Bürgermeisterkandidaten diskutieren im Zehn-Minuten-Takt

Matthias Hillbrandt (l.) und Jochen Marquardt (r.) vom DGB mit den Bürgermeisterkandidaten (v.l.) Walter Budziak, Stefan Borggraefe, Sonja Leidemann, Ulla Weiß und Frank Schweppe.
Matthias Hillbrandt (l.) und Jochen Marquardt (r.) vom DGB mit den Bürgermeisterkandidaten (v.l.) Walter Budziak, Stefan Borggraefe, Sonja Leidemann, Ulla Weiß und Frank Schweppe.
Foto: WAZ
Der DGB lud zum Speed-Dating mit den Bürgermeisterkandidaten ins Gewerkschaftshaus. Die Besucher konnten alle fünf hautnah kennen lernen.

Witten..  Eine etwas andere Diskussionsform wollte der DGB testen und lud kurzerhand zum Speed-Dating mit den Bürgermeisterkandidaten. Diese Methode, schnell neue Beziehungs-, aber auch Geschäftskontakte zu finden, bot an diesem Abend dem Publikum die Chance, alle fünf Kandidaten hautnah kennen zu lernen – ohne Rededuell, ohne stundenlange Monologe, dafür „knackig und zielgerichtet“, wie Matthias Hillbrandt vom DGB Witten es formuliert.

Industriepolitik, Haushalt, Mobilität, Jugend und Integration – darum soll es gehen. Fünf Tische stehen im Gewerkschaftssaal an der Hans-Böckler-Straße. Die Besucher können einen Schwerpunkt wählen, die Kandidaten wandern reihum. Jeweils zehn Minuten haben Stefan Borggraefe (Piraten), Walter Budziak (parteilos), Sonja Leidemann (Bürgermeisterin), Frank Schweppe (SPD) und Ulla Weiß (Die Linke) Zeit, Fragen zu beantworten. Uli Ehlers schlägt den Gong, damit keiner überzieht.

In der ersten Runde sitzt Sonja Leidemann am „Haushalts“-Tisch. „Wie wollen Sie mit der hohen Verschuldung umgehen?“, fragt ein Gast. Leidemann führt den Stärkungspakt ins Feld und betont, „dass wir bei Bund und Land für finanzielle Erleichterungen kämpfen wollen“.

Zum Thema Mobilität will eine ältere Dame von Walter Budziak wissen, was er von der Verkehrsplanung in der Stadt hält. „Mir fehlt ein Gesamtkonzept“, entgegnet der. „Mal wird hier ein Stück Radweg gemacht und dort ein Stück Straße geflickt.“ Am liebsten würde er sämtliche Fahrzeuge aus der Stadt verbannen. „Ich denke immer ein bisschen visionär.“ Eine Runde später äußert er sich kritisch zum Stadtentwicklungsplan: „Den kennt doch keiner.“

Ulla Weiß, gerade am „Integrations“-Tisch, will in Sachen Flüchtlingsproblematik „die privaten Hauseigentümer bearbeiten“, damit sie Wohnraum zur Verfügung stellen. Überhaupt gibt sich die 55-Jährige kämpferisch. Will auch gegen das Stärkungspaktgesetz des Landes protestieren, „weil es nicht in der Lage ist, die Stadt finanziell zu retten“.

Unterschiedliche Kandidaten – unterschiedliche Meinungen

Um Schulen geht es gerade in der Runde mit Frank Schweppe . „Wir haben eine gut funktionierende Schullandschaft.“ Dass er die Hardenstein-Gesamtschule „killen“ wolle, wie ihm angedichtet werde, „das stimmt nicht“. Er wolle ihr eine Zukunft geben, „nur vielleicht an anderer Stelle“. In Sachen Mobilität appelliert er an die Bürger, Tipps zu geben, wo es hakt: an zu kurzen Ampelphasen beispielsweise, wie ein junger Mann kritisiert.

Wie er mit dem Ansturm von Flüchtlingen umgehen würde, wird Stefan Borggraefe gefragt. „Ich habe den Help-Kiosk mit begründet und halte es für ganz wichtig, Begegnungen zwischen Bürgern und Flüchtlingen zu ermöglichen“, sagt der 39-Jährige.

Zufrieden zeigt sich Georg Klee (54) nach dem Speed-Dating: „Man konnte alle kennen lernen. Und man wusste sofort, wer kompetent ist und wer nicht.“ Wen er wählen wird? Der Herbeder schmunzelt: „Wir haben eine gute Bürgermeisterin und einen guten Ersten Beigeordneten. Die sollen ihren Job weitermachen.“ Auch Anja Rotter (46) wusste vorher, wo sie ihr Kreuz am 13. September machen wird. „Trotzdem war es interessant, sich die unterschiedlichen Meinungen der Kandidaten anzuhören. „Bei einigen hatte man aber den Eindruck, sie wussten nicht recht, wovon sie sprachen.“

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