Bleibt die Speckbahn abgehängt vom Busverkehr?

Anwohner der Speckbahn setzten sich 2009 für die Bedienung der drei Haltestellen ein. Seit 2013 fährt nur noch der Schulbus diese an.Foto:Horst Müller, Archiv
Anwohner der Speckbahn setzten sich 2009 für die Bedienung der drei Haltestellen ein. Seit 2013 fährt nur noch der Schulbus diese an.Foto:Horst Müller, Archiv
Foto: WAZ
  • Der Entwurf des Nahvekehrsplans hatte den Anwohnern Hoffnung auf eine Busanbindung ab 2019 gemacht
  • Diese steht jetzt wieder zur Diskussion. Verkehrsplaner befürchtet Probleme bei der Linienplanung
  • Dann müsste man sich entscheiden, ob der Bus durch den Vormholzer Ring fährt oder über die Speckbahn

Witten..  Das Kind ist noch nicht ganz in den Brunnen gefallen. Doch Klaus Pranskuweit, SPD-Ratsherr für die „Hölzer“, schlägt bereits Alarm. Damit es nicht so weit kommt, dass ab 2019 doch kein Linienbus durch die Speckbahn fährt.

Zur Vorgeschichte: Früher fuhr ein Ast des 320ers über den Vormholzer Ring hinaus durch die Speckbahn nach Kämpen. Trotz Anwohnerprotestes wurde dieser mit dem seit 2013 geltenden Nahverkehrsplan gekappt. Nur noch der Schulbus bedient seitdem die drei Haltestellen Kurhaus, Gideon und Kämpenstraße. Dieser Missstand sollte mit dem neuen Plan, der ab 2019 gilt, behoben werden. Es war ausgemacht, dass die neue Linie mit dem Arbeitstitel „neu3“, durch die Speckbahn fahren sollte.

Allein: Kurz vor Toresschluss hat Verkehrsplaner Andreas Müller dahinter wieder ein dickes Fragezeichen gesetzt. Was den Ratsherrn Klaus Pranskuweit (75) besonders fuchst: Der Verkehrsausschuss, dem er nicht angehört, hatte das mit dem Gesamtpaket auch noch abgenickt. „Notfalls“, zeigt er sich streitlustig, „werde ich da auch gegen die eigene SPD kämpfen.“

Jetzt mal zum Gesamtzusammenhang. Durch die Neuführung der Straßenbahn 310 in Langendreer und den 15-Minuten-Takt der S-Bahn dort wird der Nachverkehr in Witten ab 2019 neu aufgemischt: Die 310 fährt dann zur Hauptverkehrszeit ebenfalls alle 15 Minuten, bei den Bussen muss Witten Abstriche machen.

Schnellverbindung Herbede – City

Die beiden Linien, die heute durch die Hölzer fahren (320 bis Durchholz bzw. Kämpen, 375 bis Vormholzer Ring) machen der Straßenbahn 310 in Heven Konkurrenz. „Deshalb werden sie teils ersetzt durch zwei neue Linien, die keine Konkurrenz zur 310 sind“, erläutert Verkehrsplaner Müller.

Die Linie „neu3“ soll eine schnelle Verbindung zwischen Herbede und Innenstadt schaffen – eine alte Forderung des Kinder- und Jugendparlaments. Über die Herbeder Straße und entlang der Ruhr sind es dann nur noch neun Minuten. Durch die „neu2“ wäre Vormholz einmal die Stunde direkt an die Ruhr-Uni angebunden.

Wo liegt das Problem, dass man die „neu3“ nicht einfach über den Vormholzer Ring hinaus durch die Speckbahn nach Kämpen fahren lässt? Ganz allgemein liegt das an möglichen Mehrkosten. Aber der eigentliche Knackpunkt ist die „Betriebsplanung“: Die Busse müssen in einen Fahrplan im Stundenraster passen, wichtige – getaktete – Anschlüsse müssen gewahrt bleiben. Da könnte es passieren, so Müller, „dass man für eine Linie plötzlich zwei statt einen Bus braucht – dann wird es doppelt so teuer, und der Bus steht vielleicht sogar noch 50 Minuten herum“.

Die Betriebsplanung für die Linie „neu3“ ist noch nicht abgeschlossen. Daran arbeitet ein Planungsbüro, das für den EN-Kreis den neuen Nahverkehrplan erstellt. Dass er den „Hölzern“ die Verbindung gönnen würde, daran lässt Andreas Müller keinen Zweifel. „Die sollen die Speckbahn bekommen, wenn es irgendwie möglich ist.“ Er habe aber rechtzeitig davor warnen wollen, dass die Gesamtfahrezeit der „neu3“ dadurch zu lang werden könne.

In diesem Fall stehe man vor der Alternative, die „neu3“ entweder durch den Vormholzer Ring fahren zu lassen oder aber, diesen links liegen zu lassen, um durch die Speckbahn bis Kämpen zu fahren.

Vorzug für Vormholzer Ring

Vor eine solche Wahl gestellt, könne man aber nur dem Vormholzer Ring den Vorzug geben, so Müller. Dort wohnten viel mehr Bürger als an der Speckbahn. Zum anderen habe man dort gerade erst drei Haltestellen barrierefrei ausgebaut. „Da müssten wir dann auch noch Fördermittel zurückzahlen.“

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