Bürger und Bauherren feiern Richtfest am Wittener Hospiz

Der CVJM Bläserchor spielte beim Richtfest am neuen Hospiz.
Der CVJM Bläserchor spielte beim Richtfest am neuen Hospiz.
Foto: Funke Foto Services
  • Bauarbeiten am St. Elisabeth-Hospiz liegen voll im Zeitplan
  • Viele Bürger nahmen beim Richtfest am Rundgang durch den Rohbau teil
  • Ab März können zehn todkranke Menschen hier in Würde sterben

Witten..  Viele sind gekommen, um sich ein Bild vom neuen Hospiz zu machen, dessen Bau an der Hauptstraße seit Dienstagmittag (20. September) der Richtkranz krönt. Jetzt essen sie Grillwürstchen dort, wo ab März Todkranke ihre letzten Tage verbringen werden. „Sterben findet, ob wir es verdrängen oder nicht, mitten im Leben statt“, sagt Theo Freitag, Geschäftsführer der St. Elisabeth-Kliniken, bei seiner Ansprache.

Damit meint er den Standort des Hauses im Zentrum der Stadt, aber auch das Raumkonzept, das Alleinsein, nicht jedoch Vereinsamung zulasse. „Das Wohlfühlen und Aufgehobensein hängt davon ab, in welchen Räumen Menschen sich aufhalten“, so Freitag. Die Bochumer Architekten Ulrich Krampe und Jürgen Schmidt haben versucht, diesem Anspruch gerecht zu werden. „Es ist das erste Hospiz, dass wir bauen“, gesteht Krampe. Doch es habe Spaß gemacht, ein solches Gebäude zu planen. Nicht einfach ein einzelnes, großes Haus entsteht auf dem Grundstück, sondern ein kleines „Dorf in der Stadt“. Und so gruppieren sich vier Häuser um einen Innenhof. Projektleiterin Anje Muntoni nimmt die Besucher, darunter vor allem Mitglieder des Fördervereins „Ein Hospiz für Witten“, mit auf einen Rundgang durch den Rohbau.

Die Führung beginnt dort, wo sich später einmal der Mehrzweckraum befindet, dessen verschiebbarre Glaswände ihn vielfältig nutzbar machen. Daneben liegt das Wohnzimmer – „wahrscheinlich der wichtigste Raum“, so Muntoni. Er werde mit großen Tischen, einer Küche (denn gekocht wird vor Ort) und einem offenen Kamin ausgestattet. Diese beiden Räume liegen nach vorn zur Straße hin. Daran schließen sich links die Zimmer für die zehn Bewohner an, jedes mit Terrasse oder Balkon sowie einem kleinen abgetrennten Bereich, in dem Angehörige übernachten können. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hofs wird es ein großes Wannenbad mit Echtholz und Naturstein geben, außerdem Büros und Schwesternzimmer.

Was Architekt Krampe jetzt noch ein wenig an einen Kreuzgang rund um den Innenhof erinnert, wird später verglast, so dass der Blick ins Grüne fallen wird. Dort, im Zentrum des Hospizes, erhebt sich jetzt schon sichtbar der Raum der Stille, eine Art Kapelle. Künstlerin Evelyn Körber, die in der Nähe von Erfurt lebt und schon häufiger für die Elisabeth-Gruppe gearbeitet hat, wird den Raum gestalten.

Die Bauarbeiten für das Hospiz, das dort entsteht, wo vorher Pfarrheim und Gemeindezentrum von St. Marien standen, liegen „exakt im Zeitplan“, wie Theo Freitag betont. „Man sah es ja immer weiter wachsen“, staunt eine Besucherin über den zügigen Fortschritt. „Das Hospiz ist ganz wichtig. So etwas gehört einfach zu einer Stadt wie Witten“, sagt ein Mitglied des Fördervereins.

„Wir verdienen nicht am Sterben der Menschen“, kann sich Freitag mit Blick auf das umstrittene Buch des Palliativmediziners Dr. Matthias Thöns, der Ärzten Geschäftemacherei mit dem Lebensende von Patienten vorwirft, nicht verkneifen zu sagen. „Als Träger von Krankenhäusern haben wir nicht nur die Verantwortung für eine akutmedizinische Versorgung, sondern auch für eine Versorgung am Lebensende.“ Der Tod sei unausweichlich, ein „intimer Prozess“, und das Hospiz der angemessene Ort dafür. Zimmerer Rüdiger Heimes bittet um den Segen: „Gott schütze dieses Haus.“

 

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