Bernd Grewer geht – Richter mit Humor und offenem Ohr

Immer ein Lächeln auf den Lippen: Richter Bernd Grewer – hier im Altbau des Amtsgerichts – geht in den Ruhestand.
Immer ein Lächeln auf den Lippen: Richter Bernd Grewer – hier im Altbau des Amtsgerichts – geht in den Ruhestand.
Foto: Walter Fischer
In Witten fand Amtsgerichtsdirektor Bernd Grewer seine berufliche Heimat. Nun beendet er seine Laufbahn, nach 15 Jahren in der Ruhrstadt. Sein berufliches Leben war gespickt mit tragischen und skurrilen Fällen

Witten..  Für die letzten Verhandlungstage hat er noch einmal seine fast 40 Jahre alte Robe aus dem Schrank geholt und sich übergestreift. „Es soll so traurig enden, wie es angefangen hat“, scherzt Bernd Grewer.

Der sympathische Gladbecker geht nach 38 Richter-Jahren in den Ruhestand. Die vergangenen 15 war er Amtsgerichtsdirektor in Witten, das seine berufliche Heimat wurde. „Hier hatte ich die schönste Zeit.“ Nicht so sehr die Arbeit werde er vermissen, „die auch“, vielmehr aber seine Mitarbeiter. „Sie sind liebenswerte, tüchtige Menschen.“ Etwas Wehmut schwingt mit.

Viele sind es nicht, die ihn gut kennen. Diejenigen, die ihn kennen, beschreiben ihn als ehrlich, offen, manchmal launisch, aber immer fair. „Er war immer hilfsbereit und hatte Verständnis für Lebensläufe, die aus dem Ruder gelaufen sind“, sagt Anwalt Eckhard Hülshoff.

Bei Grewer saßen etliche „Gescheiterte“ auf der Anklagebank: Männer und Frauen ohne Ausbildung, mit langer Vorstrafenliste, oft drogenabhängig, mit Kind, ohne Hoffnung. Aber stets galt: Wer seinen Schulabschluss nachmachte, sich „kümmerte“, erntete Anerkennung, und eine ehrliche Haut hatte bessere Karten auf eine Bewährung. Grewer: „Man versucht natürlich, zu helfen, wo es geht.“

Viel Humor und eine direkte Art

Bei allem Ernst kam sein Humor nie zu kurz („Wofür brauchen Sie einen Elektroschocker? Wenn Ihre Frau nicht spurt?“ oder - zu einem englischen Betrüger - „Wenn das die Queen wüsste...“). Aus seinem Herzen machte er nie eine Mördergrube. „Die meisten schätzten es, zu wissen, wo sie dran sind.“

Dass er mal in Witten landen würde, und dann als Direktor, „hätte ich mir nicht träumen lassen“, sagt der 65-Jährige. Bis es soweit war, gingen einige Stationen voraus – von Yokohama bis an die Ruhr.

Nach dem Studium Mitte der 70er reiste Grewer um die Welt, erst mit der Transsibirischen Eisenbahn, dann nach Japan, Hawaii. Es folgte die Referendarzeit in Siegen („Da haben wir die Studentenzeit fortgesetzt und viel gefeiert“), schließlich überzeugte er die Präsidentin des Oberlandesgerichts. „Da hatten sie mich am Hals“, scherzt er.

Für ihn ging ein Traum in Erfüllung. „Richter wollte ich immer werden.“ Erst in Essen, später in seiner Heimatstadt Gladbeck. Auf einmal rief die Präsidentin des Landgerichts Essen an. „Ich habe gedacht: Oh Gott, was hast du angestellt.“ Dabei war es eine gute Nachricht: das Angebot, nach Witten zu gehen.

Tragische und skurrile Fälle

Witten hatte Grewer damals, das war vor 15 Jahren, erst einmal gesehen, und das war nachts. „Darum bin ich hingefahren und bin um das Amtsgerichtsgebäude geschlichen“, erzählt er. Zwei Nächte schlief der 65-Jährige über das Angebot, dann schlug er zu.

Die Fälle, die er in seiner Laufbahn bearbeitet hat, waren wie das Leben: traurig, erschütternd, brutal, manchmal auch skurril und witzig. Zu letzteren zählt zum Beispiel eine Kommunionfeier, bei der sich die Verwandten prügelten, weil es Apfel- statt Pflaumenkuchen gab. „Wir mussten die Sitzung unterbrechen, weil alle lachen mussten“, erinnert sich Grewer, der Nichtraucher, der nur auf der Arbeit zum Glimmstängel griff.

Auch die Schattenseiten gehörten dazu. Wie der tödliche Unfall auf der Wetterstraße, bei dem eine Autofahrerin einen Motorradfahrer übersah. Oder ein ähnlicher Fall in Herbede. „Ein Müllwagenfahrer übersah eine Zeitungsbotin. Sie starb“, sagt Grewer. Das Verfahren stellte er am Ende wegen der geringen Schuld ein – „das war nicht leicht“. Unvergessen sind auch der Untreue-Prozess gegen den Ex-Chef der Siedlungsgesellschaft und die Verurteilung eines Wittener Großbäckers wegen Erpressung.

Nun will sich Bernd Grewer auf andere Dinge konzentrieren: etwa seinen Schwimmverein und seinen Kegelclub. Und er will den Kontakt nach Witten halten. Wie sagte er so schön: „Hier hatte ich meine schönste Zeit.“

 
 

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