Bessere Willkommenskultur schaffen

Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann

Welche Willkommenskultur für Migranten herrscht in Witten? Das war jetzt eine Frage des Themenabends Integration. Ins Mondolino geladen hatte der Arbeitskreis Demografie des SPD-Stadtverbandes.

Redner waren Lale Arslanbenzer, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums (KIZ) im Kreis und Armin Suceska, kommissarischer Vorsitzender des Wittener Integrationsrates (IR), sowie Claudia Formann, Integrationsbeauftragte der Stadt Witten. Letztere kam nicht, wie Gastgeberin Christel Humme bedauerte: „Die Verwaltungsspitze hat es nicht erlaubt, wegen der Neutralitätspflicht der Verwaltung.“ Auf Nachfrage präzisierte Stadtsprecherin Lena Kücük: „Die SPD befindet sich im Kommunalwahlkampf. Mitarbeiter der Verwaltung sind tunlichst gehalten, sich parteipolitisch neutral zu stellen.“

Lale Arslanbenzer vom KIZ hatte dieses Problem nicht. Sie stellte dessen Konzept vor: „Das Ziel ist Konsens der Beteiligten.“ Die Integration von Migranten solle über Sprachförderung, gesellschaftliche und politische Teilhabe sowie Sport und Kultur gefördert werden, führte sie aus. Nicht nur Migranten müssten sich anpassen. „Wir fühlen noch nicht, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist“, meinte sie. Zu einer besseren Integration zähle, Schulen und Kitas so fit wie möglich zu machen, zum Beispiel durch Sprachunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund.

Christel Humme schlug vor, in Verwaltungen anonyme Bewerbungen einzuführen. Das heißt, Bewerbungsunterlagen lassen keine Rückschlüsse auf Geschlecht und Herkunft zu, um darauf beruhende bewusste oder unterbewusste Entscheidungen zu unterbinden. Lale Arslanbenzer erklärte, Jugendliche mit ausländischem Namen „schreiben in der Regel zehnmal mehr Bewerbungen, mit deutschem Namen ist das ganz anders“. Eine Erfahrung, die sie auch gemacht habe.

Armin Suceska sagte voraus, „die Migranten passen sich ans Aufnahmeland an.“ Jochen Rauh vom Seniorenbeirat fragte, da „Migranten auch älter werden, wo sollte man aufmerksamer sein?“ Lale Arslanbrenzer hofft, „wenn Pflegeeinrichtungen die Migranten als Kunden entdecken, wird es Angebote geben.“ Armin Suceska wusste: „In Lünen gibt es einen Unternehmer, der das aufgreift. Ich glaube, die Wirtschaft wird das Problem lösen. Die Wirtschaft ist immer zwei Schritte vor der Politik.“ Schließlich habe etwa ein Drittel der Bevölkerung Migrationshintergrund, die Nachfrage werde kommen.

Christel Humme zog als Fazit, „dass viel zu tun ist. Es ist nicht unbedingt alles mit Geld zu bezahlen, sondern auch eine Frage, welche Willkommenskultur wir haben“.

 
 

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