Bäume weg, Baustelle bleibt

Neun Spitzahorne wurden am Mittwoch in der Rörchenstraße gefällt. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Neun Spitzahorne wurden am Mittwoch in der Rörchenstraße gefällt. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Walter Fischer

Witten.. „Ich hab’ so einen Hals!“ Kurt Rade lebt seit zwei Jahren in der Röhrchenstraße - und fast genauso lang hat er schon eine Baustelle vor der Tür.

Am Mittwoch wurden neun Ahornbäume gefällt und jetzt wird zu allem Überfluss auch noch die Straße zum zweiten Mal aufgerissen. „Nun geht der Krach morgens um sieben wieder los!“ Eigentlich gehört die Röhrchenstraße mit ihren prächtigen Altbauten zu den schönen Straßen in Witten.

Der 59-Jährige hatte sich schon auf das Wohnen dort gefreut. Doch inzwischen raubt ihm das Legen neuer Leitungen die letzten Nerven. Kanalbau, Rohre für Wasser und Gas, jetzt wird außerplanmäßig auch noch die 500er-Wasserleitung erneuert, für die Mittwochmorgen die Bäume fielen. „Auf einmal kamen die Männer mit der Säge“, sagt Rade. „Als ich rausgegangen bin und gefragt habe, sagten sie mir, das geschehe im Auftrag der Stadtwerke.“ Innerhalb weniger Stunden waren die Ahorne „nur noch Zahnstocher, völlig kahl geschlagen“, wie sich der Anwohner empört. „Der helle Wahnsinn.“ Anders ging es nicht, entschuldigen sich die Stadtwerke.

Die Bäume stünden auf einer 50 Zentimeter dicken Wasserleitung, eine der wichtigsten Trassen Wittens, die bersten, also platzen könne, weil unter der Leitungen große Hohlräume entdeckt worden seien, so Ralf Christmann (43), Abteilungsleiter für Bau und Betrieb der Gas-Wasser-Versorgung. Die sonst in Sand eingebettete Leitung drohe aus den Muffen zu rutschen - ein großer Rohrbruch könne die Folge sein.

So weit will es der Energieversorger nicht kommen lassen. Er erneuert die Leitung auf 150 Metern Länge zwischen Kurt-Schumacher-Straße und Schützenstraße, was eine achtwöchige Sperrung der Röhrchenstraße in diesem Bereich bedeutet. Das Fällen der Bäume sei unumgänglich gewesen, sagt Ralf Christmann. „Die Straße ist sehr eng. Wir haben neben dem Entwässerungskanal sowie Strom- und Gasleitungen keinen anderen Platz, um die Baugrube zu legen.“

Aber warum, fragt sich Kurt Rade, muss das Pflaster wieder aufgerissen werden? Hätte man die schadhafte Wasserleitung nicht schon beim Kanalbau mitmachen können? „Das müssen die Stadtwerke doch gesehen haben, dass die Leitung nicht in Ordnung war.“ Haben sie auch. Doch man habe mit Rücksicht auf die Verkehrsführung erst in der Südstraße weitergemacht, sagt Ralf Christmann.

Der Verkehr ist auch so ein Thema, das Kurt Rade aufregt. Wegen der Dauerbaustelle gebe es viel weniger Parkplätze, man streite sich darüber schon mit den Anwohnern im Parkweg. Trotzdem schreibe die Stadt regelmäßig Knöllchen. Vielleicht wird Ende Juli ja alles gut, dann wollen die Stadtwerke fertig sein. „Das kennen wir“, sagt Rade skeptisch. Im Vorjahr habe man von August gesprochen. Dann es sei es November geworden.

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