiner Wohnung gegenüber der Aral-Tankstelle an der Sprockhöveler Straße. „Behindertenfeindlich“ sei das. Die Bogestra weist den Vorwurf zurück.

Das Aussteigen zwischen den Haltestellen ab 20 Uhr sei eine Serviceleistung, sagt Sprecherin Sandra Bruns. Ein Anrecht darauf gebe es nicht. „Der Fahrer muss entscheiden, ob die Verkehrssituation einen solchen Zwischenstopp zulässt.“ Die Sicherheit der Fahrgäste gehe vor. Auch bei Verspätungen könne der Fahrer den Halt verweigern.

Im konkreten Fall war der 320er wegen „Kemnade in Flammen“ offenbar brechend voll. Der Busfahrer habe sich dafür entschieden, der Mehrheit der Fahrgäste den Anschluss an weitere Busse zu garantieren, erklärt die Bogestra-Sprecherin. Direkt gegenüber der Wohnung von Carsten Rensinghoff hätte der 320er wohl ohnehin nicht halten können. Bruns: „Wir dürfen nicht in dem Ein- und Ausfahrtsbereich halten.“ In Kürze wolle man sich mit dem Kunden in Verbindung setzen. Bruns: „Vielleicht finden wir eine Lösung, damit so ein Vorfall nicht wieder passiert.“ Eine Möglichkeit sei etwa ein Stopp zwischen zwei Einfahrten.

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