Bauhaus-Betriebsrätin in Witten wird nicht gekündigt

Bauhaus ist der Marktführer unter den Heimwerkermärkten in Witten.
Bauhaus ist der Marktführer unter den Heimwerkermärkten in Witten.
Foto: WAZ / FotoPool
Kritische Beobachter sprechen von einem Etappensieg für die Betriebsräte bei Bauhaus. Die stellvertretende Vorsitzende wird nun doch nicht gekündigt.

Witten.. Die angedrohte Entlassung einer Bauhaus-Betriebsrätin ist offenbar vom Tisch. Beide Seiten sollen sich per Vergleich bei einem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Bochum geeinigt haben.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi war der Frau ein gestörtes Vertrauensverhältnis vorgeworfen worden. Sie habe anlässlich eines Kritikgesprächs des Arbeitgebers mit einer Auszubildenden sinngemäß den Satz fallen: „Mensch Mädchen, warum nimmste auch keinen Betriebsrat dazu?“ Daraufhin war die Baumarkt-Angestellte und stellvertretende Betriebsratsvorsitzende freigestellt worden. Gleichzeitig beantragte der Arbeitgeber aufgrund „erheblicher Vorwürfe“ ihre Kündigung. Weil der Betriebsrat das natürlich ablehnte, kam es zum Prozess.

Nach Freistellung weiterhin im Betrieb erschienen

Dass sich die Anwälte beider Seiten nun geeinigt und die Bauhaus-Vertreter das Vorgehen für „unverhältnismäßig“ erklärt haben sollen, halten kritische Beobachter der Firma für eine „Trendwende“. Immer wieder habe die Heimwerkerkette versucht, Betriebsratsarbeit zu erschweren oder zu verhindern. In der Vergangeheit soll das Unternehmen in Witten sogar versucht haben, Mitarbeiter zu bespitzeln.

Kritiker sehen die Trendwende vor allem darin, dass freigestellte Mitarbeiterinnen wie die Vize-Betriebsratsvorsitzende trotzdem weiterhin im Unternehmen erschienen sind, wenn auch nur, um ihrer ehrenamtlichen Betriebsratsarbeit nachzugehen. „Wenn man Leute freistellt und gleichzeitig kündigt, denken die Betroffenen darüber nach, was sie wohl falsch gemacht haben und zermürben sich selbst“, sagt ein Insider.

„Erfolg Biancas Standhaftigkeit zu verdanken“

Auch die Kölner Initiative „work-watch“ („Arbeit beobachten“), die auf den Enthüllungsschriftsteller Günter Wallraff zurückgeht, spricht von einem Erfolg vor dem Arbeitsgericht. Er sei „Biancas Standhaftigkeit zu verdanken“, wird der Betriebsratsvorsitzende der Wittener Bauhaus-Niederlassung, Memet Özcan, zitiert. Tatsächlich sei der positive Ausgang der Güteverhandlung ein Erfolg des ganzen Betriebsrats, meint Martin Rapp von „work-watch“.

In der Wittener Filiale hatten sich Beschäftigte solidarisch mit der geschassten Kollegin gezeigt und auf einer Betriebsversammlung einen Sticker mit der Aufschrift „I love Bianca“ getragen. Das habe sie ermutigt, trotz der Freistellung weiterhin den Betrieb an der Brauckstraße aufzusuchen.

Beschäftigte erklärten sich solidarisch

Das Unternehmen soll sie jetzt auffordern, wieder arbeiten zu gehen, geben Beobachter den vor Gericht erzielten Vergleich wieder. Was nichts anderes bedeuten würde, dass der Arbeitgeber die Freistellung zurücknimmt. Ob die Geschäftsleitung nun von ihrem „rüden Kurs“ abrücke, müsse sich aber erst noch zeigen, sagt Martin Rapp von „work-watch“ und meint das angespannte Verhältnis zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung. Er spricht von einem „Etappensieg“.

 
 

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